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Erst im Frühjahr 2013 fertig

Promenadenweg oberhalb der Mühlstraße ist angelegt

Die Stützmauern am Schulberg sind fast fertig, die Häuserzeile in der Pfleghofstraße ist wieder intakt, der Bio-Lebensmittelmarkt eröffnet Anfang Dezember. Die Neugier wächst. Gestern durfte die Presse den Fußweg testen, der oberhalb der Mühlstraße vom Lustnauer Tor zur Neckarbrücke führen wird.

25.10.2012
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. So viel lässt sich als Entschädigung für die Umbauzeit schon sagen: Der Pfleghofstraße hat die Erneuerung gut getan. Die Hafengasse hat mit dem proper sanierten Altbau mit den Erkern (Pfleghofstraße 6) Abschluss und Blickfang bekommen. In der unteren Pfleghofstraße unterstreicht die neue, helle Pflasterung über die gesamte Straßenbreite die trichterförmige Öffnung zum Lustnauer Tor. Alles erscheint großzügiger als vorher, obwohl sich an den äußeren Dimensionen nichts geändert hat.

Eine innere aber schon: Durch die Zusammenlegung der Erdgeschosse von zwei Häusern (Nummer 6 und dem Neubau Nummer 8) und eine „Rucksack“-Erweiterung ist eine für die Altstadt unübliche, aber sehr erwünschte Ladenfläche von 400 Quadratmetern entstanden. Am 6. Dezember wird ein Alnatura-Markt dort seine neue Filiale eröffnen.

Die Hausbesitzer machen mit

Oberbürgermeister Boris Palmer sieht mit der Pfleghofstraße ein weiteres Teilstück seines einstigen „Amtsantrittsgeschenks“ verwirklicht – des „Sanierungsgebiets östliche Altstadt“. Bund und Land versprachen die Übernahme von 60 Prozent der Kosten. Mit im Paket: die erneuerte Fassade des „Museums“, die bereits abgeschlossene Neugestaltung der Mühlstraße.

Der Impuls für das Gebiet, das bisher eher Altstadt-Randlage war, ist beträchtlich: Die meisten Hausbesitzer nutzen die Gelegenheit, nach und nach ihre Häuser zu sanieren. Und der in der Hafengasse erprobte „Tübinger Pflasterstandard“ (heller Granit mit gesägter Oberfläche, in Bögen verlegt) ohne Bordsteinkanten, der auch Rad- und Rollstuhlfahrern eine halbwegs stoßfreie Fortbewegung erlaubt, wird sich noch über die Neue Straße bis zur früheren Stadtpost ausdehnen.

Der schwierigere (und teuerste) Teil der Pfleghofstraßen-Baustelle ist aber die Rückseite, zur Mühlstraße hin. Die überwucherten Terrassen und Stützmauern dort waren statisch äußerst unsicher. Sie mussten, wie Jürgen Riegraf vom städtischen Fachbereich Tiefbau erläutert, mit bis zu 15 Meter weit in den Hang reichenden Ankern fixiert und neu aufgebaut werden. Vom Grün bereinigt, wirken sie jetzt ziemlich imposant.

Wo die historischen Mauern fehlten oder nicht ausreichten, wurden neue gezogen, aus Beton. „Man soll sehen, dass das hier 21. Jahrhundert ist“, sagt Bauleiter Hans Specht. Betonwände stützen teilweise auch den künftigen Fußweg gegen die Mühlstraßenmauer ab, die bereits bei der Straßensanierung befestigt und gereinigt wurde. Zu diesem Fußweg gelangt man von der Pfleghofstraße aus durch einen Durchlass neben dem Lebensmittelmarkt, oder vom Lustnauer Tor aus durch einen Eingang bei der Tangente Night. (Vorausgesetzt, man ist mutig genug, ein kleines Stück auf dem schmalen Bürgersteig an der Mühlstraße zurückzulegen.)

Übrigens sind alle Zugänge mit Toren verschließbar: Spätestens um Mitternacht sollen sie dicht gemacht werden, damit den Anwohnern ein neues Partygelände erspart bleibt.

Alte Natursteinmauern und neuer Beton

Der Weg, der mit einer Treppe beim Schuhhaus Gahn am unteren Ende der Neckargasse endet, erschließt nicht nur ein für die Öffentlichkeit bisher unzugängliches städtisches Areal; er öffnet vor allem den Blick auf die reizvollen Gründerzeit-Fassaden der Mühlstraße und über den Neckar bis zum Galgenberg, in der anderen Richtung auf den Platz am Lustnauer Tor. Man schaut hinunter auf den Verkehr und ist doch davon abgehoben.

Man wird auf diesem Weg großenteils nicht hinter den Zinnen gehen, sondern über ihnen (das jetzige Niveau wird noch aufgefüllt), gegen die Mühlstraße durch ein Geländer gesichert. Am unteren Ende steht noch ein Stück Original-Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert.

Teilweise wurde der Stütz-Beton bereits zu Sitzbänken geformt, die noch mit einer Holzauflage versehen werden sollen. Die sichtbaren Betonflächen werden „gestockt“, an der Oberfläche gleichmäßig aufgeraut. Das fördert die Patina-Bildung. Sie werden auch gleich mit einer abwaschbaren Schicht gegen Graffiti-Attacken behandelt. Im November soll der kleine Platz beim Treppenaufgang neben Gahn fertig werden. Er bekommt einen Baum und Fahrradständer.

Die Passanten werden allerdings wohl noch auf das kommende Frühjahr warten müssen, bis sie den gesamten „Höhenweg“ an der Mühlstraße entlanggehen können. Denn im Winter ist es zu kalt zum Asphaltieren, wir Bauleiter Specht erklärt.

Abgesehen von einigen blühenden Sträuchern, die der Gemeinderat verlangte, sollen die Hänge und Terrassen sich kontrolliert natürlich begrünen. Bäume werden bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr gepflanzt, wegen des zerstörerischen Drucks auf die Mauern.

Ein Baum soll aber neben der „Aussichtskanzel“ stehen, die auf dem Dach der Alnatura-Klimaanlage eingerichtet wurde. Er dürfte dann jene fensterlose braun verputzte Fläche etwas kaschieren, die der Laden-Anbau in Richtung Mühlstraße schiebt. Auch wenn man sehen kann, dass die neue Architektur nach dem Wettbewerbsentwurf des Münchner Büros Allmann, Sattler, Wappner auf moderne Weise versucht, das Verwinkelte und Schräge der Altstadt aufzunehmen, so merkt man an dieser Stelle, dass Kompromisse gemacht werden mussten.

Promenadenweg oberhalb der Mühlstraße ist angelegt
Raus aus der Schlucht: Die Mühlstraße wirkt auf der Höhe des künftigen Fußwegs am Schulberg (rechts neben der Fahrbahn) plötzlich viel luftiger, und der Blick über die Zinnen der Stützmauer auf die Gründerzeit-Fassaden bietet eine neue urbane Perspektive. Die steile Terrassenlandschaft mit renovierten Stützmauern rechts wartet noch auf ihre Gestaltung. Auf der freien Fläche vor der restaurierten Stützmauer des Pfleghofs (man blickt hier frontal drauf) ist ein Café im Gespräch, das der Besitzer Otto Mayer als „Rucksack“ aus dem angrenzenden Haus Nummer 4 herauswachsen lassen möchte. Dieser eingeschossige Baukörper würde bis zum Ende der Stützmauer herausragen und diese zum großen Teil verdecken. Davor könnte zur Mühlstraße hin eine Café-Terrasse entstehen, zum Haus hin ist ein privater Hof vorgesehen.

Die Bauarbeiten am Mühlstraßen-Hang sind im Zeitplan, obwohl es wegen der Unzugänglichkeit für Baufahrzeuge eine sehr aufwändige Baustelle ist. Die Nachtarbeiten wurden auf mehr als die ursprünglich geplanten vier Nächte gestreckt, um den Anwohnern jeweils wenigstens ein paar Stunden Ruhe zu geben. Jetzt wird es nur noch ein paar Nachteinsätze für Hinterfüllungen von Stützmauern geben, dann, so Bauleiter Hans Specht, „sind wir aus dem Gröbsten raus“.
Insgesamt kostete die Hangsicherung rund 3 Millionen Euro, wovon die Stadt nur einen kleinen Teil bezahlt, da der Weg als Erschließung öffentlichen Stadtraums bezuschusst wird.
Eine weitere öffentliche Fläche soll oben hinter dem Pfleghof entstehen.
Mit den Arbeiten dort wird aber erst im nächsten Sommer begonnen.

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25.10.2012, 12:00 Uhr

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