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Kunst

Rätselhafter Bauhausbuddha

Die Münchner Pinakothek der Moderne spürt der „Konstruktion des Geheimnisses“ im Werk von Paul Klee nach.

09.03.2018

Von LENA GRUNDHUBER

München. Was in diesem Kopf vorgehen mag? Keine Ohren, um zu hören, die Augen meditativ geschlossen: Der Mann scheint nur in sich hineinzuschauen, hineinzulauschen. Sein Image hat sich Paul Klee mit dieser „Versunkenheit“ im Jahr 1919, nach dem Scheitern der Räterevolution in München, selbst gezeichnet. Die „Konstruktion des Geheimnisses“, die er später für die Kunst postuliert hat, sie gilt in gewisser Weise vielleicht auch für die Künstlerpersönlichkeit Paul Klee – den bis heute so populären Magier, Mystiker, Zauberer der klassischen Avantgarde, dem die Pinakothek der Moderne in München nun mal wieder in einer groß angelegten, klug gehängten Ausstellung nachspürt.

Rund 150 Werke sind zu sehen, stolz verweisen die Staatsgemäldesammlungen auf die 130 Leihgaben aus aller Welt, vom New Yorker Museum of Modern Art bis zum Centre Pompidou in Paris. Werke, die bei aller Fülle auf ein angenehm klar ausformuliertes Thema konzentriert sind: Klees Zeit als Lehrer am Bauhaus in den 1920er Jahren; wüsste man's nicht, man sähe es schon an der Wandbemalung. Zum Geheimnis Paul Klee (1879-1940) gehört nun, dass ausgerechnet dieser verrätselte Neoromantiker („diesseitig bin ich gar nicht fassbar“) sich mit am längsten an einer Schule hielt, die sich je länger je mehr an der Industrie ausrichtete.

Behutsam nimmt die Ausstellung den Besucher zunächst mit auf den Weg dorthin, geht der Entwicklung der Klee'schen Formensprache nach. Das beginnt beim Menschen als tragikomischem Helden einer Existenz zwischen Himmel und Erde, zwischen „Aufschwung zu den Sternen“ und „menschl. Ohnmacht“ – auch 1927 werden wir ein geflügeltes Zwischenwesen gen Bildrand tapsen sehen, „geht kaum mehr, fliegt noch nicht“, heißt sowas dann in allerfeinster Dada-Ironie.

Leitern und Türme wachsen gen Himmel, schwebende Architekturen, fantastische Ideengebäude erheben sich, man erlebt den Durchbruch zur Farbe nach der Tunis-Reise und den Aufgang des Mondes, der in Klees Werk nie wieder untergehen wird.

Zwar kommentiert der Künstler die Probleme am Bauhaus schon 1922, ein Jahr nach seinem Antritt, auf zeichnerische Art mit dem „Gespenst eines Genies“ als wacklige Gliederpuppe. Doch trotz aller Querelen, trotz des immer heftiger aufbrechenden Konflikts zwischen Malern und Technikern hält der von seinen Studenten verehrte „Bauhausbuddha“ eine Dekade lang durch. „Dem kann keiner nix“, meint Kollege Oskar Schlemmer – und Klee selbst erklärt: „Für das Ganze gibt es nichts Falsches und Richtiges, sondern es lebt und entwickelt sich durch das Spiel der Kräfte“. Der harte Kampf war seine Sache nicht, und er geht das Spiel der Kräfte ja ein, arbeitet etwa mit Spritztechnik als mechanischem Verfahren, wird selbst strenger, versucht, zwischen Konstruktion und Intuition, Rationalität und Mysterium zu vermitteln. Aber die Natürlichkeit lässt er sich nicht rausrechnen, nicht von den Dogmen eines Theo van Doesburg, nicht von den Vorstellungen eines Hannes Meyer.

Sein romantischer Mond scheint auch über konstruktivistischen Liniengeflechten, über der „Grenze des Verstandes“. Auf einem komplexen Gerüst lässt er einen Seiltänzer laufen, und wenn er die geforderten Primärfarben aufnimmt, dann gern als lustige Fähnchen an seinem „Abenteurer-Schiff“. Seine leuchtenden Quadrate bleiben windschief, denn Gesetze sind nur dazu da, „damit es auf ihnen blühe“.

Als Paul Klee das Bauhaus verlässt – zwei Jahre vor der Machtübernahme der Nazis, die auch das Ende seiner eigenen Zeit in Deutschland bedeuten sollte –, wählt er eine Zeichnung für seine Abschiedszeitschrift. „Drüber und empor“ ist sie betitelt und zeigt eine Figur, die aus einem Wirrwarr geometrischer Formen herauswächst. Die Hände hat sie sehnsüchtig nach oben gestreckt – es war wohl Zeit zu gehen.

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Erstellt:
9. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. März 2018, 06:00 Uhr

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