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Amok in der Aula

„Punk Rock“-Theaterstück am Karl von Frisch

Über 90 Minuten lang fesselten acht Abiturienten aus Anke Lohrberg-Pukrops Englischkurs am Mittwoch ihr Publikum – und das in fließendem Englisch. Das Stück „Punk Rock“ von Simon Stephens über Gewalt in einer Privatschule ist spannend bis zum bitteren Ende.

28.06.2012
  • sum

Dußlingen. „Who the fuck are you?“ So wird Lilly Cahill (Johanna Pommranz) von ihren Mitschülern an der teuren Stockport-School begrüßt. Die Szene findet genau zwischen den Möbeln statt, die normalerweise im Aufenthaltsraum des Karl-von-Frisch-Gymnasiums (KvF) stehen. Das gibt dem Geschehen auf der Bühne eine beabsichtigte und irritierende Realitätsanbindung.

Sie geben sich cool und reden derb daher

Wie Lilly kommen auch die anderen Stockport-Schüler aus wohlhabenden Elternhäusern, sind begabt und ehrgeizig. Sie geben sich cool und locker und pflegen eine betont derbe Sprache. Man kann in diesem Schultheater eine Menge schmutziger Ausdrücke lernen. Nicht nur das „Four-Letter-Word“ fällt dauernd. Doch innerlich sind die jungen Leute heftigen Ängsten und Belastungen ausgesetzt. Sie haben keine Vorbilder, keinen Ansprechpartner und kennen kaum ein moralisches Regulativ. „Parents can be complete shit“, sagt William Carlisle (Noel Opitz), der den zukünftigen Amokläufers spielt. Mobbing, Machtgelüste und Eifersucht entfalten sich mit unaufhaltsamer Dynamik. „Ein klug komponiertes Stück, das den Finger auf eine Wunde in unserer Gesellschaft legt“, findet Anke Lohrberg-Pukrop, die die Inszenierung einstudiert hat.

Der Fantast wird zum Amokläufer

Das Klima unter den englischen Privatschülern bestimmt der ordinäre Angeber Bennett Francis (Julia Haelke). Er kaschiert seine eigene sexuelle Unsicherheit, indem er seine Freundin Cissy Franks (Lena Presch) bloßstellt und den hochbegabten Außenseiter Chadwick Meade (Susanne Renz) unter Druck setzt. Jener prognostiziert den unausweichlichen Weltuntergang und macht sich so das eigene Elend klein und erträglich. Seine Horrorvisionen sind während der Aufführung eingeblendet. Die Streberin Cissy interessiert sich für nichts anderes als gute Noten, ihre Freundin Tanya Gleason (Anna-Lena Pappelau) beschäftigt sich mit ihrer künftigen Mutterrolle.

William ist der freundliche Fantast, der sich und anderen ständig etwas vormacht. Er hasst alle „normal people“ und irgendwie hasst er auch sich selbst. „I am rubbish“. Als Lilly, in die er sich spontan verliebt hat, ihn abblitzen lässt und sich dem unkomplizierten Bodybuilder Nicholas Chatman (Beat Seemann) zuwendet, geht etwas in ihm kaputt. Nur Lilly mit den Ritznarben an den Armen ahnt davon. Die meiste Zeit sei die Welt in Ordnung, versucht sie ihn zu überzeugen. Doch er rät ihr nur, am nächsten Tag nicht in die Schule zu kommen.

Sie habe das Stück „heftig gekürzt“, sagte Anke Lohrberg-Pukrop. Geblieben ist immer noch sehr viel englischer Text und nicht sehr viel spielbare Handlung. Trotzdem ist die kleine Theatertruppe ständig in Bewegung und in der ganzen Aula unterwegs. Mal kommen die lebhaften Stimmen der Abiturienten von den Bänken am hinteren Rand des Raumes, mal von oben von der Brüstung, mal aus dem Off. Das Publikum muss seine Ohren spitzen, um nichts von den dramatischen Entwicklungen rundum zu versäumen.

Die entscheidende Szene am Schluss, in der William wild um sich schießt, ist als unsichtbares Hörspiel ins Klassenzimmer nebenan verlegt. Angefügt ist ein Videofilm, der William als geltungsbedürftigen Patienten in der Psychiatrie zeigt. Doch als „Celebrity“ (Berühmtheit) anerkennt ihn nicht einmal seine Ärztin (Linda Peikert).

„Punk Rock“ heißt das Stück nach einer Regieanweisung des Autors Simon Stephens. Er wählte diesen Musiktitel (von Bad Religion) als Eingangsmusik. Um die destruktive Botschaft zu mildern, lässt Lohrberg-Pukrop den Chor ihrer Schauspieler am Ende in den hoffnungsvollen Folksong „Making Waves“ von Megan Henwood einstimmen.

Info Heute um 18.30 Uhr ist die zweite und letzte Aufführung von „Punk Rock“ im Karl-von-Frisch-Gymnasium auf dem Dußlinger Höhnisch. Gäste sind gerne willkommen.

„Punk Rock“-Theaterstück am Karl von Frisch
Wer zur Hölle bist denn du? Raue Töne. Und alles auf Englisch: Szene aus „Punk Rock“.

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28.06.2012, 12:00 Uhr

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