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Ein Feuerwerk bei der Kinder-Uni auf der Morgenstelle

Prof. Grond griff in die Trickkiste der Chemiker

Leuchtende Cocktails, grünes Feuer und explodierende Seifenblasen: In der letzten Kinder-Uni-Vorlesung des Jahres kamen die Kinder aus dem Staunen nicht mehr heraus.

28.06.2012
  • Ulrich Janssen

Tübingen. „Warum haben die Chemiker das Blau-Machen erfunden?“ Ziemlich harmlos klang die Frage, die sich die Tübinger Chemikerin Prof. Stephanie Grond für ihre Vorlesung am Dienstagnachmittag vorgenommen hatte. Doch was Grond mit ihrem Kollegen Gerhard-Karl Riethmüller dann bot, war alles andere als harmlos. Die knapp 400 begeisterten Zuschauer im Hörsaalzentrum auf der Morgenstelle erlebten ein wunderbares Spektakel mit allem, was die Chemie zu bieten hat. Es gab Szenenapplaus.

Und man konnte sogar etwas lernen. Farben verbinden wir normalerweise immer mit einem bestimmten Stoff. Blau zum Beispiel mit Blaubeeren, Blue-Jeans oder mit Wasser. Doch blau sind all diese Dinge nur, solange kein Chemiker in der Nähe ist. Chemiker, erfuhren die Kinder, können mit ihren Tricks die Eigenschaften von Stoffen verändern und sogar ganz neue schaffen.

So zeigten sich auf einem weißen Papier plötzlich blaue und rote Schriftzeichen, als Grond sie besprühte. Ein gelber Zylinder wurde abwechselnd rot und gelb, je nachdem ob er in heißem oder kaltem Wasser gebadet wurde. Und eine klare Flüssigkeit verfärbte sich durch bloßes Schütteln blau. Grond brachte in drei Cocktailgläsern sogar Flüssigkeiten zum Leuchten.

Wie machen die Chemiker das? Ohne Energie, soviel ist klar, kann man nichts verändern. Also schüttelten die Chemiker ihre Flüssigkeiten kräftig, sie erhitzten sie oder brachten sie mit anderen Flüssigkeiten in Kontakt. „Reaktion“ nennt man das, was die Chemiker damit auslösen. Bei einer Reaktion suchen sich in den Stoffen winzig kleine Teilchen, die sogenannten „Elektronen“, neue Plätze. Die Bewegung der Teilchen kann dann die Eigenschaften des Stoffes, also auch sein Aussehen, verändern. „Chemie ist“, erklärte Grond, „wenn Teilchen wandern.“

Sehr berühmt ist die Redox-Reaktion. Dabei wandern Elektronen von einem Stoff zum anderen. Im Hörsaal zeigten Grond und Riethmüller dies sehr eindrucksvoll am Beispiel der Knallgasreaktion. Wenn man Sauerstoff und Wasserstoff vorsichtig zusammenbringt und anzündet, gibt es einen mächtigen Knall. Riethmüller zeigte, dass dies sogar in Seifenblasen funktioniert: Die zarten Gebilde explodierten lautstark, wenn sie mit dem Gasgemisch befüllt wurden. Auch viele Raketentriebwerke funktionieren mit Sauerstoff und Wasserstoff als Treibstoff.

Zwischen den vielen anregenden Explosionen erfuhren die Kinder aber auch noch, wie das „Blau-Machen“ funktioniert. In einer Schale rührte Grond dazu Indigo an, einen Farbstoff, der seit über tausend Jahren in Indien aus Pflanzen gewonnen wird. Heraus kam eine heiße grüne Pampe, in die Grond ein weißes T-Shirt eintunkte. Prompt wurde das Shirt gelblich grün. Keine Spur von Blau.

„In der Chemie“, beruhigte Grond die Kinder, „braucht man viel Geduld.“ Das liegt daran, dass Reaktionen häufig Zeit benötigen. So dauerte es etwa zehn Minuten, bis die Kinder sahen, dass aus dem gelbgrünen ein blaues T-Shirt geworden war. Das Indigo hatte, nachdem es eine Zeitlang dem Sauerstoff in der Luft ausgesetzt war, die Farbänderung bewirkt.

Aus diesem Grund, meinte Prof. Grond, sagen wir auch, dass jemand blau macht, wenn er sich auf die faule Haut legt. Früher dachten die Menschen nämlich, dass es die Färber (die frühen Chemiker), sehr bequem hatten. Schließlich wurde der Stoff scheinbar durch bloßes Zusehen und nicht durch Arbeit blau. Tatsächlich aber war der Färberberuf sehr anstrengend und auch ziemlich ungesund. Und so lustig wie auf der Morgenstelle ging es bei den ersten Färbern ganz sicher auch nicht zu.

Prof. Grond griff in die Trickkiste der Chemiker
„Herzlich willkommen“: Mit Eisenchlorid zauberten Prof. Stephanie Grond und Gerhard-Karl Riethmüller diese Schriftzeichen auf das weiße Transparent. Zuvor hatten sie Ammoniumthiocyanat (für Rot) und gelbes Blutlaugensalz (für Blau) aufgetragen.

Leuchtende Cocktails: Luminol, Wasserstoffperoxid und Hämin ergeben ein leuchtendes Blau, wenn man es in Wasser gießt. Gibt man es in Gläser mit Rhodamin wird es rosa, kommt es zu Natriumfluorescin, wird es knallgelb. Diese Farben kann man sogar in der Dunkelheit sehen.
Schüttelblau: Hier gab Grond in einem Zylinder den Farbstoff Methylenblau in eine Traubenzuckerlösung. Beim Schütteln wurde die klare Flüssigkeit blau.
Blaues T-Shirt: In einem Gefäß brachte Prof. Grond heiße Natriumhydroxid-Lösung mit Indigo-Schlamm und Natriumdithionit zum Kochen. Mit diesem Gemisch kann man Stoffe so verfärben, dass sie auch einen Waschgang in der Waschmaschine unverändert überstehen.
Grüne Flamme: Dazu erzeugte Gerhard-Karl Riethmüller in einem Gefäß eine farblose Flüssigkeit namens Borsäure-Trimethylester, die in einem grünen Feuer verbrannte.
Glühender Schlumpf: Wenn man einen blauen Schlumpf in geschmolzenes Kaliumchlorat wirft, verdampft er mit einem Blitz. Dabei wird Sauerstoff frei.

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28.06.2012, 12:00 Uhr

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