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Produktion auf kleiner Flamme
Noch herrscht Kurzarbeit, aber bei Alno laufen wieder Küchen vom Band. Foto: Felix Kästle/dpa
Alno

Produktion auf kleiner Flamme

Der Küchenbauer hat unter neuem Namen und mit weniger Mitarbeitern den Betrieb aufgenommen. Bereits für 2019 ist eine schwarze Null geplant.

28.03.2018
  • SIMONE DÜRMUTH

Pfullendorf. An den Details ist zu sehen, dass die Neue Alno GmbH noch in den Kinderschuhen steckt: Ein Mitarbeiter hat das „AG“ im Logo auf seiner Arbeitsweste einfach rot übermalt. Die Betriebsratsvorsitzende hat den Namen von ihrer Visitenkarte kurzerhand abgeschnitten. Die neuen Karten sind schlicht noch nicht da.

Aber das große Ganze ist bereits auf Neuanfang getrimmt. Nachdem die Produktion monatelang still stand und schließlich im Dezember der britische Investor Riverrock als neuer Kapitalgeber auftauchte, will der Küchenbauer aus Pfullendorf jetzt zurück an den Markt. Bereits 2019 möchte das neu gegründete Unternehmen, das nur wesentliche Teile wie den Markennamen von der insolventen Alno AG übernommen hat, mindestens eine schwarze Null schreiben, kündigt der für Finanzen zuständige Geschäftsführer Thomas Kresser an. Er strebt Umsätze im dreistelligen Millionenbereich an.

Produktion auf kleiner Flamme
Alno-Geschäftsführer Andreas Sandmann. Foto: Felix Kästle/dpa

Die Belegschaft wurde stark geschrumpft. Von mehr als 1600 Mitarbeitern im Jahr 2016 sind noch 320 beschäftigt. Vor allem in der Verwaltung wurden Stellen gestrichen. Die beiden Gebäude, in denen sie bisher untergebracht waren, sollen vermietet werden. In der Produktion wird derzeit in Kurzarbeit gefertigt. Es werden etwa 600 Küchenschränke am Tag hergestellt, im zweiten Halbjahr sollen es 1000 sein. Dafür müssten aber noch Mitarbeiter in der Produktion eingestellt werden, erklärt Geschäftsführer Andreas Sandmann.

Etwa 500 Küchen stünden zur Auslieferung bereit, so Kresser. Und auch die Lager sind voll. „Die Gerüchte, wir würden nicht mehr beliefert, stimmen nicht.“ Man habe sich aber von einigen Lieferanten getrennt, weil man die entsprechenden Teile künftig selbst herstellen wolle. Dazu zählt zum Beispiel die Lackierung von Glasfronten. Die hauseigene Lackiererei werde ein Schwerpunkt für die Investition der nächsten Jahre sein, kündigt Sandmann an. Mit zwei Dritteln der bisherigen Lieferanten arbeite man weiter zusammen.

Deutlich weniger Gehalt

Für die Mitarbeiter der Neuen Alno GmbH bedeutet der Neuanfang zwar, dass sie der Arbeitslosigkeit entkommen sind. Sie müssen aber deutliche Einschnitte in Kauf nehmen. Ihre Gehälter wurden um 15 Prozent gekürzt und die Arbeitszeit auf 40 Stunden erhöht. „Wir standen alle mit der Kündigung in der Tasche da“, sagt die ehemalige und aktuelle Betriebsratsvorsitzende Waltraud Klauber. Sie trage die Entscheidung mit. Vor allem die älteren Kollegen hätten auch kaum eine andere Chance gehabt, als zu unterschreiben. Wenn das Unternehmen in die Gewinnzone komme, dann könne man auch über mehr Geld sprechen.

Nach zahlreichen Managementwechseln, Streit unter den letzten Geldgebern und 300 Mio. EUR Schulden soll so aus der Aktiengesellschaft Alno wieder ein Mittelständler werden: Tochterunternehmen wurden verkauft, die Verwaltung auf weniger als 20 Prozent der Beschäftigten reduziert.

Helfen könnte Alno, dass die Lieferzeiten für Küchen in Deutschland derzeit mit etwa zehn Wochen recht lang sind, in der Schweiz wartet man unter Umständen sogar zehn Monate. „Da könnten wir helfen“, meint Sandmann augenzwinkernd. Gelingen soll das mit der neu aufgelegten Reihe „Alno active“. Ein Standard-Programm, das fünf Tage nach Bestellung fertig zur Lieferung sein soll. Doch damit das Produkt einen Abnehmer findet, muss vor allem verloren gegangenes Vertrauen wieder aufgebaut werden.

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28.03.2018, 06:00 Uhr

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