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Prozess gegen Schlecker mit Spannung erwartet
Anton Schlecker muss vor Gericht. Foto: dpa
Drogeriemarkt

Prozess gegen Schlecker mit Spannung erwartet

Der tiefe Fall des Ehinger Unternehmens hat ein juristisches Nachspiel.

09.12.2016
  • DPA

Ehingen. In der früheren Schlecker-Zentrale in Ehingen bei Ulm spazierte Anton Schlecker noch lange ein und aus, nachdem sein Lebenswerk längst zusammen gebrochen war. Europas größte Drogeriemarktkette ging 2012 in die Knie. Heute ist der gläserne Koloss an der Talstraße ein Businesspark. Schlecker ist unterdessen an einem Tiefpunkt angelangt: Der 72-Jährige muss vor Gericht. Am 6. März ist der Prozessauftakt in Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vorsätzlichen Bankrott vor. Schlecker soll vor der Pleite Vermögen beiseite geschafft haben – und er könnte dafür ins Gefängnis wandern.

Der Metzgermeister aus Ulm hatte 1975 den ersten Schlecker-Markt eröffnet. Er machte einen Konzern daraus, der in seinen Glanzzeiten mehr als 55 000 Menschen beschäftigte. Durch die Pleite rutschte der Unternehmer in die Privatinsolvenz. „Damals brach eine Welt für ihn zusammen“, verriet ein Insider einmal. „Er war der festen Überzeugung: Ich kriege das schon noch hin.“ Doch er bekam es nicht hin, 25 000 Mitarbeiter verloren ihren Job.

Schon zu guten Zeiten scheute Schlecker öffentliche Auftritte. Andere Leute mitreden lassen bei seinem Lebenswerk – das kam nicht in Frage, wie Gewerkschafter vermuten. Der Vorwurf schlechter Arbeitsbedingungen ist mit dem Bild des Schwaben mindestens genauso verbunden wie der Nimbus des Selfmade-Manns, der es zu einem Milliardenvermögen brachte – und wieder verlor.

Dass Anton Schlecker sogar zu Glanzzeiten seines Unternehmens eher einem Phantom glich, hat einen traurigen Hintergrund. 1987 wurden die Schleckers überfallen und die beiden Kinder Lars und Meike entführt. Selbst in dieser dunklen Stunde zeigte Schlecker allerdings schwäbischen Geschäftssinn – und handelte die Lösegeld-Forderung herunter. Beobachter erzählen aber von einem engen Zusammenhalt in der Familie, auch während der Insolvenz

Die Schlecker-Story ist so dramatisch, weil Zehntausende Menschen damals plötzlich auf der Straße standen. „Ich fange erst an, das zu verarbeiten“, sagt die einstige Gesamtbetriebsratschefin Christel Hoffmann. Sie erinnert sich noch gut an die Verzweiflung, den Schock, die Mutlosigkeit unter den Angestellten damals. Bis heute habe sich die Familie nicht bei den Beschäftigten entschuldigt, sagt sie. Sie ist gespannt auf den Prozess. dpa

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09.12.2016, 06:00 Uhr

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