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Ein Riss zog durchs Ammertal

Rätselhafte Landesgeschichte (5): Wurmlinger Kapelle als Symbol des schwäbischen Katholizismus

Es gibt wohl kaum ein Bauwerk rund um Tübingen, das so häufig besungen und beschrieben worden ist, wie jenes Gotteshaus, das gleichsam über Neckar- und Ammertal thront: die Wurmlinger Kapelle. Ihr Vorgängerbau datiert vielleicht schon in die fränkische Zeit. Spätestens aber seit 1050 war die „Kapelle“, lange Zeit auch Pfarrkirche, ein Manifest christlichen Glaubens.

16.07.2014
  • ST

Sie wurde es aber ganz besonders im 16. und 17. Jahrhundert, als ein Riss das malerische Ammertal durchzog: die konfessionelle Trennung in ein lutherisches und ein katholisches Schwaben. Als Pfarrkirche war ihre Konfession nämlich umstritten: Zeitweise predigten nach einem Kompromiss 1543 abwechselnd sowohl ein lutherischer als auch ein katholischer Pfarrer auf dem Wurmlinger Berg.

Zu einem echten Symbol schwäbischen Katholizismus entwickelte sich das Gotteshaus infolge des großen Brandes von 1644: Während des Dreißigjährigen Krieges setzte eine Wachmannschaft fahrlässig die Kirche in Brand. Das Gotteshaus brannte völlig ab. Der Abt von Kreuzlingen, kirchlicher Patron von Wurmlingen, begnügte sich aber nicht mit einem bloßen Wiederaufbau des Gotteshauses. Vielmehr wollte er im Zeitgeist des barocken Katholizismus die Kirche zu einem Wallfahrtsort ausbauen. Die Heiligenverehrung sollte die Glaubensfestigkeit seiner Schäfchen stärken und Einnahmen in die Kasse spülen.

Nach der erneuten Weihe 1685 schmückte der Wurmlinger Pfarrer Gaudentius Ott die Kirche mit allerlei Spenden und Stiftungen zu einer prächtigen Wallfahrtskirche aus. Und ab 1688 bzw. 1692 betreuten zwei Bruderschaften die Pilger, die insbesondere an den hohen Feiertagen um Zuspruch baten und sicherlich dabei die atemraubende Aussicht genossen. Eine Aussicht, die bestimmt auch Ludwig Uhland beeindruckte, als er 1805 „Die Kapelle“ verfasste. Eine Aussicht aber auch, die ihn erschaudern ließ. Erinnerte ihn die allgegenwärtige Kapelle doch an die Endlichkeit der Dinge.

„Traurig tönt das Glöcklein nieder,

Schauerlich der Leichenchor,

Stille sind die frohen Lieder,

Und der Knabe lauscht empor.“

Georg Wendt

Um welchen Heiligen handelte es sich aber, dem das Gotteshaus seinen Namen verdankt? Gesucht werden der zweite und der fünfte Buchstabe seines Namens.

Nicht nur, wenn Sie einen weiteren Hinweis benötigen, sind Sie herzlich eingeladen, am Samstag, 19. Juli, mit Jörg Widmann und Georg Wendt die Spuren konfessioneller Grenzen per Fahrrad in Poltringen, Unterjesingen und Herrenberg zu verfolgen (20 Kilometer). In Herrenberg selbst führt Stadtarchivarin Stefanie Albus-Kötz durch die Stiftskirche. Treffpunkt ist um 10 Uhr der Parkplatz am Haagtor in Tübingen. Anmeldung per Email unter der Adresse jubilaeum@ifgl.uni-tuebingen.de unbedingt notwendig. Unkostenbeitrag ohne Rückfahrt: sechs Euro bzw. vier Euro für Mitglieder des Fördervereins.

Rätselhafte Landesgeschichte (5): Wurmlinger Kapelle als Symbol des schwäbischen Katholizismus
Die Wurmlinger Kapelle auf einer etwa 1830 von Louis Helvig angefertigten Lithografie.

In diesem Jahr feiert das Institut für Geschichtliche Landeskunde und Histori sche Hilfswissenschaften an der Universität Tübingen seinen 60. Geburtstag. Zur Feier des Jubiläums gestaltet das Institut in Kooperation mit dem SCHWÄBISCHEN TAGBLATT und dem Geschichtsmagazin „Momente“ eine siebenteilige Rätselreihe, die sich mit der württembergischen Landesgeschichte im Allgemeinen und mit den Instituts-Veranstaltungen im Besonderen beschäftigt: das Württembergrätsel. Aus den einzelnen Buchstaben der gesuchten Begriffe kann das Gesamtlösungswort zusammengesetzt werden. Aus den richtigen Einsendungen werden am 3. Oktober, zu Beginn des großen Festwochenendes, die zehn Gewinner des Württembergrätsels ausgelost. Die ersten drei Sieger erhalten je zwei Freitickets für die Weinprobe mit dem „Weingut Herzog von Württemberg“ am 10. Oktober. Die weiteren sieben Personen gewinnen je ein Jahresabonnement des regionalen Geschichtsmagazins „Momente“.
Einsendeschluss ist der 29. September. Bitte den Absender nicht vergessen (Adresse: Institut für Geschichtliche Landeskunde, Wilhelmstraße 36, 72074 Tübingen). Die vier bisher erschienenen Rätsel und weitere Informationen zur Teilnahme findet man bei uni-tuebingen.de.

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16.07.2014, 12:00 Uhr

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