Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Konzerte und Partys locken rund 20.000 Besucher in den Tübinger Anlagenpark

Ract-Festival trotzt der Hitze und entgeht einem Unwetter

Das Ract-Festival möchte seinen Besuchern jedes Jahr neben Musik aus verschiedenen Sparten auch Politik zum Anfassen und Diskussionen bieten. Die 40 Organisatoren freuten sich mit etwa 100 Helfern über rund 20.000 Besucher im Durchlauf – die politischen Workshops und Diskussionen wurden jedoch eher spärlich besucht. An den Nachmittagen kämpften die Besucher mit Temperaturen bis zu 40 Grad – am Samstag führte eine Unwetterwarnung fast zur Räumung des Geländes.

07.06.2015
  • Lorenzo Zimmer

Tübingen. Samstagabend, 23 Uhr. Auf dem Festivalgelände sind rund 6000 Menschen unterwegs. Keiner von ihnen ahnt, was hinter den Kulissen geschieht. Denn Ordnungsamtsleiter Rainer Kaltenmark steht in ständigem Kontakt zum Deutschen Wetterdienst, der Feuerwehr und den Organisatoren des Ract. Die im Laufe des Tages wiederholt herausgegebene schwere Unwetterwarnung für den Südwesten bereitet ihnen Kopfzerbrechen: „Wir haben jeden Moment damit gerechnet, das Gelände vorzeitig räumen zu müssen“, sagt Kaltenmark. Am Freitag waren bei Blitzeinschlägen bei Rock am Ring über dreißig Menschen verletzt worden. „Davon wusste ich natürlich auch“, so Kaltenmark weiter. Außerdem drohe im Fall eines schweren Unwetters auf solchen Festen auch immer eine Massenpanik.

Aber dazu kam es nicht. Kaltenmark schätzte mit Hilfe der Feuerwehr das Wetter richtig ein – ein leichter Nieselregen führte dazu, dass einige Gäste das Festivalgelände verließen. Aber ein richtiges Donnerwetter blieb aus. Die, die gingen, verpassten den Auftritt der Punkband „Normahl“, die sich vor 37 Jahren in Winnenden gegründet hatte. Mit knackigen politischen Statements und treibenden Gitarrenriffs brachten sie das Publikum – auch in den hinteren Reihen – zum Springen und Pogen.

15.000 für die Musik, 50 Leute für die Politik

Keine 200 Meter entfernt bot sich ein völlig anderes Bild. Friedlich vereint steht das Publikum vor der Bühne West – auf ihr: Sadi Gent. Der Berliner Rapper legt Wert auf Technik und erzählende Elemente in seinen Texten, im Publikum ist es eher leise. Man hört zu, Ausdruck von Euphorie ist höchstens das für ein HipHop-Konzert typische Auf und Ab des rechten Arms im Takt.

Doch das Ract bot an seinen beiden Veranstaltungstagen um den Anlagensee nicht nur HipHop und Punk, Ska und Rock, Elektro und Dubstep. Neben der Musik gab es Workshops, Getränke und Speisen, Promo-Aktionen, politische Stände zum Diskutieren und Aktivwerden. Die Workshops waren aber – wie jedes Jahr – nicht besonders gut besucht. Etwa 50 Gäste versammelten sich am Samstagnachmittags in verschiedenen Kleingruppen. Sie diskutierten mit Oberbürgermeister Boris Palmer über kostenlosen Nahverkehr oder mit dem grünen Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal über Klimaflucht. „50 Leute für die Politik, 15.000 für die Musik – die Zahlenverhältnisse sind jedes Mal ähnlich und irgendwie ernüchternd“, schrieb OB Palmer auf seiner Facebookseite zur Beteiligung an den Workshops beim Ract.

Von einer etwas höheren Gesamtbesucherzahl geht das Organisationsteam des Festivals aus: „Im Durchlauf dürften es 20.000 Besucher an beiden Tagen gewesen sein“, sagte Mitorganisator Niklas Miller am Sonntag dem TAGBLATT. „Zu Spitzenzeiten, wie etwa am Samstagabend gegen 23 Uhr, waren rund 6000 Besucher gleichzeitig auf dem Gelände. Doch die Nachmittage und die Abende waren sehr unterschiedlich: Während sich bei Egotronic am Freitag gegen 0 Uhr etwa 1500 Leute vor der Ostbühne drängten, spielten die Bands um 17 Uhr vor dreißig bis vierzig Gästen.

„Das war natürlich auch der Hitze tagsüber geschuldet“, so Miller weiter. Sie führte zu Kreislaufschwierigkeiten bei einigen Besuchern. „Aber nichts, was wir nicht mit ein bisschen Ruhe und viel Flüssigkeit wieder hinbiegen konnten“, sagte ein Sanitäter des Roten Kreuzes.

Medizinische Vorfälle blieben im Rahmen

Außerdem gab es kleinere Rangeleien, von denen eine mit einer Platzwunde für einen Besucher endete. Sie musste in der Klinik behandelt werden. Es kam zu leichten Alkoholvergiftungen. „Das ist bei solchen Events üblich und hielt sich im Rahmen“, resümierte Kaltenmark nach dem Festival. „Im Großen und Ganzen lief alles ziemlich geordnet ab. Da muss ich die Organisatoren loben.“ Kaltenmark freute sich außerdem über die Akzeptanz der Anwohner: „Wir hatten nur sehr wenige Beschwerden.“ Diese habe man aber ernst genommen. „Aber die geringe Anzahl der Anrufe zeigt uns, dass Abmachungen seitens der Veranstalter eingehalten wurden.“ Nach 1 Uhr strömten die Besucher an beiden Tagen in die Altstadt und zu den Aftershow-Partys im Epplehaus und Bierkeller. Dort wurde bis in die Morgenstunden gefeiert.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball