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Putins beste Freunde
Der Cellist Sergei Roldugin (links) im Jahr 2009 mit seinem Freund Wladimir Putin und dem damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew. Foto: dpa
Ein Cellist gilt als Strohmann eines russischen Netzwerks aus Offshore-Firmen

Putins beste Freunde

Nach Angaben des Rechercheverbunds ICIJ tauchen in den "Panama Papers" Namen aus Putins Umgebung auf. Es soll um Milliarden-Geschäfte gehen. Der Kreml spricht von einer Kampagne gegen Russland.

05.04.2016
  • STEFAN SCHOLL

"Schwachsinn", sagte der WTB-Bank-Chef Andrei Kostin, "eine Giftspritze", schimpfte der Duma-Abgeordnete Irina Jarowaja. Russlands Elite reagiert erbost auf die Presseberichte, die Wladimir Putin und andere russische Amtsträger mit einem Netzwerk von Offshore-Firmen in Verbindung bringen, durch das Milliarden Dollar geflossen sein sollen. Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow beschwerte sich: "Die Putin-Phobie hat inzwischen einen Grad erreicht, wo es a priori unmöglich ist, gut über Russland, seine Erfolge und Aktionen zu reden."

Nach den von Journalisten öffentlich gemachten "Panama Papers" besitzt Peskows Ehefrau Tatjana Nawka eine eigene Offshore-Firma, so wie Dutzende russische Wirtschaftsoligarchen, Gouverneure und Senatoren. Aber im Mittelpunkt des Skandals steht ein Musiker: Der Cello-Solist Sergei Roldugin, Leiter der Musikhochschule "Haus der Musik" in Sankt Petersburg und ein enger Freund Wladimir Putins, der Taufpate von dessen älterer Tochter Maria. Roldugin hatte es sich 2014 sogar in einem Interview erlaubt, auszuplaudern, dass Putin Großvater geworden sei - ein Verstoß gegen die eiserne Kreml-Etikette. Der New York Times aber versicherte Roldugin, er sei kein Geschäftsmann.

Das mag er aufrichtig gemeint haben, Roldugin ist wohl eher Strohmann. Der Cellist mit dem Titel "Volkskünstler Russlands" taucht in den Dokumenten der panamesischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca als Besitzer mehrerer Briefkastenfirmen auf, die seit Jahren Millionentransaktionen mit russischen Staatsbanken veranstalten, mit ihren ausländischen Töchtern, mit vaterländischen Staats- und Privatkonzernen. Gemanagt wurden die Firmen von Angestellten der Petersburger "Bank Rossija", die zum Großteil zwei alten Datschen-Nachbarn Putins gehören. Roldugins Briefkästen wiederum sollen Beteiligungen und Aktienoptionen an mehreren russischen Branchenführern halten und es ihnen erlauben, so ertragreiche Unternehmen wie den Lkw-Hersteller Kamas zu kontrollieren. Sie kassieren angeblich auch Dividenden von "Video International", einem Großkonzern auf dem russischen TV-Werbemarkt.

Außerdem sollen die Roldugin-Offshores routinemäßig rückdatierte Aktiengeschäfte abgewickelt haben, die es ihnen erlaubten, millionenschwere Gewinne einzustreichen. Oder "gescheiterte" Aktiengeschäfte. Oder einfach "Beratungshonorare". Das Geld kam oft von Offshore-Firmen, hinter denen russische Wirtschaftsoligarchen stehen, etwa der Baumagnat Arkadi Rotenberg, ein alter Judo-Partner Putins. Rotenbergs Sprecher versicherte, 185-Millionen-Dollar-Kredite für eine der Roldugin-Firmen seien "geschäftlich" gewesen. Viele Beobachter glauben eher, dass das "Roldugin"-Netzwerk Milliarden Dollar bei Scheingeschäften mit den Offshores russischer Oligarchen kassiert hat, um sich bei dem Mann erkenntlich zu zeigen, der hinter Roldugin steht. Und dass dieser Mann Putin heißt. Obwohl dessen Name in den Papieren nicht auftaucht und unklar bleibt, auf welchen Konten die Gelder letztlich landeten.

Natürlich sei der russische Präsident das Hauptziel der Enthüllungen, sagte Kremlsprecher Peskow. In Russland wolle man Putins Ansehen vor den Dumawahlen im Herbst und den Präsidentschaftswahlen 2018 untergraben, in der Weltöffentlichkeit die Erfolge Russlands in Syrien durch Negativ-Schlagzeilen verdrängen.

"Jetzt muss der Kreml sich rechtfertigen", sagte dagegen der Politologe Juri Korgonjuk unserer Zeitung. "Alle wissen doch, dass die oben stehlen wie die Raben." Der Oppositionsabgeordnete Dmitri Gudkow bloggte, nun habe der Westen die Offshore-Schätze der russischen Kleptokratie gefunden. "Deshalb auch die Panik im Kreml."

Und Roldugin? Er gilt als bescheiden. Laut den Enthüllungen übersteigt sein Besitz keine 10 Millionen Dollar. Ein Insider sagte der "Nowaja Gaseta", Putin vertraue ihm, andere alte Freunde, die er für seine Geschäfte einsetzte, hätten sich als zu geldgierig erwiesen. "In unserem Kreis wird Roldugin Fürst Myschkin genannt" - wie der naive Titelheld in Dostojewskis Roman "Der Idiot".

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05.04.2016, 06:00 Uhr

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