Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Jochen von Bernstorff

Professor für Staats- und Völkerrecht

Tübingen. Schon als Abiturient hatte Jochen von Bernstorff das Völkerrecht im Blick; es reizte ihn die auswärtige, die internationale Politik.

10.08.2012

Ein wenig lag es auch in der Familientradition der Bernstorffs, die mehrere Politiker und Diplomaten, sogar zwei Außenminister verzeichnet. Der bekannteste, Albrecht Graf von Berns torff, war Botschaftsrat in London und gehörte zum Widerstand des 20. Juli gegen Hitler; er wurde von der SS ermordet.

Jochen von Bernstorff bringt für sein Fach nicht nur akademische, sondern auch praktische Erfahrung aus der UN-Diplomatie mit. Der gebürtige Niedersachse studierte Jura in Marburg und Poitiers (Frankreich). Nach der Promotion in Mannheim und dem Referendariat in Hamburg wurde sein Berufsziel „Auswärtiges Amt“ Wirklichkeit. Er bestand das Auswahlverfahren für die Diplomatenausbildung und wurde in der Zeit des Außenministers Joschka Fischer Mitglied der deutschen Uno-Delegation. Unter anderem war er in New York am Zustandekommen der UN-Behindertenkonvention (2007), in Genf an der Menschenrechtskommission beteiligt.

Als „tolle Erfahrung“ hat er die Arbeit an der Behindertenkonvention in Erinnerung, weil er hier relativ großen Gestaltungsspielraum hatte, und weil die einbezogenen Verbände hinterher mit ihrer Lobby-Arbeit in der Öffentlichkeit die Umsetzung der Ergebnisse einforderten. Als Referent begleitete er die deutsche Initiative für ein Menschenrecht auf Wasser. Aber er erlebte auch ernüchternde Momente des Widerspruchs zwischen den eigenen Überzeugungen und den Weisungen des Amts. „Heute sehe ich hinter einem Uno-Dokument die Kämpfe und Interessen im Hintergrund“, sagt er. Sein Blick auf das Völkerrecht sei durch die Praxis „realistischer“ geworden.

Als jungem Familienvater bereitete ihm jedoch vor allem die Perspektive des häufigen Länderwechsels im Auswärtigen Dienst mit der Zeit Unbehagen. Eine Stelle am Max-Planck-Institut für Völkerrecht in Heidelberg bot ihm die Gelegenheit zur Rückkehr in die Forschung. Bald nach der Habilitation in Frankfurt (über „Kerngehalte im Grund- und Menschenrechtsschutz“) folgte der Ruf nach Tübingen. Hier trat der 42-Jährige im vergangenen Wintersemester die Lehrstuhl-Nachfolge von Wolfgang Graf Vitzthum an.

Von Bernstorff sieht sich als Generalist im Völkerrecht, lehrt aber auch Staatsrecht, Grundrechte und Staatsorganisation. Neben dem Grund- und Menschenrechtsschutz gehört sein Forschungsinteresse dem Umwelt-Völkerrecht, der Entwicklung von Regeln und Institutionen für die „globale Verwaltung von Gemeinschaftsgütern“ wie Luft, Klima, Wasser. Dazu bereitet er ein Forschungsprojekt vor.

„Tübingen hat es uns sehr leicht gemacht“, sagt von Bernstorff über die Eingewöhnung seiner Familie (die Kinder sind zwei, sieben und neun Jahre alt) am neuen Wohnort, nach Jahren in Berlin und Heidelberg. Er schätzt die kurzen Wege in der Stadt und lobt die „gute Stimmung an der Fakultät“. Und hofft, dass auch seine Frau, eine Slavistin, nach der Familienphase in ihrem Fach Anschluss findet.upf / Bild: Pfeil

Professor für Staats- und Völkerrecht

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.08.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball