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Portraits und Spruchbüchlein
und ihr Mann, der Textilfabrikant Carl Schirm.
Nachlass des Firmengründers Carl Schirm ist zu haben

Portraits und Spruchbüchlein

Im Tübinger Handelsregister wurde sie im Jahr 1900 als Unternehmen mit der Nummer 2 eingetragen. Die zunächst in Reutlingen und später in Kirchentellinsfurt ansässige Weberei und Spinnerei Carl Schirm & Co. beschäftigte zu ihrer Blütezeit mehr als 400 Mitarbeiter. Ein Teil des Nachlasses des Firmengründers ist nun im Dußlinger Antiquariat von Thomas Leon Heck gelandet.

23.12.2010
  • Stephan Gokeler

Dußlingen/Kirchentellinsfurt. Nach dem Tod einer Urenkelin von Carl Schirm haben Angehörige ein buntes Sammelsurium aus persönlichen und geschäftlichen Unterlagen und Besitztümern dem Antiquar und Kunsthändler Thomas Leon Heck zum Kauf angeboten.

Heck musste nicht lange überlegen, denn Carl Schirm war in seinen Augen nicht nur ein wichtiger Kirchentellinsfurter Industrieller. Die Familiengeschichte der Schirms ist auch eng verwoben mit anderen bedeutenden Reutlinger Familien. So war zum Beispiel Schirms Ehefrau Auguste eine geborene Burkhardt (Louis Burkhardt war Mitgründer der Maschinenbaufabrik Burkhardt & Weber).

Einen Teil des Nachlasses hat Heck mittlerweile bereits an das Reutlinger Stadtarchiv weiter verkauft. Unter den noch zu habenden Stücken stechen zwei Pastellportraits heraus. Die aus Graz stammende Malerin Marianne Wille, laut Heck so etwas wie die „Hausmalerin“ der Schirms, hat Carl und Auguste Schirm sehr lebendig in nahezu fotorealistischem Stil gezeichnet. An persönlichen Gegenständen findet sich im Nachlass neben Schirms Katechismus- und Kirchenliederbuch auch ein Spruch- und Liederbuch mit schwäbischen Lebensweisheiten unter dem Titel „So sem’mer Leut‘!“ oder ein Serviettenring mit Monogramm.

Etliches hat auch die Tochter Carl Schirms der Nachwelt hinterlassen, darunter Fotoalben ihrer Reisen bis an den brasilianischen Zuckerhut. Kreuzfahrten hat sie einschließlich des jeweiligen Tagesprogramms genau dokumentiert und teils in eigens angefertigten und handbemalten Einbänden verewigt. Eine silberne Haarbürste zeugt ebenfalls vom offenkundig vorhandenen Wohlstand der Industriellentochter.

Von der Firmengeschichte bis in die 1950er-Jahre künden diverse Schreiben, Bilanzabschriften oder Kommanditverträge. Die Blütezeit des Unternehmens Ende der 50er- und Anfang der 60er-Jahre dokumentiert auch ein vielseitiges gedrucktes Programmheft eines Betriebsausflugs.

Zu jeder Ortschaft entlang der Reiseroute am Rhein finden sich darin kurze Informationen, der zweite Teil besteht aus Liedtexten für den gemeinsamen Gesang. Die Briefköpfe des Unternehmens bilden stolz das 1910 von Philipp Jakob Manz entworfene Fabrikgebäude in der Kirchentellinsfurter Bahnhofstraße ab.

Der Gemeinde ein Gemälde offeriert

Hierher war die Firma umgezogen, als der ursprüngliche Firmenstandort an der Ecke Charlotten-/Urbanstraße in Reutlingen (wo sich jetzt das Isolde-Kurz-Gymnasium befindet) zu klein wurde. Heute verwaltet der Reutlinger Architekt und Urenkel von Carl Schirm, Hans Hubert Krämer, das mehr als 22 000 Quadratmeter große Areal in Kirchentellinsfurt, das nach der Einstellung der Textilproduktion im Jahr 1987 in einen Gewerbepark umgewandelt wurde.

Gewundert habe er sich, so erzählt Thomas Leon Heck, dass sich die Gemeinde Kirchentellinsfurt nicht für den Nachlass interessiere. Eine schon vor mehreren Wochen ans Rathaus geschickte Mail sei unbeantwortet geblieben, lediglich ein Gemeinderat habe sich die Gegenstände in seinem Antiquariat privat angeschaut. „So viele berühmte Kirchentellinsfurter gibt es doch auch wieder nicht“, findet Heck.

Bürgermeister Bernhard Knauss sagte auf TAGBLATT-Anfrage, Heck habe der Gemeinde lediglich ein Gemälde offeriert. „Da überlegen wir momentan noch“, so Knauss, „vielleicht müssen wir uns da auch über die Preisvorstellungen noch mal unterhalten“. Von einem generellen Desinteresse an dem Nachlass könne jedenfalls nicht die Rede sein, versichert der Kirchentellinsfurter Bürgermeister.

Portraits und Spruchbüchlein
Im Nachlass Schirm, der beim Antiquar Thomas Leon Heck landete, befindet sich auch eine Schachtel mit dem Familienwappen von Auguste Schirm, die aus der Reutlinger Fabrikantenfamilie Burkhardt stammte. Bild und Repros: Rippmann

Portraits und Spruchbüchlein
Auguste Schirm, geborene Burkhardt, …

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23.12.2010, 12:00 Uhr

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