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Touristisch attraktiv bleiben

„Radfahren im Wald“ war Thema bei einer Bürgermeistertagung in Rottenburg

Im Schwarzwald wird das Angebot für Mountainbiker ausgebaut und auch im Schönbuch soll es künftig solche Strecken geben. Das Projekt wurde vergangene Woche bei einer Bürgermeistertagung im Schadenweiler vorgestellt.

01.08.2014
  • Frank Rumpel

Rottenburg. Radfahrer und Wanderer bekommen sich im Wald gerne mal in die Haare, weil beide Gruppen die Wege dort nutzen wollen. Ein „emotionsgeladenes Thema“ nannte es Meinrad Joost, Forstpräsident am Regierungspräsidium Freiburg, bei der mit rund 140 Bürgermeister/innen besetzten Tagung an der Hochschule für Forstwirtschaft. Denn Mountainbiken, so heißt es in einer Pressemitteilung von Forst BW, „hat sich in den vergangenen Jahren neben dem Wandern zu einer wichtigen Form der Walderholung in Baden-Württemberg entwickelt.“

Allerdings zieht das Landeswaldgesetz klare Grenzen: Nur auf befestigten Wegen mit einer Breite von mindestens zwei Metern darf Rad gefahren werden, auf schmaleren, unbefestigten Pfaden ist es verboten. Dennoch will die Forstbehörde den Bedürfnissen der Radler entgegen kommen.

Die Initiative, so erklärte Meinrad Joost, sei von der Schwarzwald-Tourismus GmbH ausgegangen, die die Attraktivität des Naturparks Südschwarzwald erhalten wolle. Das erste Pilotprojekt dieser Art im Naturpark Südschwarzwald gab es laut dem Naturparkgeschäftsführer Roland Schöttle bereits 1999. 2002 wurde ein erstes Mountainbike-Handbuch entwickelt, das Wege aufzeigen sollte, wie Mountainbike-Strecken angelegt und Konflikte mit anderen Wald-Nutzergruppen vermieden werden können. Inzwischen gibt es im Schwarzwald 8500 Kilometer ausgeschilderte Radwege, zwei Prozent auf Pfaden, die schmaler sind als zwei Meter.

Um nun also mehr für Geländeradler geeignete Strecken zu entwickeln - und die führen laut Schöttle idealerweise auf einem breiten Weg bergauf und auf einem schmalen bergab - und damit auch die touristische Attraktivität des Naturparks zu erhöhen, haben sich die Verantwortlichen mit Interessenvertretern zusammengesetzt. Prof. Rolf Roth von der Sporthochschule Köln brachte das Mountainbike-Handbuch auf den neuesten Stand. Dort geht er etwa auf die Routenplanung ein, auf den Prozessablauf, aber auch auf die Beschilderungsplanung und die Themen Recht und Haftung.

Mountainbiker, führte Roth anhand von Umfrageergebnissen aus, schätzen ein gutes Wegenetz. Wichtig sind den Geländeradlern zudem eine schöne Landschaft, ein hoher Single-Trail-Anteil (also unbefestigte, naturbelassene Pfade), eine gute Beschilderung der Route, aber auch ausreichend Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten, also touristische Infrastruktur.

Nun soll im Naturpark Südschwarzwald das bestehende Radwegenetz nicht erweitert, sondern durch die Einbindung von vorhandenen Pfaden oder Rückegassen (für deren Nutzung es eine Ausnahmegenehmigung braucht) ergänzt werden. So genannte Downhill-Strecken, also mit Schanzen und anderen Schwierigkeiten versehene Sportstrecken sind nicht Teil dieser Planung.

Eine präzise Beschilderung (die auch Höhenmeter bis zum Ziel angibt) soll die Besucher je nach Interessenlage lenken und den Naturpark auch für Mountainbiker attraktiv halten. Am Ende, so die Zielmarke, sollte das Radwegenetz dort 10 Prozent Single-Trails haben. Umgesetzt werden soll das Konzept bereits im kommenden Jahr und wird nach den Naturpark-Förderrichtlinien zu 50 Prozent finanziell vom Land unterstützt. Solche ausgewiesenen Mountainbike-Strecken seien ein schönes Tourismus-Instrument, meinte Roland Schöttle. „Das könnte auch Vorbild für andere Regionen sein.“

Im Schönbuch jedenfalls (einem von sieben Naturparks in Baden-Württemberg) gibt es laut Martin Strittmatter, Abteilungspräsident an der Forstdirektion Tübingen, bereits Pläne für ein neues Besucherlenkungskonzept. „Da wird auch für Mountainbiker ein Angebot geschaffen“, sagte er. Im Schönbuch gebe es bereits eine sehr hohe Wegedichte. Da gelte es nun zu untersuchen, welche viel begangen sind und welche vielleicht genutzt werden, obwohl sie gar nicht ausgeschildert sind. „Wir müssen schauen, was passt und was für die Besucher attraktiv ist“, sagte Strittmatter.

Info Das Mountainbike-Handbuch gibt es online unter anderem bei www.baden-wuerttemberg.de.

„Radfahren im Wald“ war Thema bei einer Bürgermeistertagung in Rottenburg
Ganz so wild werden die geplanten Abfahrten nicht, aber auch im Schönbuch sollen in den kommenden Jahren attraktive Mountainbike-Strecken entstehen.

Parallel zu den Plänen der Landesforstverwaltung beschäftigte sich auch der baden-württembergische Petitionsausschuss mit dem Thema „Radfahren im Wald“. Die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) sammelte zusammen mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub sowie dem Badischen und dem Württembergischen Radsportverband 2013 knapp 60.000 Unterschriften und startete eine Petition gegen die im Paragraf 37 des Landeswaldgesetzes festgeschriebene Regel, dass Radler im Wald nur Wege nutzen dürfen, die breiter sind, als zwei Meter. Auf schmaleren, unbefestigten Pfaden ist das Radeln laut Gesetz verboten. Wer sich nicht daran hält, dem droht ein Bußgeld. Der Petitionsausschuss lehnte den Antrag ab und empfahl, die Kommunen sollten doch zusammen mit Verbänden selbst entscheiden, wie die Waldwege genutzt werden sollen.

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01.08.2014, 12:00 Uhr

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