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Kommentar

Railport: Bitte ja nichts verändern

Das Kind des Leibhaftigen, ein Wirtschaftsmonster, das die Zukunft Eutinger Kinder gefährdet – Railport. Das Wort steht mittlerweile für einen epischen Kampf zwischen Gut und Böse. Schleift eure Klingen, Freunde, wir reiten für Gerechtigkeit. Es ist nur wenige Monate her, seitdem ich einen ähnlichen Kommentar zur Diskussion um die Auffüllung des Steinbruchs bei Talheim geschrieben habe.

13.06.2015

Die Parallelen sind unverkennbar: Auf der einen Seite stehen die Kapitalisten, denen es vorrangig um Geld geht und die Politik, die das nicht einsehen will. Auf der anderen Seite eine Gruppe empörter Bürger, die mit Leidenschaft gegen das Monster antreten. Schwarz und Weiß – Menschen mögen klare Kanten.

Ich habe große Probleme mit dieser Art von Debatte. Ich mag es nicht, dass Emotionen den Platz von Argumenten einnehmen. Schuldzuweisungen an die Stelle von Konstruktivität treten. Mediation kann hier helfen. Mediation heißt Vermitteln, Herunterbrechen auf konstruktiven Diskurs. Dass die Bürgerinitiative „Nein zum Railport“ eine solche ablehnt, erachte ich für grundfalsch. Selbst die härtesten Railport-Gegner müssten zustimmen, dass ein strukturierter Austausch an Argumenten der Sache mehr dient als windige Fingerzeig-Annoncen in Mitteilungsblättern. „Die Bürger hätten sich damit beschäftigt und ihre Meinung gebildet“, begründete BI-Mitglied Michael Platz die Ablehnung. Traurig, wenn dem wirklich so wäre.

Zum derzeitigen Stand gibt es nicht einmal realistische Prognosen über das Verkehrsaufkommen. Die Zahlen werden erst in der zweiten Bürgerversammlung vorgestellt. Die Informationsgrundlage für eine saubere Güterabwägung fehlt noch. Anscheinend ist das den Railport-Gegnern egal.

Es gibt noch einen weiteren Aspekt, der mich an Talheim erinnert: Wo ist eigentlich die Pro-Seite? Wo sind die Kommunalpolitiker, die sagen, dass der Railport nicht nur für Eutingen, sondern für die ganze Region eine Chance bedeutet? Dass durch den Railport ein unattraktives Gewerbegebiet aufgemöbelt werden könnte. Dass Eutingen als Wirtschaftsstandort ins Gespräch kommt. Dass ein kleiner Ort aktiv die Transformation des Verkehrs von der Straße auf die Schiene vorantreiben könnte. Niemand spricht davon, dass Flächen, die jahrzehntelang brach lagen, einer sinnvollen Bestimmung zugeführt werden könnten. Meine Aufforderung geht direkt an Armin Jöchle und den Gemeinderat: Reden Sie mehr über Chancen, anstatt sich in der Defensive zu verlieren.

Zur Erinnerung: Eutingen hat schon zwei Chancen zur Verkehrsentlastung abgeschossen. Genau der Verkehr, welcher nun womöglich eine weitere Chance verhindert. Ein Urteil, ob die Entscheidung gegen die Nord- und Südumfahrung richtig oder falsch war, steht mir nicht zu. Ich mahne aber an, dass einige Eutinger sorgsamer mit den Chancen ihres Ortes haushalten sollten. Stillstand kann sich keine 5000-Seelen-Gemeinde mehr leisten.

Tobias Plaz spricht mir in seinem klugen Leserbrief (heute auf der Seite „Aus dem Gäu“) aus der Seele. Auch ich könnte mich noch nicht für oder gegen das Terminal entscheiden. Glücklicherweise hat das auch die Mehrheit der Gemeinderäte erkannt.

Plaz fühlt sich zurecht „gekränkt“, dass es die Bürgerinitiative ablehnt, den Diskurs durch Mediation auf einer konstruktiven Ebene weiterzuführen. Er bezeichnet die Bürgerinitiative als Gewinn für die Demokratie. Das ist ohne Zweifel richtig. Doch Demokratie heißt gestalten, und kein dickes „Nein“ zu jeder Art von Verände- rung. Benjamin Breitmaier

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13.06.2015, 12:00 Uhr

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