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Großstädtisch am Gleisfeld

Rahmenplan fürs Güterbahnhof-Areal steht

Die Stadt kauft die alte Güterbahnhofshalle, die Eisenbahnstraße wird teilweise verlegt und das ganze Areal mit mehrgeschossigen Blöcken bebaut: Großstädtisch wird das Güterbahnhofsareal. Der Gemeinderat stimmte am Montag dem Rahmenplan zu, der Grundlage für den Bebauungsplan ist.

21.11.2012
  • Sabine Lohr

Tübingen. Das Gelände um den ehemaligen Güterbahnhof in Tübingen sieht aus, wie es in vielen Städten aussieht: Neben einer Gleisanlage breiten sich Brachen aus, auf manchen sind Gewerbehallen, die etwas Provisorisches haben. Alte Holzschuppen stehen herum, in Containern wird Papier gesammelt, Autos parken auf zubetonierten Flächen, Unkraut wuchert aus Ritzen. Wo einst Waren umgeschlagen wurden, herrscht heute Trostlosigkeit: Für viele Städte ist eine solche Brache verlorenes Gebiet. In Tübingen jedoch wird sie nun zu einem neuen, zentrumsnahen Stadtquartier.

Vor mehr als einem Jahr gab es erste Pläne für das rund sechs Hek-tar große Gelände, das der Deutschen Bahn und dem Bahnflächen-Abwickler Aurelis Real Estate gehört. Dann wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt. Die Kasseler Büros ANP und GTL gewannen. Ihr Plan wurde von den Projektbeteiligten überarbeitet und am Runden Tisch diskutiert.

Nun ist die neue Version fertig. Sie sieht einen mäandernden Kopfbau vor, der an seiner Stirnseite zur Blauen Brücke hin sieben Stockwerke hoch ist. Einzelhändler, Büros und Wohnungen sollen dort untergebracht werden. Der Platz davor – bisher beliebter, weil günstiger Autoabstellplatz für Einpendler – wird zum „urbanen Platz“ umgestaltet, von dem aus Stiftskirche und Österberg zu sehen sind.

Nutzung der Halle noch unklar

Hinter diesem Gebäude werden mehrere Häuserblocks gebaut, von denen jeweils vier einen Hof umschließen. Mitten drin liegt die Güterbahnhofshalle, die – das steht nun fest – erhalten wird: Die Stadt kauft das Gebäude zu einem symbolischen Preis und saniert es. Wie es später genutzt wird, ist noch nicht klar. Denkbar wären das Stadtarchiv, eine Kindertagesstätte oder auch Gastronomie. Wirtschaftlich werden Sanierung und spätere Nutzung aber wohl nicht werden, darauf wies OB Boris Palmer ausdrücklich hin. Dennoch gab es Lob von Dietmar Schöning (FDP): „Der Gemeinderat hat dieses Thema intensiv zur eigenen Sache gemacht. Das ist jetzt ein ganz wunderbares Ergebnis.“

Hinter der Bahnhofshalle werden wieder Wohnblocks um Höfe gebaut. Dazu kommt in der Verlängerung der Hügelstraße ein langer Platz, der mit einer Rampe und Rasenstufen ausgestattet wird und „zum Verweilen einladen“ soll. Der Platz mündet in einer Unterführung unterm Gleisbett. Ob sie realisierbar ist, wird derzeit noch geprüft.

Im Osten schließlich wird Gewerbe angesiedelt. Weil die Firmen Kemmler und Möck ihre Betriebsgelände erweitern wollen und die Gleise nicht mehr gebraucht werden, wird die Eisenbahnstraße in diesem Stück etwas nach Norden verlegt – auf Kosten der Firmen. Entlang der Gleise wird das ganze Gebiet durch eine Allee begrenzt. Und die Eisenbahnstraße wird zu einem „Boulevard“ aufgewertet, mit Bäumen und Bänken. Vor der Güterhalle soll ein Spielbereich angelegt werden. Baubeginn ist in etwa einem Jahr.

Viel Lob bekamen die Planer für ihren Entwurf. Helga Vogel (AL/Grüne) etwa nannte ihn „ein gutes Vorhaben, das die Stadt an vielen Stellen weiterbringen wird“. Aber auch Kritik gab es. Gerlinde Strasdeit (Linke) wünschte sich, dass ein Drittel der Wohnungen für sozialen Wohnungsbau vorgehalten werden. Palmer wies darauf hin, dass sozialer Wohnungsbau im Land bescheiden gefördert werde und Tübingen die einzige Stadt in Baden-Württemberg sei, die aus diesem Fördertopf Geld abrufe. Vor allem aber könne er dem Investor unmöglich eine solche Auflage machen – „das ist wirtschaftlich nicht machbar“.

Ganz grundlegende Kritik übte die CDU. „Seit Palmer OB ist, haben alle Bebauungspläne das Charakteristikum der Verdichtung, das ist für Familien mit kleinen Kindern nicht tragbar“, sagte Albrecht Kühn und kündigte an, dass dies der letzte Bebauungsplan mit einer solchen verdichteten Bauweise sei, dem die CDU zustimmen werde. „Wir brauchen Grünflächen, auf denen sich die Einwohner mit Kindern ergehen können.“

Grundsatzdebatte übers Bauen vertagt

Palmer wies darauf hin, dass die Grundstückspreise in Tübingen hoch seien. „Preisgünstig bauen mit kleinen Häuschen, das geht bei uns nicht.“ Man setze deshalb auf verdichtetes Bauen mit hoher Qualität wie im Französischen Viertel. Eine Grundsatzdebatte zum Thema wurde von Evelyn Ellwart-Mitsanas per Geschäftsordnungs-Antrag verhindert. Die CDU will nun einen entsprechenden Antrag einbringen.

Rahmenplan fürs Güterbahnhof-Areal steht
Dicht bebaut wird das Quartier zwischen Gleisen und Eisenbahnstraße. Der dreieckige Kopfbau ist Auftakt für das neue Viertel. Sowohl in diesem Kopfbau als auch in den Blöcken dahinter werden Büros, Handel und Wohnungen untergebracht.

Seit 1996 ist die Fachhandelsgruppe Zweygart in der Eisenbahnstraße ansässig. Die Halle der Firma, die Handwerkermaterial für Profis anbietet, liegt im überplanten Gebiet und muss der Neubebauung weichen. Laut Geschäftsführer Marc-Daniel Schraag steht die Firma mit Sitz in Gärtringen in Verhandlungen mit Aurelis, dem Eigentümer des Güterbahnhof-Areals. „Wir bekommen eine Fläche angeboten“, sagte er. Vorgesehen ist wohl ein Grundstück im östlichen Teil des Gebiets. Verkleinern will sich Zweygart nicht – die jetzige Halle hat eine Fläche von 1500 Quadratmetern. „Wir bleiben mit unseren sechs Mitarbeitern auf jeden Fall in Tübingen“, so Schraag.

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21.11.2012, 12:00 Uhr

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