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Die Agentur für Arbeit unterstützt Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Qualifizierte Mitarbeiter gesucht

Insbesondere Handwerksbetriebe suchen immer noch geeignete Auszubildende und Mitarbeiter. Helfen kann die Agentur für Arbeit.

12.09.2018
  • Manuel Fuchs

Der Landkreis Freudenstadt ist ein Eldorado für Auszubildende: Ein überdurchschnittlicher Anteil der Betriebe, nämlich 6,6 Prozent, bietet Ausbildungsplätze an. Bundesweit liegt die Quote nur bei 4,9 %. Eine andere Zahl zeigt es noch eindrucksvoller: Wer hier eine Ausbildung anfangen möchte, kann rechnerisch aus 1,62 Ausbildungsplätzen wählen. Trotzdem sind immer viele noch junge Menschen (Stand August: 101) auf der Suche, und noch mehr Ausbildungsbetriebe suchen Nachwuchsmitarbeiter (Stand August: 421). Woran liegt das?

Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Bundesagentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, nennt im Redaktionsgespräch bei der SÜDWEST PRESSE die Entfernungen von Wohnort, Ausbildungsbetrieb und Berufsschulstandort als Hauptgrund. Auch gelten einige Berufe als attraktiver als andere: Kaufmännische Ausbildungsplätze und solche in der Industrie sind leichter zu besetzen als solche in der Gastronomiebranche.

Gastromobil

Um dem entgegenzuwirken hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Baden-Württemberg das Gastromobil auf Tour geschickt: Der umgebaute Bus hält Broschüren und interaktive Elemente bereit, mithilfe derer Schüler sich über die Ausbildungsberufe im Gastro-Gewerbe informieren können. Wo immer er Station macht, sind ausbildende Innungsbetriebe aus der Region eingeladen, sich zu präsentieren.

Zum gestrigen Termin an der Horber Realschule haben das Wellness-Hotel Tanne sowie das Hotel Traube aus Tonbach, die Hotels Lauterbad, Berghütte und Fritz aus Lauterbad sowie das Hotel Bareiss aus Mitteltal die Einladung angenommen – klangvolle Namen. „Die kümmern sich eben um den Nachwuchs und stehen nicht ohne Grund da, wo sie stehen“, erklärt Siggi Lechler, der gemeinsam mit Martin Eberhard das Gastromobil betreut. Beide blicken auf mehrere Jahrzehnte Gastronomie-Erfahrung zurück und wollen jetzt die Freude an den Berufen weitergeben.

Ein ähnliches Ziel treibt Jörg Möhrle, Betreiber des Wellness-Hotels Tanne und gemeinsam mit Beate Gaiser Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Freudenstadt. „Obwohl das Nachwuchsproblem in unserer Branche bekannt ist, bilden im ganzen Landkreis nur 20 Betriebe überhaupt aus.“ Natürlich sei es im Hotel- und Gaststättengewerbe geradezu eine Tradition, Erfahrungen bei verschiedenen Arbeitgebern zu sammeln. „Wir bilden also in der Tanne junge Leute aus und profitieren möglicherweise hinterher nicht einmal davon, das kann schon sein“, erklärt Möhrle. Aber keine Auszubildenden mehr aufzunehmen, sei für ihn auch keine Option.

Die Jugendlichen jedenfalls nehmen sie Informationangebote auf dem Schulhof begeistert an, shaken Cocktails, grillen Burger und probieren sich an einer virtuellen Hotelrezeption aus. Wer nach dem Schulabschluss eine Ausbildung in der Gastro-Branche beginnt, muss man abwarten. Das Gastromobil und die Hotels legen jedenfalls eine gute Basis.

WeGebAU

Ein Werkzeug, mit dem die Agentur für Arbeit dem allgemeinen Fachkräftemangel entgegenwirken kann, ist das Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen“, das sich auf das klangvolle Kürzel „WeGebAU“ reduzieren lässt.

Was sich dahinter verbergen kann, zeigt der 23-jährige Can-Stefan Sobke aus Weitingen: Er hatte nach seinem Hauptschulabschluss und dem Besuch weiterführender Schulen eine Ausbildung zum Elektrotechniker begonnen. Sein erster Ausbildungsbetrieb musste bankrott anmelden, in seinem zweiten fühlte er sich unwohl und mit unpassenden Aufgaben betraut („Ich war oft alleine auf der Baustelle“), sodass er die Ausbildung abbrach. Freunde empfahlen ihm, sich bei Elektrontechnik Leitenberger in Mühlen zu bewerben, wo er im September 2017 als Helfer anfing.

Michael Leitenberger (33) und sein Bruder Andreas (32), zwei Elektrotechniker mit Leib und Seele, haben den Betrieb mit derzeit 19 Mitarbeitern von Vater Walter übernommen. Sie erkannten Sobkes Potenzial bald und wollten ihn gern seine Ausbildung wieder aufnehmen lassen.

„Wenn jemand kann und will, dann muss man das doch unterstützen. Aber eine Ausbildungsvergütung liegt deutlich unter einem Helfer-Gehalt“, erklärt Michael Leitenberger. „Der gute Kontakt zur Arbeitsagentur hat uns geholfen, hier eine Lösung zu finden“, – eben das WeGebAU-Programm: Formal durchläuft Can-Stefan Sobke eine Umschulung, also eine um ein Drittel verkürzte Ausbildung. Die Differenz zwischen der Ausbildungsvergütung und dem Helfergehalt tragen der Betrieb und die Arbeitsagentur anteilig. Nach zwei Jahren kann Sobke seinen Gesellenbrief in der Hand halten und sich weiter spezialisieren, vielleicht auch den Meister draufsatteln.

„Es ist zwar ein komisches Gefühl, wieder zusammen mit 16-Jährigen in die Schule zu gehen. Aber die Aussicht, meine Ausbildung abzuschließen, gefällt mir gut. Endlich läuft’s mal; ich konzentrier mich aufs Arbeiten – und wenn ich in der Schule mal an Mathe festhänge, gibt es jemanden, der mir hilft.“

Andreas Leitenberger nickt: „Wir unterstützen unsere Auszubildenen, so gut wir das können. In Mathe und Physik geht es am besten. Damit nehmen wir als Unternehmen auch einen Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung wahr.“ – „Andererseits“, ergänzt sein Bruder, „finden wir so qualifizierte Arbeitskräfte. Wir suchen im Moment niemanden, aber von den Bewerbungen auf die Ausbildungsplätze laden wir drei Viertel nicht einmal persönlich ein; da hapert es an vielem.“

Lob von allen Seiten

Beide Brüder sparen nicht mit Lob für die Bundesagentur für Arbeit: Einen persönlichen Ansprechpartner zu kennen sei sehr wertvoll, die Betreuung und Beratung durch die Qualifizierungsberaterin Nicole Schäfer überaus hilfreich. „Sonst liest man sich auf eigene Faust seitenlang durch alle möglichen Förderprogramme und findet kurz vor Schluss irgendein Ausschlusskriterium; dann war alles umsonst“, formuliert Michael Leitenberger seine Erfahrungen.

Annette Hanfstein, Operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, gibt das Lob gern zurück: „Elektrotechnik-Leitenberger ist eine Vorzeige-Firma für unser WeGebAu-Projekt. Hoffentlich findet das Beispiel viele Nachahmer, gerade im Handwerk.“ Dann sollte die Agentur kein Problem haben, wie angestrebt jährlich 500 Menschen zu einem Berufsabschluss zu qualifizieren.

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12.09.2018, 01:00 Uhr

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