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Postfaktische Gefahr
Diese Nachricht verbreitet sich derzeit rasend schnell. Die Polizei bestätigte allerdings bereits: Es ist ein Fake. Screenshot
Vorsicht Falschmeldung

Postfaktische Gefahr

Ein gefälschter Kettenbrief über gefährliche Umschläge macht derzeit im Internet und auf Whatsapp die Runde. Auch Horber erhielten die Nachricht.

13.12.2016
  • Fabian Schäfer

Schon als ich mein Handy entsperre, um die Nachricht eines weitläufigen Bekannten zu lesen, denke ich mir, dass da ‘was nicht stimmt. Und tatsächlich: Es ist ein Text, mit mangelhafter Grammatik geschrieben, der auf eine Gefahr durch Brief-Umschläge hinweist. Darunter der Verweis „Bitte weiter sagen“. Als Whatsapp noch ganz neu war – ja, so eine Zeit gab es und das ist auch noch gar nicht so lange her –, waren Kettenbriefe eine Weile lang ziemlich angesagt. Da wurden ellenlange Nachrichten verschickt, oft versehen mit allerlei Smileys und vor allem zahlreichen Ausrufezeichen, die einen mit irgendwelchen Forderungen oder sogar Androhungen dazu bringen wollten, den Text an sämtliche Kontakte weiter zu verschicken. „Schicke diese Nachricht an 111 Leute weiter oder der Rachegeist Murang wird heute Nacht um 24 Uhr vor deinem Bett stehen“ gehörte noch zu den harmloseren Versionen. Nun war das damals großteils eine Sache unter Jugendlichen, sicherlich auch bedingt durch die größere Verbreitung von Smartphones und Whatsapp in dieser Altersgruppe, und ja meist auch keine wirkliche Gefahr.

Juristisch kann man nichts tun

Doch heutzutage besitzt nun mal beinahe jeder ein Smartphone, ob Mutter, Tante oder der Opa. Und wenn letzterer nun eine Nachricht erhält, wie sie derzeit tatsächlich in Umlauf ist, in der über einem Foto eines großen Umschlags Folgendes steht: „Achtung.: Es werden Umschläge in Briefkästen verteilt. Der Inhalt ist eine CD mit Liedern und Aussagen aus dem Koran. Die CD ist mit chemischer Substanz bearbeitet, die die Attemwege lähmen. Bitte nicht öffnen und sofort die Polizei informieren. In Weilheim sind betroffene schon im Krankenhaus. Bitte weiter sagen“, dann schickt er sowas auch mal weiter und beachtet auffällige Merkmale wie die Rechtschreibfehler oder die sehr offensichtliche Aufforderung zur Weiterverbreitung nicht.

Bereits seit Anfang November sind vermehrt Nachrichten mit – wie hier – islamophobem Inhalt auf Facebook und Whatsapp unterwegs. Auch die Horber Kanzlei Venturino-Weschenmoser erreichte die Nachricht mit der Frage, wie man dagegen vorgehen könne. „Da kann man juristisch leider überhaupt nichts machen. Man sollte solche Dinge aber halt nicht einfach blind weiterleiten“, rät die Horber Stadträtin Vivianna Weschenmoser. Das Polizeipräsidium Tuttlingen hat im Übrigen zwar ebenfalls von den offensichtlich falschen Nachrichten Wind bekommen, jedoch keinerlei Kenntnisse über eine tatsächliche Bedrohungslage durch die Briefe. „Es ist de facto ein Fake“, stellt ein Mitarbeiter des Präsidiums klar.

Durch Nachforschungen habe man herausgefunden, dass die Nachricht nicht einmal vorsätzlich in Umlauf gebracht wurde. Offenbar kamen das Bild und der Text ungewollt zusammen und wurden dann verschickt. „Das hat dann schnell einen Schneeball-Effekt“, erklärt der Polizeisprecher. Vor wenigen Tagen wurde das Wort „postfaktisch“ von der sogenannten „Gesellschaft für deutsche Sprache“ zum „Wort des Jahres“ gewählt. Es bedeutet, Tatsachen bewusst zu verleumden beziehungsweise offensichtlich Unsinn als Fakten zu deklarieren.

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13.12.2016, 01:30 Uhr

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