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Braune Brühe aus dem Warmwasserhahn hygienisch unbedenklich

Probleme mit den Leitungen am Uni-Klinikum

Wasser, das braun verfärbt aus der Leitung läuft, dazu immer wieder Wasserrohrbrüche: Das Leitungssystem in den Crona-Kliniken des Tübinger Uniklinikums ist marode. Jetzt soll großflächig saniert werden.

17.10.2012
  • Uschi Hahn

Tübingen. Der Patient war eigentlich zufrieden. Von der medizinischen Seite sei bei seiner Hüftoperation alles in Ordnung gewesen. Nicht in Ordnung fand er die Zustände im Bad auf Station 31 des Crona-Klinikums. Aus dem Warmwasserhahn sei eine „sehr braune rostige Brühe“ gelaufen, ließ er das TAGBLATT wissen. Ekelig nicht nur für ihn, auch seine Mitpatienten verzichteten aufs Duschen und nutzten zum Zähneputzen Mineralwasser.

„Das Problem ist bekannt“, sagt Prof. Nikolaus Wülker, der Chef der Orthopädie. Immer wieder laufe aus den Wasserhähnen der Station auf Ebene 7 braun verfärbtes Wasser. Und nicht nur dort: Selbst beim Händewaschen im Zentral-OP habe er das schon erlebt. Einen Grund zur Beunruhigung sieht Wülker darin nicht. Man habe ihm seitens der Klinik-Hygiene versichert, dass das Wasser gesundheitlich unbedenklich sei.

Das bestätigt der Mikrobiologe und Hygienebeauftragte am Klinikum Klaus Schröppel. Bei den regelmäßigen Untersuchungen habe man keine gesundheitsschädlichen Keime gefunden: „Es ist alles in Ordnung, es sieht nur nicht gut aus.“ Allerdings stelle man immer wieder Metall-Ionen verschiedener Art fest, wie Mangan, Eisen oder Nickel. Aber stets unterhalb der Grenzwerte – „in einem Bereich, wo die Trinkwasserqualität noch nicht beeinträchtigt ist“.

Woher aber kommen die im Wasser gelösten Rostpartikel? In den zwischen 1986 und ’89 bezogenen Crona-Kliniken wurden verzinkte Eisenleitungen verlegt. Das sei „damals Stand der Technik“ gewesen, sagt der Leiter des Technischen Betriebsamtes Jürgen Bunzel. Die Zinkschicht diene dem Korrosionsschutz. Aber sie werde durch Kalkablagerungen angegriffen. Steht das Wasser dann länger in den Leitungen, lösen sich die korrodierten, also rostigen Metallpartikel und färben das Wasser braun. Seit etwa zwei Jahren komme es immer wieder zu Rohrbrüchen oder eben Beschwerden wegen des braunen Wassers.

Bei den starken Belastungen im Klinikum hält Bunzel es für „ganz normal“, dass die Leitungen nach 30 Jahren ersetzt werden müssen. „Unser Ziel ist es, Edelstahlleitungen einzusetzen.“ Nur: Dafür fehlte bisher das Geld. Doch jetzt sollen im Zuge der Brandschutzsanierung auch die Wasserleitungen erneuert werden. Im Haushalt stehen für die Generalüberholung bis 2016 zwölf Millionen Euro – vom Land finanziert.

In den ersten Stationen hat die Sanierung schon begonnen. Bis überall klares Wasser läuft, müsse man sich „mit Kompromissen über Wasser halten“, sagt der Hygienebeauftragte Schröppel. Zum Beispiel das Wasser längere Zeit laufen lassen. Auch spüle man die Leitungen durch, sobald man von konkreten Beschwerden erfahre. Er hofft, dass es schnell geht mit der Sanierung. Denn eigentlich sei das braune Wasser ein „No Go“.

Dass es so eigentlich gar nicht geht, findet auch der Orthopädie-Chef Wülker: „Das wirft ein schlechtes Licht auf eine gute medizinische Versorgung.“

Früher wurde das Warmwasser an den Crona-Kliniken auf dem Schnarrenberg in großen Tanks aufgeheizt und bereitgestellt. Sank die Temperatur, wurde es wieder aufgeheizt. Bisweilen stand das Wasser also längere Zeit in den Behältern. Bei diesem Verfahren besteht allerdings das Risiko, dass sich winzige Mengen von Keimen vermehren und das Wasser belasten – beispielsweise mit Legionellen.
Deshalb hat das UKT die Warmwasser-Bereitung umgestellt. Die Hauptwasserleitung im Technik-Geschoss wurde ersetzt. Seit eineinhalb Jahren wird außerdem das Frischwasser im Durchlaufverfahren auf mindestens 60 Grad erhitzt, und das nur bei Bedarf.

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17.10.2012, 12:00 Uhr

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