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Protest mit Pinsel: Kabuls Kunstkönige
Mursal vor ihrem Porträt. Sie überlebte knapp einen Anschlag. Foto: Christine-Felice Röhrs/dpa
ArtLords

Protest mit Pinsel: Kabuls Kunstkönige

Die Pioniere der Straßenkunst in Afghanistan treten den Kriegsherren und Politikern im Land auf die Zehen.

09.01.2017
  • DPA

Kabul. Langsam nimmt das Mädchen auf der Lehmziegelwand Gestalt an. Ein Kindergesicht, ein Kopftuch. Das Mädchen heißt Mursal und ist zwölf Jahre alt. Vor ein paar Jahren hat sie einen Anschlag auf das Hauptquartier der Nato in der afghanischen Hauptstadt Kabul überlebt, heute steht sie Porträt für die „ArtLords“, die Kunstkönige von Kabul, Pioniere der Straßenkunst in Afghanistan.

Die Botschaft richtet sich an alle, die das Land mit Krieg überziehen: Dies sind die Menschen, die ihr in die Luft sprengt. „So viele Opfer, ständig, überall – man gewöhnt sich so schnell daran. Aber ich will mich nicht gewöhnen“, sagt Omaid Scharifi, Erfinder der Kunstkönige. Er will den Zahlen Gesichter und Namen geben. In der Explosion 2012 kamen zwei von Mursals Schwestern um, Khurschid, 17, und Parwana, 13. Ihre Namen stehen nun auf einer Liste neben Mursals Porträt.

Scharifi hatte als Manager eines Zivilgesellschaftsprogramms gearbeitet, kündigte aber, um die Kunstkönige voranzutreiben. Die hatte er 2014 mit Freunden gegründet, „erstmal nur, um all die hässlichen Sprengschutzwände zu verschönern“. Denn der Krieg mit den Taliban hat Kabul zur Festung gemacht. Der Blick wird an jeder Ecke abgeschnitten von Stacheldraht, Drahtkörben und Sprengmauern gegen Autobomben, die zur Leinwand der Kunstkönige geworden sind. 50 „ArtLord“-Bilder gibt es in Kabul, meist dort, wo Politiker und Kriegsherren sie jeden Tag sehen.

„Wir wollen die Stadt verschönern, aber auch die Menschen zum Denken und Diskutieren anregen“, sagt Scharifi. Nahe dem Ort, an dem 2015 ein Mob eine Frau gelyncht hatte, ist nun ein Bild von einer Gruppe Männer zu sehen mit der Zeile „Ein tapferer Mann respektiert Frauen“. Eine ältere Serie dreht sich um Korruption. „Ich sehe Dich“, heißt es unter Augen, die sich über das Tor einer Regierungsbehörde ziehen. Dafür haben die Kunstkönige einen internationalen Preis gewonnen. Viele wollen mit ihnen zusammenarbeiten, aber das nächste Ziel ist die Provinz: Die Wände von Kandahar. dpa

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09.01.2017, 06:00 Uhr

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