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Kommentar

Provokatives Parken bringt keine Lösung

Bis zum 23. August ist die Straße zwischen Wurmlingen und Hirschau voll gesperrt, weil dort die Fahrbahn neu asphaltiert wird. Die Bauarbeiten bescheren den Hirschauern idyllische Zustände: Fast drei Wochen lang fließt kein Verkehr durch den Ortskern. Auf der anderen Neckarseite ist man dagegen genervter denn je: Der Umleitungsverkehr wird unter anderem durch Kiebingen und Bühl geführt, bringt noch mehr Autos, Lastwagen und Abgase.

08.08.2012

Es war abzusehen, dass die Bürgerinitiative Neckartal diese Steilvorlage nutzen würde: Am Montagabend blockierten sie die Bühler Ortsdurchfahrt erneut mit versetzt geparkten Autos, um einen sofortigen Baubeginn der B 28 neu zu fordern. Rund ein Dutzend Autos und eine Fußgängerampel reichten, um den Feierabendverkehr bis zum Tübinger Freibad zurückzustauen. Manche nennen das „intelligentes Parken“. Wie die Autofahrer, die im Rückstau bis Tübingen standen, die Aktion beschrieben, soll hier nicht im Wortlaut wiedergegeben werden. Mit gegenseitigen Beschimpfungen ist ohnehin nichts erreicht.

Man sollte sich in Bühl nicht der Illusion hingeben, dass es im Stuttgarter Verkehrsministerium irgendetwas beschleunigt, wenn sich auf der Bühler Ortsdurchfahrt Anwohner und Pendler an die Gurgel gehen. Genauso wenig können die Pendler, die durch Bühl fahren oder dort im Stau stehen, den Neubautermin beeinflussen. Den Baubeginn für die B 28 neu hat die Landesregierung für 2015 angesetzt. Daran werden Kleinkriege in Bühl nichts ändern. Die Aktion trifft deshalb – und das wissen die Bühler auch – die falschen Adressaten. Was als Protestveranstaltung gemeint war, ist mithin am Ende nicht viel mehr als wutgetriebene Schikane.

Wenig rühmlich ist die Rolle, die dabei die Tübinger Stadtverwaltung spielt. Dort sollte man allmählich erkennen, dass die Situation eskaliert und nicht mehr tragbar ist. Die Strecke über Bühl ist vom Regierungspräsidium als Umleitung ausgeschildert. Wer aber den Schildern folgt, landet, wenn er Pech hat, in der Bühler Wutbürger-Blockade. Da kocht manchem nicht nur der Kühler über!

Die Stadtverwaltung sollte eigentlich de-eskalierend wirken und das Gespräch mit der Bühler Bürgerinitiative suchen, um zu erreichen, dass zumindest während der Umleitungszeit die Bühler Ortsdurchfahrt nicht blockiert wird. Es gäbe, als letzte Konsequenz, auch die Möglichkeit, während dieser Zeit Halteverbotsschilder aufzustellen.

Doch dafür sieht man im Tübinger Rathaus derzeit keinen Anlass und betont, man sehe die Sache „ruhig“ und gelassen. „Wir schauen mal, wie sich das weiter entwickelt“, sagte Richard Heß vom Fachbereich Bürgerdienste. Solange es in Bühl keine Halteverbotsschilder gibt, sei das Parken dort eben erlaubt.

So betreibt Tübingen wieder einmal Image-Pflege im Umland, die bei immer mehr Menschen zu der Konsequenz führt: Am besten, man macht einen großen Bogen um Tübingen. Kann das im Sinne der Stadt sein?

Angelika Bachmann

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08.08.2012, 12:00 Uhr

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