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Bedrohung durch IS-Terroristen rückt Differenzen in den Hintergrund

Putin setzt auf Frankreich

Der Kampf gegen den Terror der IS-Miliz führt zu ungewöhnlichen Koalitionen. Russland und Frankreich nähern sich an, politische Meinungsverschiedenheiten sollen in den Hintergrund treten.

27.11.2015

Von ULRICH HEYDEN

Kontakte auf Arbeitsebene: Ein französischer Rafale-Jet landet auf dem Flugzeugträger Charles de Gaulle. Foto: afp

Moskau/Paris. Aus russischer Sicht ist Frankreich in diesen Tagen ein natürlicher Partner. Beide Länder wurden in letzter Zeit von der Terrormiliz IS angegriffen. In Paris starben 130 Menschen. Über dem Sinai stürzte am 31. Oktober durch einen Bombenanschlag ein russisches Passagierflugzeug mit 224 Menschen an Bord ab. Zu beiden Terrorakten bekannte sich der IS.

Doch die Annäherung sei von Washington und der Türkei nicht gewollt, schreiben Moskauer Zeitungen. Der Abschuss des russischen Su24-Kampfflugzeuges habe das Ziel verfolgt, ein Bündnis zwischen der Nato und Russland zu verhindern, schreibt die Nesawisimaja Gaseta. Der Abschuss solle die Bemühungen des französischen Präsidenten François Hollande zur Zusammenarbeit mit Russland "sinnlos" machen.

Der Kreml macht sich Hoffnungen, denn nach dem Terrorakt in Paris hatte der französische Präsident erklärt, um die radikalen Islamisten zu besiegen, müsse man eine Koalition mit Russland aufbauen. Die politischen Meinungsverschiedenheiten müssten zurücktreten.

Kremlchef Wladimir Putin reagierte augenblicklich. Am 20. November wies er den russischen Verteidigungsminister Sergej Schojgu vor laufenden Kameras an, Kontakt zum französischen Flugzeugträger Charles de Gaulle aufzunehmen. Die französischen Schiffe seien "Verbündete". Am Mittwoch meldeten russische Medien, dass es zwischen den Schiffen einen Arbeitskontakt gebe. Die Terrorgefahr lässt trotz Differenzen die Ukraine-Krise in den Hintergrund treten.

Moskau verspricht sich von Beziehungen zu Frankreich und Deutschland - wegen der räumlichen Nähe - mehr Verständnis für das russische Sicherheitsbedürfnis. Dass im "Normandie-Format" Erfolge möglich sind, zeigen die Vereinbarungen von Minsk zur Schlichtung des Krieges in der Ost-Ukraine. Ein - wenn auch brüchiger - Waffenstillstand, war das Ergebnis.

Indem Russland immer wieder auf die Unrechtmäßigkeit des Abschusses der russischen Su24 über Syrien hinweist, will man offenbar erreichen, dass sich der Westen von der Türkei distanziert. Putin erklärte gestern bei einem Empfang für neue Botschafter im Kreml, man habe von der Türkei "immer noch keine verständliche Entschuldigung der politischen Führung" erhalten "und kein Angebot den Schaden zu bezahlen". Man habe den Eindruck, dass die Türkei die russisch-türkischen Beziehungen "bewusst in eine Sackgasse" leiten wolle, was man bedauere. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte, "wir wollen nicht mit der Türkei kämpfen".

Wirtschaftlich will die russische Regierung wegen des Abschusses Konsequenzen ziehen. Beim Gas ist die Türkei von Russland abhängig. Die Türkei wiederum ist ein wichtiger Lebensmittelexporteur nach Russland. Gestern beschloss die russische Regierung jedoch Beschränkungen und Verbote türkischer Investitionen in Russland.

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Erstellt:
27. November 2015, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
27. November 2015, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. November 2015, 08:30 Uhr

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