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Zwischen Baufortschritt und Alarmbereitschaft

Puffer gibt's bei der Stadthalle keine mehr

Noch gut sechs Monate hat Projektleiter Klaus Kessler mit seinem Team Zeit, die Reutlinger Stadthalle fertigzubekommen. „Ich bin sicher, dass wir den Termin schaffen – aber es werden jetzt noch knackige Monate für uns“, sagte Kessler am Mittwoch bei einer Baustellen-Besichtigung mit dem TAGBLATT.

21.06.2012
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Überall klopft und hämmert es, Arbeiter tackern und bohren – wo später mal bei Konzerten der Nachhall gute 2,4 Sekunden durch den Raum schweben wird, ist manchmal kaum das eigene Wort zu verstehen. Bis zu 200 Arbeiter pro Tag sind in der Stadthalle beschäftigt, um den Bau bis zur Silvestergala am 31. Dezember fertigzustellen.

„Auch wenn ich mit dem Baufortschritt zufrieden bin, herrscht doch höchste Alarmbereitschaft. Denn zeitliche Puffer haben wir keine mehr“, sagt Projektleiter Klaus Kessler. Immer mal wieder muss deshalb schnell improvisiert werden, wenn etwa wie vor zwei Wochen eine Parkettlegerfirma pleitegegangen ist.

Großes Interesse an den Führungen

Die nächsten Monate würden noch knackig, vermutet Kessler. „Aber für uns gibt es keinen zweiten Platz, wir können nur noch gewinnen.“ Dabei schaut er auch auf andere Großprojekte: Nachdem der misslungene Brandschutz die Eröffnung des Berliner Flughafens verzögert hatte, planen die Reutlinger im Juli eine Probebesichtigung der Brandklappen. Und das Debakel bei der Sanierung des Stuttgarter Schauspielhauses hat die Reutlinger Macher ebenfalls sensibilisiert.

Im großen Saal, der bis zu 1366 Besuchern Platz bieten soll, ist gerade die Plattform hochgefahren, die innerhalb von acht Minuten die kompletten Sitzreihen von der Bühne weg in aufsteigende Schräglage bringen kann. Darunter wird an den Maschinen für die Quellbelüftung gearbeitet.

Beim Rundgang durch den Rohbau entdeckt selbst Sabine Külschbach von der Pressestelle der Stadt immer etwas Neues – obwohl sie regelmäßig Interessierte über die Baustelle führt. Von Anfang 2010 bis zur Halleneröffnung will die Stadt mit insgesamt 190 solcher Führungen gut 5200 Besucher die einzelnen Bauabschnitte erleben lassen. An Ostern hat sich ein Reutlinger den Rundgang als Geburtstagsgeschenk gewünscht, für Ende dieser Woche haben sich 90 Mitarbeiter der Hechinger Stadtverwaltung für eine Besichtigung angesagt, im Oktober lassen sich Bosch-Techniker aus der ganzen Welt das Projekt auf Englisch erklären.

42-Millionen-Budget soll eingehalten werden

„Bei den Reutlingern machen wir oft die Erfahrung, dass sie draußen vor der Führung den Bau als hässlich empfinden – und wenn sie nach der Führung rauskommen, sind sie ganz begeistert, was ihre Stadt da hinstellt“, sagt Külschbach.

Im kleinen Saal ist mittlerweile schon die Holzverkleidung angebracht, draußen auf dem Balkon werden mit einer fahrbaren Hebebühne die Sonnenschutzelemente angebracht. Von der umstrittenen Technikzentrale, die vom ursprünglich geplanten Platz im Keller als Aufbau auf dem Dach landete, ist hier oben nichts zu sehen.

Der Antrag der Grünen im Gemeinderat, diesen Aufbau im Südbereich mit Solarmodulen zu bestücken, werde derzeit geprüft, sagt Kessler. „Dafür wird aber eine besondere Unterkonstruktion benötigt. Die muss sich rechnen und darf nicht mehr kosten, als es später einbringt.“

Der Projektleiter geht davon aus, das Budget von 42 Millionen Euro für die Halle einhalten zu können. „Allerdings bereitet uns die gute Konjunktur Sorgen, denn die Preise ziehen mittlerweile um bis zu 20 Prozent an. Derzeit sind wir noch im Kostenrahmen. Aber die finanziellen Sicherheiten, die wir eingeplant haben, sind fast aufgebraucht“, erklärt Kessler.

Deshalb sagt der Projektleiter auch, dass er ohne eine Verkleidung der Technikzentrale in den Farben des restlichen Gebäudes leben könne. Die wird aber von einigen Mitgliedern des Gemeinderats gewünscht. „Aber wir werden im Bauausschuss beantragen, dass diese Verkleidung als zusätzliche Ausgabe zum veranschlagten Budget kommt“, kündigt Kessler an. Es handelt sich um Kosten in Höhe von etwa 150 000 Euro.

Wenn die Halle dann in Betrieb sei, werde sie ganz sicherlich keine schwarze Null schreiben, betont der Projektleiter. Die Stadt rechnet vielmehr mit einem Abmangel von rund einer Million Euro pro Jahr. „Dieses Minus müssen wir mit unseren Veranstaltungen minimieren“, sagt Kessler und verweist auf die vielen Möglichkeiten des Projekts für Tagungen und Veranstaltungen, für die auch die großzügigen Foyer-Flächen außerhalb der Räume genutzt werden können.

Oft ist er gefragt worden, warum die Mieten künftig in der Reutlinger Stadthalle so teuer sein müssen – etwa im Vergleich zur Halle in Tuttlingen. „Solche Vergleiche sind nicht statthaft!“, sagt Kessler. Er verweist dabei auf die ganz anderen Bedingungen, die das Reutlinger Projekt dank der großen Foyerflächen und des Balkons biete. „Es gibt ja auch verschiedene Autoklassen!“, erklärt der Projektleiter. In welchem Segment der Fahrzeugpalette siedelt er denn seine Stadthalle an? „Ein bisschen unter Maybach“, sagt Kessler mit großer Überzeugung.

Das große Bangen bis zur Silvestergala

Bis er aber am Steuer der Nobelkarosse sitzen wird, stehen ihm sechs nervenaufreibende Monate bevor. „Ich bin sicher, dass wir noch am Tag vor der Silvestergala schweißnass durch die Gänge laufen“, sagt Kessler. Die Befürchtung ist ihm allerdings nur schwer abzunehmen. Denn wenn er den Besuchern die Fortschritte in den einzelnen Räumen der Halle erklärt, schwingt große Begeisterung beim Projektleiter mit.

Puffer gibt's bei der Stadthalle keine mehr
Luftig und lichtdurchflutet: das Foyer im ersten Obergeschoss der Reutlinger Stadthalle. „Ich bin sicher, dass wir noch am Tag vor der Silvestergala schweißnass durch die Gänge laufen“, sagte Projektleiter Klaus Kessler gestern, als er Mitglieder der TAGBLATT-Redaktion durch den Rohbau führte.

Puffer gibt's bei der Stadthalle keine mehr
Bauleiter Klaus Kessler ist begeistert vom Projekt Reutlinger Stadthalle. Derzeit lässt er prüfen, ob es sinnvoll ist, die Technikzentrale auf dem Dach teilweise mit Solarmodulen zu verkleiden.

Für die Stadthalle interessieren sich auch ungebetene Gäste: Im März seien frühmorgens Diebe vorgefahren, die tonnenweise Kabel entwendet haben, erzählt Bauleiter Klaus Kessler. „Das ist leider nicht zu verhindern.“ Allerdings sind die Sicherheitsvorkehrungen danach verschärft worden: Alle, die auf der Baustelle zu tun haben, benötigen mittlerweile einen Bauausweis, der beim Betreten vorgezeigt werden muss. Außerdem notiert ein Aufseher die Kennzeichen der Fahrzeuge, die aufs Gelände fahren.

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21.06.2012, 12:00 Uhr

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