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Putin protzt mit
atomaren Wunderwaffen
„Hört uns jetzt“: Wladimir Putin präsentierte gestern neue Waffen- systeme. Foto: Yuri Kadobnov/afp
Russland

Putin protzt mit atomaren Wunderwaffen

Die Rede des Kreml-Chefs zur Lage der Nation gerät nicht nur zum Wahlkampfauftritt, sondern auch zu einer militärischen Leistungsschau. Unklar ist, ob die neuen Systeme einsatzbereit sind.

02.03.2018
  • STEFAN SCHOLL

Moskau. Russlands Präsident Wladimir Putin erschreckt die Welt mit angeblichen neuen Nuklearwaffen. Dabei wandte er sich direkt an seine außenpolitischen Feinde: „All das, mit dem Sie versucht haben, zu stören, zu verhindern, ist gescheitert. Russland hat sich nicht aufhalten lassen.“

In seiner Rede zur Lage der Nation ließ Putin am Donnerstag auf Videoleinwänden sechs neue Waffensysteme präsentieren, über die nach seinen Worten keine andere Armee der Welt verfüge. Darunter die 200 Tonnen schwere Interkontinentalrakete „Sarmat“, die jedes künftige Antiraketenschild (ARS) durchbreche und keinerlei Reichweitenbeschränkung besitze. Außerdem ein neuer Marschflugkörper mit einem superstarken Nuklearantrieb. Dazu das neue Raketensystem Kinschal, zehnmal schneller als der Schall, das unbehelligt von allen ARS konventionelle und nukleare Sprengköpfe binnen Minuten in mehr als 2000 Kilometer entfernte Ziele befördern könne. Zudem unbemannte U-Boote, die 100 mal kleiner seien als moderne Submarines, praktisch nicht hörbar und schneller als die schnellsten Torpedos. „Einfach utopisch“, sagte der Kreml-Chef.

Zuvor hatte Putin den USA vorgeworfen, sie hätten seit 2002 alle Initiativen Russlands, bei der Raketenabwehr zusammenzuarbeiten, ignoriert und den ARS-Vertrag einseitig gekündigt. „Damals wollte niemand ernsthaft mit uns reden, niemand wollte auf uns hören“, sasgte er. „Also hört uns jetzt!“ Nach Ansicht des Moskauer Politologen Aschdar Kurtow adressierte Putin diese Worte aber vor allem an die russischen Wähler, „die sehr großen Wert darauf legen, dass niemand ihr Land herumkommandiert“.

Die meisten Beobachter in Russland werteten Putins Rede als seinen zentralen Wahlkampfauftritt vor der Präsidentenwahl am 18. März. Tatsächlich versprach der Präsident Rentenerhöhungen, Millionen neue Wohnungen und eine Verdoppelung der Gesundheitsausgaben. Aber 40 Minuten seines 115-minütigen Auftritts widmete er der Kriegstechnik. „Putin ging von Versprechen zum Säbelrasseln über“, titelt das Nachrichtenportal newsru.com. Kremlberater Sergei Markow reagierte begeistert: „Eine Sensation.“

Der Militärexperte Alexander Golz schimpfte dagegen im Radio Swoboda: „Das ist ein Versuch, dem Planeten Angst einzujagen.“ Wie viele andere Experten fragt sich Golz, ob Putins neue Waffen wirklich einsatzbereit sind. Und ein ehemaliger Offizier sagte unsere Zeitung: „Das ist wohl kein kompletter Bluff. Aber vermutlich haben sie nur eine Kopeke erfunden, die Putin jetzt als Rubel verkaufen will.“ Stefan Scholl

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02.03.2018, 06:00 Uhr

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