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Wohlfühlen mit Facebook

Positive Posts machen glücklich, nicht neidisch, sagt eine Studie

Wenn man genau hinschaut und ein bisschen darüber nachdenkt, ist es ziemlich irritierend. Auf Facebook ist man umgeben von Freunden, die allesamt ausgesprochen glücklich sind und in die Kameras strahlen. Die Arbeitskollegin schickt Bilder vom „superschönen Urlaub“ in Spanien. Der Kumpel hat ein echt relaxtes Wochenende mit Sprösslingen am Baggersee verbracht.

16.06.2015
  • Angelika Bachmann

Es sind eben die schönen Momente, die man teilt. Eher selten findet man dagegen auf Facebook Nachrichten wie: „War gerade kurz davor, meinem Siebenjährigen eine zu knallen. Der treibt mich seit Tagen in den Wahnsinn!“ Oder: „Bin froh wenn der Urlaub rum ist. Das Paar, mit dem wir die Ferienwohnung gebucht haben, hat sich verkracht. Stimmung ist sowas von mies.“

Auf Facebook wird vor allem Positives gepostet. Warum das so ist und warum es diesen überbordenden Hang gibt, sich selbst als dauerglücklich darzustellen, wäre auch mal eine Frage wert. Eine andere ist: Was passiert, wenn man ständig solche positiven Nachrichten liest? Freut man sich mit? Oder macht es neidisch? Damit beschäftigten sich Forscher am Tübinger Leibniz-Institut für Wissensmedien.

„In den Medien tauchen immer wieder alarmierende Berichte auf, die ständige Konfrontation mit dem scheinbar perfekten Leben anderer auf Facebook würde Neid und Missgunst auslösen“, so Ruoyun Lin, Doktorandin am Leibniz-Institut. Lin und die Psychologin Prof. Sonja Utz gingen dieser These in einer Online-Studie nach und kamen zu dem Schluss: Positive Posts auf Facebook machen eher glücklich als neidisch.

In der Studie ging es um die so genannten „Statusmitteilungen“ in dem sozialen Netzwerk. Diese allgemeinen Posts richten sich nicht an einen bestimmten Adressaten, sondern sind in der Regel vom gesamten Freundeskreis auf Facebook einsehbar.

Die Forscher baten Facebook-Nutzer, die letzten vier Statusmitteilungen von Freunden zu beurteilen. Das Ergebnis ist nicht so überraschend: Die meisten gaben an, dass sie sich mit ihren Freunden freuten. Wenn so etwas wie Neid aufkam, dann im „gutartigen, motivierenden Sinn“, so Sonja Utz. Wer sich bei Urlaubsbildern denkt: „Oh, ich wär jetzt auch gern an diesem Strand“, überlege sich dann vielleicht, ob er noch einen Nebenjob annimmt, um sich das auch leisten zu können. „Bösartiger Neid ist sehr selten“, sagt Utz über die Rückmeldungen in der Studie.

Bleibt die Frage, wie ehrlich die Antworten sind. Gibt jemand vor anderen und vor sich selbst zu, dass er Neid empfindet? „Soziale Erwünschtheit“ nennt sich das im Studien-Fachjargon und meint: Man antwortet das, was gerne gehört wird – oder was man denkt, das man denken sollte. Das könne man natürlich nicht gänzlich ausblenden, meint Utz. Andererseits: Die Umfrage sei anonym und online gewesen. Die Teilnehmer tauchen nicht mit Namen auf. Das reduziere diesen Effekt.

Dass die offen einsehbare Facebook-Welt weitgehend positiv ist, ist für Utz eine Folge der „Privacy“-Debatte der ersten Jahre mit Facebook. Nachdem man die Erfahrung gemacht habe, dass es besser ist, manches nicht für alle Welt sichtbar zu machen, verschwand viel Privates in andere Kanäle – und wird eher direkt an einen Adressaten gepostet.

Die Studie ist Teil eines Forschungsprojekts über Social Media, für das Sonja Utz mehr als eine Million Euro EU-Förderung (EU Starting Grant) eingeworben hat. Darin geht es darum, wie man Social Media sinnvoll einsetzen kann. Die Forscher untersuchen die Effekte und Wirkung der Social Media-Nutzung. Die Ergebnisse könnten helfen, die Gestaltung von Social Media-Plattformen zu optimieren, „um damit das Wohlbefinden der Nutzer zu erhöhen“.

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16.06.2015, 12:00 Uhr

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