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Schluss nach 45 Sekunden

Premiere in "Wer wird Millionär"-Show: Kandidatin versagt bei erster Frage

Das gab es noch nie: Eine junge Kandidatin ist in Günther Jauchs Quiz-Show "Wer wird Millionär" bereits an der 50-Euro-Frage gescheitert. Sie selbst sieht sich dennoch als Gewinnerin.

17.06.2015
  • SVEN KAUFMANN UND DPA

Köln Vor dem Fernseher sind alle klug. Doch wie sieht es aus, wenn man tatsächlich vor dem süffisant lächelnden Günther Jauch sitzt, und Millionen schauen zu? Ein ehemaliger Kandidat von "Wer wird Millionär" (WWM) beschrieb es so: "Wenn man bei Jauch auf dem Stuhl sitzt, weiß man nicht einmal mehr seinen Namen." Der Mann war schon bei der 16.000-Euro-Frage - nach Hause kam er mit 500.

Immerhin. Denn die Modedesignstudentin Tanja Fuß musste sich am Montagabend mit weniger begnügen, genauer gesagt: mit nichts - und das bei vier ungenutzten Jokern. Was in der 20-Jährigen auf dem Kandidatenstuhl vorging als sie sich für die abwegige Antwort D entschied, weiß keiner. Sicher ist nur, dass die blonde Aachenerin damit den kürzesten Auftritt in der 16-jährigen Geschichte der Quiz-Sendung hatte: Nach nur 45 Sekunden Spielzeit war Schluss.

Dabei hatte sie die Eingangsrunde blitzschnell gelöst. In 3,89 Sekunden qualifizierte sie sich für den Ratestuhl. Fuß gab sich anfangs cool: "Alles, was man hier gewinnt, ist Bonus. Man kommt mit nichts rein und geht mit . . ." . "Man geht mit 50 Euro raus", unterbrach sie Jauch. "Aber, man muss vorher diese Frage beantworten können."

Und die war an sich nicht allzu schwer:

"Seit jeher haben die meisten. . ?

A: Dober Männer

B: Cocker Spaniels

C: Schäfer Hunde

D: Riesen Schnauzer".

Die Kandidatin überlegte nur kurz: "Ich hätte jetzt gesagt "Riesen Schnauzer."

Wie bitte? Staunen vor dem Fernseher. Das klang nach einem Blackout, manche würden es auch ein "Brett vorm Kopf" nennen. Doch Jauch half ihr nur halbherzig: "Ja, sagen Sie es auch?", hakte er nach. "Ja!", antwortete sie. "Definitiv?", fragte er noch einmal. "Ja, es sind Schnurrbärte." Schon hier gab er die Antwort ein. Jauch: "Die meisten Riesen haben Schnauzer? Seit jeher?" Fuß: "Machen Sie mir jetzt keine Angst." Jauch: "Nein, Angst kann ich Ihnen jetzt nicht mehr machen. Ich kann jetzt nur noch Schrecken verbreiten." Das tat er mit der Auflösung: "Seit jeher haben die meisten Schäfer Hunde." Fuß meinte: "Ernsthaft? Oh, Gott!"

Günther Jauch: "Ja, ernsthaft. Schäfer haben doch schon immer Hunde gehabt." Riesen haben doch keine Schnauzer. Welchen Riesen kennen Sie denn, der immer einen Schnauzer dabei hat?"

Blackout oder "Brett" - laut der Psychologin Helga Knigge-Illner gibt es da keine wissenschaftlich fundierte Abgrenzung, aber es seien ähnliche Pänomene. Die Suche nach dem richtigen Ergebnis sei in jedem Fall wegen der Aufregung eingeschränkt. Manchmal passiere es auch ohne größere Erregung, dass man "den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht", beziehungsweise umgekehrt und auf seiner (falschen) Beurteilung beharre, weil man in dem Moment total davon überzeugt sei.

Woran auch immer es lag, Tanja Fuß sagte in der Show tapfer: "Ich bin um eine Erfahrung reicher." Laut "Bild" meinte sie später zum Kurz-Auftritt: "Pech im Spiel und Glück in der Liebe! Mein Freund Andreas wollte eigentlich teilnehmen, ich habe mich zum Spaß auch beworben und bin es dann geworden. Es war eine tolle Erfahrung." Und: "Den Hauptgewinn habe ich ja schon mit meinem Freund."

Ein schwacher Trost, schließlich gehen die Kandidaten bei "Wer wird Millionär" im Schnitt mit satten 36 000 Euro nach Hause. Christina Werth aus Berlin, am Montagabend die Kandidatin vor Fuß, hatte sogar 500 000 Euro gewonnen.

Häme ist übrigens nicht angesagt: Die RTL-Liste der Blackouts und "Bretter vorm Kopf" ist ellenlang. Bei der ersten Frage wurde schon öfter der Joker gezogen. Ein Tipp, wählen Sie nicht D:

"Warum ist die . . ?"

A: Blondine dumm

B: Forelle stumm

C: Banane krumm

D: Show schon rum

Enormer Druck

Der Druck auf Kandidaten bei Günther Jauch ist hoch. Die Psychologin Dr. Helga Knigge erklärt, wie es zu Blackouts kommt.

Was ist ein Blackout oder „Brett vorm Kopf“?

Dem Blackout, das heißt, in der Situation, in der einem nichts mehr einfällt, geht in der Regel eine starke Angsterregung voran. Es ist die Angst zu versagen oder sich zu blamieren. In der Sendung war auch noch höchste Aufmerksamkeit von außen auf die Kandidatin gerichtet. Das setzt erst Recht unter Druck, die richtige Antwort zu finden. Übermäßig hohe Angsterregung ruft Fluchtverhalten oder auch Lähmung hervor. Das Denken wird blockiert, man gibt auf, nach der Lösung zu suchen. Die Alternative ist: man kämpft gegen die Bedrohung (des Selbstwertgefühls) an, indem man erneut nach der Lösung sucht.

Weiß man in diesem Zustand gar nichts mehr?

Doch, das Wissen ist da, aber man kommt nicht heran. Durch die Erregungsprozesse im Gehirn ist der Zugang zum speziellen Speicher im Gehirn, in dem man sucht, gesperrt. Wenn die Erregung wieder abflaut und man sich beruhigt, kann man wieder an die Speicher herankommen.

Gibt es eine Neigung zu Blackouts?

Ja, manche Menschen sind besonders sensibel oder ängstlich und nehmen ihre Gefühle sehr intensiv wahr; das heißt, ihre Selbstaufmerksamkeit ist hoch. Denen fällt es schwer, sich auf die Sache zu konzentrieren, stattdessen beobachten oder kritisieren sie sich selbst. Das sind oft Menschen, die hohe Ansprüche an sich selbst stellen und damit einen hohen Druck erzeugen.

Was kann man tun?

Der Hauptansatzpunkt ist die Erregung. Man muss versuchen, ruhiger zu werden. Zum Beispiel, indem man auf seine Atmung achtet – also tief ein- und ausatmen – und sich einen Moment Pause gönnen. Das ermöglicht einen erneuten Zugang, und man kann sich noch einmal überlegen, wie die Frage lautete. Es geht also darum, neu zu starten, und auf keinen Fall auszusteigen. Für Prüfungssituationen sollte man sich das vorher zurechtlegen. Außerdem sollte man den Mut besitzen zu sagen: „Moment, ich bin aufgeregt und muss mich erst einmal beruhigen.“ sk

Premiere in "Wer wird Millionär"-Show: Kandidatin versagt bei erster Frage
Tanja Fuß und die erste Frage. Die 20-jährige Studentin entschied sich für die falsche Antwort. Foto: RTL

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17.06.2015, 12:00 Uhr

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