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Das Mittwochs-Interview

Radsportler Tobias Graf über seine dritte Paralympics-Teilnahme

Einer der 150 deutschen Sportler, die die deutschen Farben bei den am 29. August beginnenden Paralympics in London vertreten werden, ist der Loßburger Radsportler Tobias Graf. Er spricht über Vorbereitung und Aussichten seiner dritten Paralympics. Ohne Medaille würde der 28-Jährige nur ungern nach Hause zurückkommen.

22.08.2012
  • Gerd Braun

SÜDWEST PRESSE: Herr Graf, wie groß ist Ihre Vorfreude auf die Paralympics in London?

TOBIAS GRAF: Natürlich schon sehr groß. So langsam wird‘s Zeit, dass es nach der langen Vorbereitung endlich losgeht. Wir haben ja schon eine lange Saison hinter uns, unter anderem mit der Bahn-WM in Los Angeles. Und das Training läuft ja schon seit Dezember 2011.

Haben Ihnen die Olympischen Spiele schon Appetit gemacht?

Ja klar, das hat schon Spaß gemacht, die Spiele zu verfolgen.

Nach den eher durchschnittlichen Erfolgen der Deutschen entwickelte sich eine Debatte um Strukturen im deutschen Leistungssport. Gibt es im Behindertensport Planzahlen, wie viele Medaillen in London herausspringen sollten?

Soviel ich weiß, müssen die Trainer schon ihre Einschätzungen über die Medaillenaussichten ihrer Sportler abgeben. Aber offiziell gibt es in dieser Hinsicht nichts, da gibt es niemanden, der direkt etwas von mir verlangt.

Wie groß ist ansonsten der sportliche Druck?

Den größten Druck, wenn es ihn gibt, mache ich mir selbst.

Für Sie sind es nach Athen 2004 und Peking 2008 die dritten Paralympics. Kribbelt es da immer noch?

Bis jetzt hält sich das noch in Grenzen, aber wenn man dann vor Ort ist, sind Paralympics immer etwas ganz Besonderes. Das wird wohl auch dieses Mal wieder so sein.

Kann man die Spiele miteinander vergleichen oder ist es immer wieder aufs Neue ein einzigartiges Erlebnis?

In Peking war das Besondere beispielsweise die andere Zeitzone mit einer früheren Anreise – und natürlich auch kulturell und von der Witterung her ein anderes Land. Die Vorbereitung aber ist doch jedes Mal sehr ähnlich.

Mit welchen sportlichen Erwartungen treten Sie an?

Eine Medaille ist auf jeden Fall das Ziel. Was es dann wird, ist aber schwer zu sagen.

Treten Sie im Straßenrennen und der Bahn an oder nur auf der Bahn?

Beides. Los geht‘s auf der Bahn mit dem 1000-Meter-Rennen mit Zeitfaktor, dann kommt ebenfalls auf der Bahn das 3000-Meter-Rennen. Auf der Straße ist dann noch das Zeitfahren über 16 und das Straßenrennen über 60 Kilometer.

In welcher Disziplin haben Sie die größten Erfolgsaussichten?

Über die 1000 Meter sind meine Erwartungen nicht sehr hoch. Größere Chancen erwarte ich über 3000 Meter und im Zeitfahren auf der Straße.

Konzentrieren Sie sich folglich speziell auf dieses Rennen – oder kommt allen Wettbewerben die gleiche Bedeutung zu?

Die 1000 Meter, bei denen ich mir keine so großen Hoffnungen mache, nehme ich praktisch als Vorbelastung für die 3000 Meter. Darauf und auf dem Zeitfahren liegt dann schon das Hauptaugenmerk.

Sie starten in der Klasse C2, in die die Klasse LC3 umgewandelt wurde. Was steckt hinter diesem Kürzel?

Meine Behinderung ist die typische für diese Klasse. Es fahren aber auch Sportler, die noch alle Gliedmaßen haben, diese aber nicht mehr voll oder gar nicht mehr einsetzen können. Gerade im Sprint haben aber die etwas besser gestellten Fahrer, die beispielsweise beim Straßenrennen mit antreten, schon ihre Vorteile.

Aber in der C2 sind ausschließlich Oberschenkel-amputierte Radsportler dabei …

Ja, oder vergleichbar behinderte.

Wie steht’s um die Konkurrenz – ist die im Vergleich zu den Vorjahren größer geworden?

Nun, sie ist auf jeden Fall nicht schwächer geworden. Tatsächlich sind es einfach mehr, die vorne mitfahren können. Einfacher, hier ganz vorn mitzumischen, ist es in den vergangenen Jahren auf jeden Fall nicht geworden.

Üblicherweise sind die großen Meisterschaften auf der Bahn ja eher im späten Frühjahr, die auf der Straße im Herbst. Macht es die Paralympics zu einer schwierigeren Aufgabe, dort innerhalb kurzer Zeit beiden Disziplinen gerecht zu werden?

Ganz so schwierig ist es nicht, finde ich. Da ich mich ja auf die 3000 Meter und das Zeitfahren konzentriere, was von den Belastungen her etwas ähnlich ist, kann ich damit ganz gut umgehen. Diese beiden Disziplinen vertragen sich eigentlich recht gut miteinander.

Wie haben Sie Ihre Vorbereitung dazu aufgebaut?

Wie gesagt: Im Frühjahr war ja schon die WM auf der Bahn, dann war nochmal ein bisschen Pause. Die Form holt man sich dann natürlich bei den ganzen Rennen im Sommer, und in der unmittelbaren Vorbereitung gab‘s jetzt noch zwei Lehrgänge – einen auf der Straße in der Nähe von Freiburg und einen auf der Bahn in Büttgen bei Düsseldorf.

Wie bringen Sie die Vorbereitung mit Ihren beruflichen Pflichten als Technischer Zeichner unter einen Hut?

Ich bin zu 30 Prozent freigestellt durch die Zugehörigkeit zum Top-Team. Das heißt, für diese Zeit stellt mich der Arbeitgeber frei, und den Verdienstausfall übernimmt dann die Sporthilfe. Aber natürlich bin ich froh, dass man mich da seitens meines Arbeitgebers, der Arburg in Loßburg, so gut unterstützt.

Sie reisen am Sonntag ab nach London. Werden Sie von einer Fangruppe begleitet?

Zuerst reisen wir mit dem Team nach London, ein paar Tage später kommen dann aber meine Schwester und noch ein paar Freunde nach.

Was wäre Ihr liebstes Mitbringsel aus London?

Eine Goldmedaille.

Radsportler Tobias Graf über seine dritte Paralympics-Teilnahme
Tobias Graf: „Medaille ist auf jeden Fall das Ziel.“

Tobias Graf, geboren am 17. März 1984, verlor im Alter von zehn Jahren sein linkes Bein durch einen Unfall. Der Technische Zeichner aus Loßburg-24-Höfe betreibt seit vielen Jahren Radsport. Seine internationale Karriere im Behindertensport erfuhr ihren Durchbruch bei den Paralympics 2004 in Athen, wo Graf die Silbermedaille über 3000 Meter und Bronze über 1000 Meter auf der Bahn gewann. 2008 in Peking holte er erneut Paralympics-Bronze in der 3000-Meter-Einerverfolgung. Bei Weltmeisterschaften holte Tobias Graf 2006 den Sieg über 1000 Meter und jeweils Silber in der 3000-Meter-Einerverfolgung sowie beim Straßenrennen. Auch 2008 wurde er Weltmeister beim Straßenrennen und holte Silber über 3000 Meter.

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22.08.2012, 12:00 Uhr

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