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Nachruf

Rätselhafte Sprache und helle Analyse

Ilse Aichinger, eine der prägenden Autorinnen der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, ist tot.

12.11.2016

Von DPA

Wien. . Die österreichische Dichterin Ilse Aichinger ist am Freitag – kurz nach ihrem 95. Geburtstag – in Wien gestorben. Mit Erzählungen, Gedichten und Hörspielen gehört sie zu den berühmten Nachkriegsautorinnen – weit über die Alpenrepublik hinaus. Ihr Roman „Die größere Hoffnung“ machte sie 1948 schlagartig bekannt. Das Buch handelt von einer Gruppe jüdischer Kinder im Wien der Nazi-Zeit. Später schrieb sie Hörspiele wie „Knöpfe“, Erzählungen und Gedichte („Verschenkter Rat“, 1978).

In ihrer eigenwilligen, geheimnisvoll verrätselten Sprache verband Aichinger analytische Beobachtung mit poetischer Kraft. Mit dem Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln wurde 2002 zudem gewürdigt, dass ihr Werk „auf vielschichtige Weise die Möglichkeiten, die Barrieren zwischen konstruktivem Zusammenleben und gegenseitigem Unverständnis zu überwinden“ beschreibe.

Die Dichterin stammte aus einer jüdischen Familie. Traumatisch erlebte sie die Trennung von ihrer Zwillingsschwester, die mit einem der letzten Kindertransporte nach England geschickt wurde. Sie selbst überlebte die Nazi-Zeit mit ihrer Mutter in einem Versteck nahe der Gestapo-Zentrale in ihrer Geburtsstadt Wien.

1953 heiratete sie den Schriftsteller Günter Eich. Die Familie lebte in Bayern, bevor Ilse Aichinger nach dem Tod ihres Mannes nach Frankfurt und vor fast 30 Jahren wieder nach Wien zog. dpa

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Erstellt:
12. November 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. November 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. November 2016, 06:00 Uhr

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