Glücksbringer für Innovative

Potenzial begegnet Kapital beim Gipfeltreffen der IHK Reutlingen

Die einen haben pfiffige Geschäftsideen, andere suchen nach Investitionsmöglichkeiten. Alle zwei Jahre führt die IHK Reutlingen bei ihrem Gipfeltreffen Potenzial und Kapital zusammen. Zehn Start-up-Unternehmen sind am Montag präsentiert worden.

04.06.2014

Von Thomas de Marco

Reutlingen. Wirtschaft braucht Ideen und Kreativität, sagte IHK-Präsident Christian Erbe zur Eröffnung des vierten Gipfeltreffens. „Gründerinnen und Gründer beleben den Wettbewerb, schaffen Arbeitsplätze und sorgen für Strukturwandel?, erklärte Erbe. Aber auch das innovativste Konzept brauche ein solides finanzielles Konzept ? und das sei für viele Gründer und deren junge Unternehmen die größte Herausforderung.

Deshalb hat die IHK 2008 damit begonnen, mutige Unternehmerinnen und Unternehmer mit finanzkräftigen Investoren wie Vertretern von Banken, Beteiligungsgesellschaften oder auch privaten Investoren zusammenzubringen. „Davon profitieren beide Seiten: Innovative können sich mit ihren Ideen präsentieren ? und wer als Investor in ein Start-up-Unternehmen einsteigt, kann auch gewinnen?, betonte der IHK-Präsident. Für viele der seit 2008 vorgestellten Gründungen seien diese Gipfeltreffen der Einstieg in die Selbstständigkeit geworden.

Die zehn Unternehmen, die am Montag von SWR-Moderator Jörg Assenheimer vorgestellt wurden, hatten zuvor schon eine Jury der IHK von ihren Geschäftsideen und innovativen Konzepten überzeugt. Als Kriterien nannte Erbe Geschäftsmodell oder Geschäftsidee, Wachstumschancen, Marketing, Vertriebsstrategie sowie Unternehmer-Persönlichkeiten.

Fünf Start-up-Unternehmen wurden in der Kategorie Gründung vorgestellt. Unter der Rubrik Wachstum präsentierte die IHK fünf Firmen, die ihre Gründungsphase schon hinter sich haben. Im Gegensatz zum dritten Gipfeltreffen vor zwei Jahren wurden diesmal aber keine Sieger gekürt: Jede Idee wurde mit einem Glücksbringer honoriert ? vom Kompass über Bücher, Betriebsregenschirm oder Bonsaibaum bis zum Solarmodul reichte die Palette der Präsente.

Das sind die Gipfelstürmer in der Kategorie Gründung:

E-Reha, Tübingen: Eine klassische Ausgründung der Uni Tübingen, die Patienten mit Rückenproblemen eine Heimtherapie mit eigenständigem Training sowie die Kontrolle der Übungen ermöglicht. Ein 3D-Sensor kann alle Gelenkpunkte erfassen und ein Feedback nach dem Training geben. Das Unternehmen vergibt jährliche Lizenzen an Physiotherapeuten und hat schon die Unterstützung einer Krankenkasse gefunden.

Immediate Systems, Tübingen: Forscher Vortrag von Holger Gast: „Software wird jetzt billiger!? Der Tübinger Informatiker entwickelt und vertreibt Software im Baukastenprinzip, mit der sich Unternehmen selbst Informationssysteme zusammenstellen können. Bei ihm dauere ein Gespräch 20 Minuten, dann könne er in kürzester Zeit die Software modellieren und testen. Das könne sogar in einem Café gelöst werden, „für Spezialanwendungen brauche ich vielleicht zwei Tage zuhause?, sagt Gast.

MyFoodMap.de, Reutlingen: Zu Beginn stand bei Daniel Dilger das eigene Leiden unter Allergien und Lebensmittel-Unverträglichkeiten. Nun hilft er mit Tobias Hetzel ebenfalls Betroffenen bei der Suche nach verträglichen Lebensmitteln ? mit einer Browserversion für Computer oder Laptop sowie mit einer App fürs Smartphone.

Unidux, Reutlingen: Karla Kurz präsentierte eine Online-Plattform für Studierende und Berufseinsteiger im deutschsprachigen Raum, die den Uni-Alltag mit Events, Mitfahrzentrale, WG-Markt oder Mini-Jobs abdeckt sowie ein klassisches Jobportal anbietet.

Valerias Babybrei, Grosselfingen: Schonende Produktion sowie Vertrieb von Babybrei. „Bei mir wird nichts verkocht, da lebt noch alles?, preist Valeria Föll ihre Babynahrung an.

Die Gipfelstürmer in der Kategorie Wachstum:

Apomore, Dettenhausen: Daniel Birkhofer vertreibt das Kennzeichen „Lieber natürlich? für Naturheilmittel, die in Apotheken verkauft werden. 30 Apotheken bundesweit nutzen dieses Label bereits. Zudem hat Birkhofer eine Papiertüte entwickelt, die auch nicht reißt, wenn sie nass wird, und deshalb für Biomüll verwendet werden kann.

Global Flow, Reutlingen: Bestens bekannt ist das Beratungsunternehmen für Abfall- und Wertstoffmanagement von Nadine Antic und Seda Erkus. Die haben nun ein zweites Standbein ? eine eigene Entsorgungstechnik für biogene Abfälle, aus denen am Ende Dünger wird. Von diesem Se-Na-Flor werde nur die Hälfte der herkömmlichen Düngermengen benötigt.

Grid-Systronic, Bodelshausen: Stefan Jägers und Jochen Kauffmann haben vor zweieinhalb Soft- und Hardwarelösungen für virtuelle Kraftwerke entwickelt: Viele kleine Energie-Erzeuger werden im Netz zu einem großen Kraftwerk zusammengefügt.

Klimaktiv Consulting, Tübingen: Odette Deuber und Stephan Schunkert bieten maßgeschneiderte Systemlösungen zur CO2-Bilanzierung an. Werden Unternehmen auf künftige CO2-Regulierungen vorbereitet, kann das Geld einsparen oder sogar zum Wettbewerbsvorteil werden. Beraten wird auch unter dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber?.

Scanotec, Neustetten: Thilo Brückner und Heiko Weiß haben über mehrere Jahre einen 3D-Scanner entwickelt, mit dem sich Personen oder Tiere in wenigen Sekunden digitalisieren lassen. Über den 3D-Drucker werden Minifiguren in verschiedensten Materialien hergestellt. Derzeit führen die beiden Gespräche mit einem Schokoladenhersteller.

Daniel Birkhofer (rechts) von Apomore aus Dettenhausen präsentierte beim Gipfeltreffen der IHK nicht nur seine Geschäftsidee, sondern auch die einzige Tüte, die eine eigene Webseite haben soll. Links Moderator Jörg Assenheimer.Bild: IHK

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Erstellt:
4. Juni 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Juni 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Juni 2014, 12:00 Uhr

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