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Staatsanwaltschaft wirft drei Männern einer in Reutlingen gegründeten Anlagefirma Betrug vor

Prozess um hochriskante Papiere statt sicherer Projekte

Seit Dienstag stehen wie berichtet drei Männer vor dem Landgericht Stuttgart, die als Kopf einer ehemaligen Reutlinger Aktiengesellschaft 486 Anleger mit blumigen Versprechen um rund 3,2 Millionen Euro gebracht haben sollen.

06.11.2014
  • Simon Wagner

Stuttgart. Sichere Festanlagen, Depots mit „Zinsturbo“, Zinserträge von bis zu 40 Prozent: Zu schön um wahr zu sein? Die schöne Zinswelt, die drei Männer zwischen 35 und 45 Jahren potenziellen Geldgebern aufzeigte, war genau das: schön und falsch. In Hochglanzbroschüren versprachen sie bei einer Beteiligung an ihrer 2001 in Reutlingen gegründete Aktiengesellschaft nicht nur einen warmen Geldregen, sondern als stille Teilhaber zudem eine wasserdichte und sichere Geldanlage. Dem Ruf der als Tochter der AG in Reutlingen ins Leben gerufenen Vertriebsgesellschaft erlagen so zwischen 2002 und 2004 insgesamt 486 Anleger. Sie investierten zumeist fünfstellige Beträge – entweder als Einmalzahlung oder je nach Kassenlage in Raten.

In Raten kam dann auch der Absturz der AG: Schon 2004 war sie überschuldet und konnte Anfang 2006 die Büromiete nicht mehr bezahlen. Noch im selben Jahr folgte die Insolvenz. Die 3,2 Millionen Euro, die sich die Unternehmer durch private Genussrechte geliehen hatten, waren verloren. Statt in angeblich sichere Projekte war das Geld etwa in hochriskante Beteiligungen gesteckt worden, Darlehen wurden ohne Risikoprüfungen vergeben.

Haben die Männer aus Hechingen, Moskau und Nowosibirsk nur den Mund nur zu voll genommen – oder die Anleger bewusst getäuscht? Untreue oder Betrug? Dieser Frage geht die Stuttgarter Kammer um den Vorsitzenden Richter Frank Maurer nach. Für die Staatsanwältin Sibylle Gottschalch, ist der Fall klar: Sie wirft den Männern Betrug im besonders schweren Fall vor: „Sie haben bewusst und gewollt wahrheitswidrige Angaben gemacht.“

Eine Lesart, der sich auch die Kammer in einer vorsichtigen Beurteilung anschloss. „Sie haben die Anleger über die Sicherheit der Investitionen getäuscht“, hielt Richter Maurer fest. Dabei sei es von Anfang an abzusehen gewesen, dass die „abenteuerlichen Renditen“ im deutlichen Missverhältnis zu den erwirtschafteten Gewinnen gestanden hätten. „Die Angeklagten haben die Schädigung der Anleger für möglich gehalten beziehungsweise hingenommen“, befand er. Was er den Unternehmern gleichwohl zu Gute hielt: Sie wirtschafteten nicht in die eigene Tasche und glaubten wohl selbst an den Erfolg ihrer Anlagestrategie. Er sieht daher vorläufig nur einen bedingten Schädigungsvorsatz.

Die der Beweisaufnahme vorangegangene Einschätzung der Kammer könnte Grundlage sein für eine Verfahrensabsprache. Sollten sich die Beschuldigten im Sinne der Anklage geständig zeigen, dann könnten sie mit einem blauen Auge und einer Bewährungsstrafe davon kommen: Neben gemeinnützigen Auflagen drohen zwei von ihnen Haftstrafen zwischen eineinhalb und zwei Jahren, zwischen 15 und 21 Monaten ihrem Kompagnon. Der Richter stellte aber ebenso klar: sollte das Angebot nicht wahrgenommen werden, dann scheiden Bewährungsstrafen aus. Simon Wagner

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06.11.2014, 12:00 Uhr

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