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Verkaufszahlen von E-Bikes steigen – Urlauber strampeln lieber selbst

Radler satteln ungern um

Tübinger Händler bestätigen: Elektrofahrräder befinden sich weiter im Aufwärtstrend. Auch beim Tourismus gewinnen sie immer mehr an Bedeutung – aber nur langsam.

09.08.2012
  • Sascha Geldermann

Tübingen. Gerade einmal acht Elektrofahrräder konnten Tübinger Händler im vierten Quartal 2008 verkaufen. Zwei Jahre später waren es in demselben Zeitraum bereits 594. „Da der Konkurrenzdruck zu groß geworden ist, veröffentlichen die meisten Händler seitdem keine Statistiken mehr“, sagt Bernd Schott, Leiter der städtischen Abteilung Klima und Umwelt. Eines stehe aber dennoch fest: „Der positive Trend setzt sich weiter fort.“ Der Zweirad-Industrie-Verband bestätigt das für ganz Deutschland: Im ganzen Jahr 2011 wurden bundesweit 310 000 Elektroräder verkauft – so viele wie noch nie.

Der Geschäftsführer des Tübinger Ladens „Radlager“ Gernot Epple schätzt, dass E-Bikes ein Drittel beim Umsatz und fast ein Viertel bei den verkauften Stückzahlen ausmachen. Andere Tübinger Fahrradgeschäfte bestätigen den Aufschwung. „Vor allem ältere Menschen tendieren immer stärker zur Unterstützung durch einen Elektromotor“, sagt Udo Klein, Mitarbeiter im „Fahrradladen“.

Der Beratungsbedarf sei dabei wesentlich höher als bei anderen Rädern. Die Preise sind in den vergangenen Jahren nicht gesunken: Alle Händler sprechen davon, dass ein E-Bike mit guter Qualität ab 2000 Euro zu haben sei. Die Technik in den Rädern ist aber immer weiter fortgeschritten. Eine Akkuladung hält nun mehr als 100 Kilometer. „Außerdem hat sich bei der Optik viel getan – heute ist nicht mehr auf den ersten Blick zu sehen, ob ein Motor im Rahmen steckt“, sagt Stephan Schreyer, Pressesprecher vom Zweirad-Industrie-Verband.

Markierungen für Aufladestationen

Fahrradtouristen treten allerdings immer noch am liebsten ganz ohne Unterstützung in die Pedale. Der Deutsche Tourismusverband verweist auf eine umfangreiche Studie des Marktforschungsinstituts Trendscope aus dem Jahr 2010. Demnach sind gerade einmal vier Prozent der Radurlauber auf dem E-Bike unterwegs. Davon sind mehr als drei Viertel älter als 59 Jahre.

Tübingen zieht durch seine Lage am Neckartal-Radweg viele Fahrradtouristen an, die aber meistens auch mit herkömmlichen Drahteseln unterwegs sind. „Das Sportliche gehört zu einer Tour einfach dazu“, sagt Harald Sayle, der ohne Elektromotor aus Konstanz angeradelt ist. Nur ab und zu hält ein E-Biker vor der Touristeninformation. So wie Michael Wolf aus dem bayrischen Aichach. „Mir waren lange Touren früher immer zu anstrengend“, sagt er. Seit ihm ein Motor hilft, sei er weit häufiger unterwegs – was seiner Gesundheit ja nur guttun könne.

Auch wenn E-Bikes noch für die wenigsten Urlauber eine Option sind: Durch die gestiegenen Verkäufe gewinnen sie an Bedeutung. Das hat auch Tourismusbeauftragte des Landkreises Manuela Feiler erkannt: „Im September führt eine Themen-Radtour zu Gaststätten und Geschäften in der Region, die Elektroradlern gerne ihre Steckdosen zum Aufladen des Akkus anbieten.“

Damit solche Aufladestationen leicht zu erkennen sind, hat die Industrie - und Handelskammer (IHK) Reutlingen ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem entsprechende Restaurants, Hotels oder Läden mit Aufklebern markiert werden. „Elektrofahrräder sind beim Tourismus nicht mehr zu vernachlässigen“, sagt Karin Goldstein, Bereichsleiterin Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Reutlingen.

Pizza liefern auf dem Elektrofahrrad

Aber auch abseits des Tourismus laufen Projekte an. So verleiht die IHK Pedelecs an Auszubildende, um ein jüngeres Publikum dafür zu gewinnen. Und die Lieferanten von „Joey’s Pizza“ sind bundesweit immer häufiger auf E-Bikes statt auf Motorrollern unterwegs. Die Räder des Lieferservices stammen von der Mössinger Firma Gobax, die besondere Transportbikes entworfen hat. Diese halten ein Gewicht von 200 Kilogramm aus, während der Akku den ganzen Arbeitstag durchhält. In Tübingen hat „Joey’s Pizza“ bereits die Hälfte seiner Motorroller durch E-Bikes ersetzt – Tendenz steigend.

Radler satteln ungern um
Genuss-Radler auf dem Neckartal-Radweg: Radtouristen freuen sich nicht nur an der schönen Landschaft, sondern auch an der eigenen Muskelkraft. An E-Bikes denken viele erst, „wenn es mit normalen Rädern nicht mehr geht“, sagen die beiden Rentnerinnen aus Freiburg (links). Geradelt wird einfach, „solange die Kondition reicht“. Auch für das Ehepaar aus Wuppertal (rechts) kommen E-Bikes bei der Neckartal-Tour nicht in Betracht: Das sei doch „nur was für Gegenden mit vielen Bergen“.Bilder: Sommer

Radler satteln ungern um
Genuss-Radler auf dem Neckartal-Radweg: Radtouristen freuen sich nicht nur an der schönen Landschaft, sondern auch an der eigenen Muskelkraft. An E-Bikes denken viele erst, „wenn es mit normalen Rädern nicht mehr geht“, sagen die beiden Rentnerinnen aus Freiburg (links). Geradelt wird einfach, „solange die Kondition reicht“. Auch für das Ehepaar aus Wuppertal (rechts) kommen E-Bikes bei der Neckartal-Tour nicht in Betracht: Das sei doch „nur was für Gegenden mit vielen Bergen“.Bilder: Sommer

Pedelecs sind E-Bikes, die nicht komplett durch einen Elektromotor angetrieben werden, sondern nur zur Unterstützung zum eigenen Strampeln. Die normalen Modelle mit einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde sind besonders gefragt: Sie machen bei den E-Bikes mehr als 95 Prozent der Verkäufe aus. Rechtlich gesehen zählen sie als normales Fahrrad. Die schnellere Variante mit bis zu 45 Kilometern pro Stunde wird S-Pedelec genannt. „Das ist aber ein absolutes Nischenprodukt“, sagt Paul Trautwein, Geschäftsführer des gleichnamigen Tübinger Fahrradladens. Diese Modelle werden als Leichtmofas eingestuft und benötigen einen Führerschein, eine Versicherung und Kennzeichen. Die komplett durch einen Motor angetriebenen Räder machen einen noch kleinen Marktanteil aus.

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09.08.2012, 12:00 Uhr

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