Interview

„Psychologisch ähnlich“

18.07.2020

Von DOROTHEE TOREBKO

Soziologe Rolf Pohl. Foto: Isabelle Hannemann

Berlin. Die jüngsten Hassbotschaften mit rechtsradikalem Gedankengut richteten sich gegen Frauen. Das ist kein Zufall, sagt Rolf Pohl, der an der Leibniz Universität Hannover zu Geschlechterdiskursen und der Sozialpsychologie des Nationalsozialismus forscht.

Wie hängen Rechtsextremismus mit Antifeminismus zusammen?

Rolf Pohl: Es handelt sich bei Fremden- und Frauenfeindlichkeit um ähnliche psychologische Mechanismen. Beides enthält im Kern die gekränkte Form von Männlichkeit. Es wird eine Bedrohung konstruiert, gegen die man sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen muss. Häufig sind Rechtsextreme frauenfeindlich und umgekehrt. Das zeigt sich etwa beim Attentat auf die Synagoge in Halle. Der Täter verband Antisemitismus und Massenmigration mit einem Hass auf Frauen. Migranten und Feministinnen würden dem Täter das nehmen, was ihm aber zustünde: Sex mit einer Frau.

Welches Frauen- und Männerbild steckt dahinter?

Männer seien das starke und Frauen das geringere Geschlecht, das weniger wert ist. Der Feminismus bedroht dieses Bild, denn er bringt den Mann in eine schlechte Position. Deshalb müsse er bekämpft werden.

Welche Rolle spielen rechte Parteien für das Feindbild Feminismus?

Eine große – in den geschlechterpolitischen Vorstellungen der AfD ist der Antifeminismus und Antigenderismus unglaublich präsent. Das zieht sich durch die rechtsradikalen, rechtskonservativen, aber auch christlich-fundamentalistischen Strömungen.

Haben Sie ein Beispiel?

Wie stark die Männlichkeit politisiert ist, zeigt sich an einer Rede von Björn Höcke in Erfurt 2014. Er sagt darin, Deutschland habe seine Männlichkeit verloren und das Land müsse wieder wehrhaft werden. Damit macht er Frauen zu Objekten, die durch den Mann geschützt werden müssen. Wenn dem Mann das nicht gelänge, wäre die Frau mit daran Schuld. Denn sie hätte zugelassen, dass der Mann so geschwächt sei.

Was kann die Politik tun, um zu verhindern, dass Frauen Hassbotschaften bekommen?

In den Gegenmaßnahmen muss die Geschlechterdimension mitbetrachtet werden. Ich erinnere an die furchtbaren Schulamokläufe wie in Winnenden, die klar gegen Mädchen gerichtet waren. Danach gab es aber keine systematische Diskussion darüber, dass es gezielt Frauen waren, die ausgesucht wurden. Genau diese Debatte brauchen wir aber, damit die Gegenmaßnahmen wirksam sind. Dorothee Torebko

Zum Artikel

Erstellt:
18. Juli 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Juli 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Aus diesem Ressort