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Felix Wichmann

Professor für Neuronale Informationsverarbeitung

Sehen ist kompliziert, sagt Felix Wichmann. Wie das menschliche Gehirn von „zweidimensionalen Lichtmustern auf der Netzhaut auf die dreidimensionale Welt schlussfolgert“, sei bislang noch wenig verstanden. Bei den Tübinger Uni-Informatikern auf dem Sand versucht der 42-Jährige, mehr darüber herauszufinden, wie visuelle Informationen verarbeitet werden. „Beim Sehen ist die Hälfte unseres Gehirns aktiv.

01.08.2012

“ Zuletzt befasste er sich an der Technischen Universität Berlin mit der „Modellierung kognitiver Prozesse“.

Ob eine Lichtquelle einen Gegenstand von vorne oder von hinten beleuchtet, ob ein Schatten fällt: „Das alles verändert die Wahrnehmung.“ Wie sich das im einzelnen vollzieht, will Wichmann durch Experimente erhellen. Einer Gruppe von Versuchspersonen zeigte er Fotos von etwa 400 menschlichen Gesichtern, scheinbar ohne Haare und gut rasiert. Die Probanden sollten entscheiden, ob es sich bei den Abgebildeten um Männer oder Frauen handelte.

Die Fehlerquote lag bei etwa zehn Prozent, wobei Männer sich deutlich häufiger irrten als Frauen, so Wichmann. Die meisten Fehleinschätzungen unterliefen jüngeren, sehr von sich eingenommenen Männern. Sie glaubten, „ganz genau zu wissen, was Frauen sind“.

Dem Forscher geht es dabei nicht etwa um Gender-Konzepte. Er will nachvollziehen, wohin die Versuchspersonen den Blick richteten: „Worauf haben sie auf dem Foto geschaut? Welche Informationen haben sie verwendet?“ Als vorläufiges Ergebnis stellte sich heraus: „Die Nase enthält keine Geschlechtsmerkmale.“

Grundsätzlicher formuliert fragt Wichmann: „Welche visuellen Informationen werden behalten? Welche werden verworfen – und warum?“ Aus solchen Daten versucht er, „ein mathematisches Modell der frühen Stufen der Sehverarbeitung“ zu entwickeln.

Nach dem Abitur am Nürtinger Hölderlin-Gymnasium 1989 und dem Zivildienst an einer Psychiatrischen Klinik in Stuttgart studierte Wichmann experimentelle Psychologie an der britischen Universität Oxford. Mit Mathematik und Physik als Lieblingsfächern aus der Schulzeit, reizte ihn der dortige naturwissenschaftliche Zugang zu seinem Fach. Die deutsche Universitäts-Psychologie war damals eher sozialwissenschaftlich ausgerichtet, sagt der Wissenschaftler.

Wichmann arbeitete bereits von 2002 bis 2007 in Tübingen. Am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik leitete er damals die Forschungsgruppe Mathematische Psychologie. Zudem lehrte er im Studienjahr 2005/2006 psychologische Forschungsmethoden am Psychologischen Institut der Fakultät für Informations- und Kognitionswissenschaften der Uni Tübingen. dhe / Bild: Hermann

Professor für Neuronale Informationsverarbeitung

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01.08.2012, 12:00 Uhr

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