Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Schillernd, genial, nicht von dieser Welt: Zum Tod eines großen Popstars

Prince war Musik

Das Gute hat keinen Bestand. Und auch wer unsterblich scheint, ist es nicht. Mit Prince hat die Musikwelt nach Bowie in diesem Jahr einen zweiten wichtigen Innovator des Pop verloren. Eine Würdigung.

23.04.2016
  • ULRICH RÜDENAUER

"Sometimes I wish life was never ending, and all good things, they say, never last" - manchmal wünschte ich mir, das Leben wäre unendlich, aber alles Gute, heißt es, hat keinen Bestand: Diese Zeilen aus dem Prince-Song "Sometimes It Snows In April" kamen an diesem sonnigen Apriltag vielen in den Sinn, die die Nachricht vom Tod eines der größten Popkünstler aller Zeiten hörten, deren Herzen sie aber keinesfalls glauben wollten.

Prince war schillernd, genial, nicht ganz von dieser Welt, überirdisch. In seiner Person verschmolzen Little Richard, Jimi Hendrix und James Brown zu einer androgynen Kunstfigur. Er amalgamierte Soul, Funk, Rock und Pop zu einer mainstreamtauglichen und zugleich avancierten Melange; nahm in seinen Texten kein Blatt vor den Mund, seine Lyrics waren so sexy wie er selbst; Geschlechtergrenzen warf er über Bord. Wer das Vergnügen hatte, ihn bei seinen rasenden, inspirierten, sinnlichen Bühnenshows zu erleben, konnte auch einen Jazzmusiker bei der Arbeit beobachten - einen, der die diversen Instrumente, seine Stimme, seinen Körper als Medien der Improvisation zu nutzen verstand.

Überhaupt, seine Konzerte: Da war der nur knapp 1,60 Meter große Mann von solch atemberaubender Präsenz und seine Stücke so voller Wucht, dass die Auftritte einer Party glichen. Wie kein anderer konnte er bei seinen Fans Beat und Herzschlag in Einklang bringen, funkadelische Feuerwerke entzünden und dabei zugleich die komplexesten Harmoniewechsel wie leichte Spielereien erscheinen lassen. Legendär waren die Aftershow-Gigs in lokalen Clubs, wo Eingeweihte in den Genuss mehrstündiger Jamsessions kamen. Es schien, als brauchte Prince weder Schlaf noch Erholung. Der Mann machte keine Musik - er war Musik.

Das zeigt sich auch an seinem schier unerschöpflichen Output: 1978 erschien die erste Platte "For You". Prince, aus einfachen Verhältnissen stammend, aber mit Musik aufgewachsen, spielte alle Instrumente selbst, schrieb, produzierte, arrangierte. Hunderte Songs sind in den vergangenen vier Jahrzehnten entstanden, seine eigenen Klassiker wie "Kiss" oder "Purple Rain", aber auch Hits für andere Musiker.

Von Anfang an legte er Wert auf künstlerische Integrität. Früh errichtete er sich in der Nähe seiner Heimatstadt Minneapolis, wo er am 7. Juni 1958 als Prince Rogers Nelson geboren wurde, eine kreative Raumstation: In den Paisley Park Studios, einem riesigen Komplex aus Aufnahmeräumen und Session-Sälen, einem kreativen Thinktank, entstanden Princes Platten, Videos und Bühnenshows. Auch als Filmemacher versuchte er sich in den 80er Jahren, als er neben Michael Jackson und Madonna weltweit zum Superstar aufgestiegen war. Mit Kameramann Michael Ballhaus drehte Prince 1986 in Nizza als Regisseur "Under The Cherrymoon", kein kommerzieller Erfolg, aber ein weiterer Beleg für seine ungemeine produktive Kraft. Ballhaus erinnert sich in seinen Memoiren: "Ich mochte Prince, den ich immer für einen sehr ernsthaften Künstler hielt. Ich mochte es, in seiner Limousine mitzufahren, wo er eigentlich immer Schostakowitsch hörte, laut und sehr intensiv. Ich mochte es, mit ihm zu arbeiten, wenn er morgens, ein Baguette in der Hand und sehr gut gelaunt und freundlich, am Drehort erschien."

Ein ernsthafter Künstler, das war er auch in den 90ern, als sich Streitigkeiten mit der Plattenfirma Warner hinzogen, er mehrfach seinen Namen änderte, nicht länger "Sklave" der Musikindustrie sein wollte. Künstlerisch waren das produktive, auch zwiespältige, ein wenig beliebige Zeiten; die Veröffentlichungspolitik war nicht recht zu durchschauen. 2007 lag sein Album "Planet Earth" der britischen Zeitung "The Mail On Sunday" gratis bei - und erfuhr damit eine riesige Auflage. Die darauffolgenden 21 Konzerte in der Londoner O2-Arena waren sämtlich ausverkauft.

Prince, der zurückgezogen lebte und arbeitete, scheute keine Konflikte. Seine Kunst stand im Mittelpunkt, und er blieb bis zum Ende das Wunderkind, als das er in den späten 70er Jahren das Erbe der größten schwarzen Musiker antrat.

Neben David Bowie verliert die Musikwelt mit ihm in diesem Jahr einen zweiten wichtigen Innovator des Pop. Er starb am Donnerstag im Alter von nur 57 Jahren in Chanhassen, einem Vorort von Minneapolis. All good things never last.

„Purple Rain“ zurück in den Charts

Todesursache Am Freitagmorgen (Ortszeit) hat eine Pathologin mit der Autopsie von Prince begonnen. Zur Untersuchung gehöre es, alle möglicherweise relevanten Informationen über die „medizinische und soziale Lebensgeschichte“ des Musikers zu sammeln. Die Toxikologie-Untersuchung könne Wochen dauern. Vor deren Abschluss sollen keine Ergebnisse veröffentlicht werden. Der Polizei zufolge war am Donnerstagvormittag ein Notruf von den Paisley Park Studios eingegangen, wo der Künstler regungslos in einem Aufzug gefunden worden war.

Trauer Fans versammelten sich vor den Studios und vor dem First Avenue-Club im Stadtzentrum von Minneapolis, wo der Musiker den 1984 erschienenen Film „Purple Rain“ gedreht hatte, um die Nacht mit seiner Musik durchzufeiern.

Posthumer Erfolg Der Tod von Prince hat zu einem Run auf seine Musik geführt. „The Very Best Of Prince“ und „Ultimate (The Very Best of Prince)“ waren GfK zufolge wenige Stunden nach Bekanntwerden seines Todes die meistgeladenen Alben in Deutschland. „Purple Rain“ erreichte Platz drei der Single-Tagesauswertung. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

23.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball