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Barbara Kaup

Professorin für Kognitionspsychologie

Tübingen. Wie funktioniert das Verstehen von Sprache? Wie setzt das Gehirn Wörter und Sätze in Bedeutung um? Dazu gibt es in der Kognitionspsychologie, die sich mit solchen Fragen beschäftigt, zwei Ansätze: Die einen gehen davon aus, dass sozusagen ein Gehirnmodul für sprachliches Verstehen reserviert ist. Dass dort eine „mentale Sprache“ vorhanden ist, die ohne Beteiligung anderer kognitiver Prozesse Wörter erkennt und Bedeutungen abruft.

03.02.2010

Barbara Kaup ist überzeugt, dass es anders funktioniert: Durch Sprache werde im Gehirn eine umfassendere „Simulation“ ausgelöst, die sinnliche Wahrnehmung wie Bilder, Gerüche, Geräusche und Bewegungen einbezieht. „Sprachliche und nichtsprachliche Kognition überlagern sich in hohem Maß“, hat die Kognitionspsychologin in eigenen Experimenten bestätigt gefunden. „Embodied cognition“, eingebettetes Verstehen, heißt dieser dem sprechenden und lesenden Laien durchaus plausible Ansatz in der Fachsprache.

Die Beweisführung ist allerdings nicht ganz einfach. Immerhin kann man etwa durch die Reaktion von Probanden auf kleine Computer-Simulationen feststellen, dass bei der Erkennung des einfachen Satzes „Klaus öffnet die Flasche“ eine bestimmte Drehbewegung assoziiert wird, und dass im Gehirn auch Areale der motorischen Steuerung aktiviert werden. Schwieriger wird es bei komplexeren Formulierungen, etwa der Verneinung. In ihrer Habilitation hat Kaup nachgewiesen, dass das Gehirn zwei Schritte braucht, um etwa den Satz „Klaus trägt keinen Hut“ zu verstehen: Zuerst wird Klaus mit Hut „mental abgebildet“, dann ohne.

Die 40-jährige Psychologin ist nach Tübingen zurückgekehrt – in die Stadt, die sie nach der Schulzeit am Wildermuthgymnasium möglichst schnell verlassen wollte, um die große weite Welt kennen zu lernen. Die Tochter eines Mathematikprofessors studierte bis zum Diplom in Berlin (nebenbei auch Informatik) und war als Doktorandin am damals „sehr innovativen“ Greduiertenkolleg Kognitionswissenschaft der Uni Hamburg. 1999 folgte ein Aufenthalt als Gastdozentin an der Florida State University in Tallahassee; dort kam auch ihr erstes von inzwischen drei Kindern zur Welt.

Es fehlte nicht viel, und Kaup wäre in den USA geblieben. Doch gerade als es dort um eine Dauerstellung ging, gab es aus Deutschland das Angebot des Emmy-Noether-Programms, das zur Rückholung von jungen Wissenschaftlern aus dem Ausland aufgelegt wurde. Und im aufgeheizten politischen Klima nach dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 fühlte sich die junge Familie in den USA auch nicht mehr ganz so wohl.

Nach sechs Jahren als Leiterin einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe in Berlin folgte Kaup dem Ruf aus Tübingen. Hier gefällt ihr die „starke Vernetzung zwischen Linguistik und Kognitionspsychologie“, und mit ihrem Forschungsprofil passt Kaup auch gut in den neuen interdisziplinären Sonderforschungsbereich „Bedeutungskonstitution: Dynamik und Adaptivität sprachlicher Strukturen“. Die Konstellation mit Linguistik sei „einzigartig in Deutschland“, das wissenschaftliche Niveau weltweit nur noch mit Stanford zu vergleichen. Begeistert ist die neue Professorin auch vom neuen Studiengang „Kognitionswissenschaft“.

Als Mutter von Kindern im Alter von acht, sechs und drei Jahren weiß Kaup die inzwischen ausgebaute Kindertagesbetreuung in Tübingen zu schätzen. Für die Standortentscheidung sprach aber nicht zuletzt, dass ihr Mann, ein Physiker, in Baden-Württemberg in den Schuldienst einsteigen konnte. Und schließlich hilft es, dass die Kinder nun die Großeltern am Ort haben.

upf/Bild: Sommer

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Professorin für Kognitionspsychologie

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03.02.2010, 12:00 Uhr

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