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Raja

Liebesgeschichte zwischen einem alternden Franzosen und einem marokkanischen Hausmädchen.

Liebesgeschichte zwischen einem alternden Franzosen und einem marokkanischen Hausmädchen.

RAJA - OmdU
Frankreich

Regie: Jacques Doillon
Mit: Pascal Greggory, Ilham Abdelwahad,Najat Benssallem

- ab 0 Jahren

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24.11.2015
  • Festivalinfo

Wie schlimm war die chinesische Kulturrevolution? Ein gerade erschienener Bildband des Fotografen Li Zhensheng zeigt sie als Orgie des Quälens, Demütigens und Ermordens von Menschen, denen nicht viel mehr vorzuwerfen war, als einen Hochschulabschluss zu haben oder dem Großen Vorsitzenden Mao ähnlich zu sehen. Der Säuberung des Volkskörpers von „bourgeoisen Elementen“ fielen Hunderttausende zum Opfer.

In „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“, der auf den Erinnerungen des in inzwischen in Frankreich lebenden Schriftstellers und Regisseurs Daj Sijie beruht, erscheint die Kulturrevolution dagegen als eine recht niedliche Veranstaltung. Ma und Luo, zwei Teenager bildungsbürgerlicher Herkunft, werden zwecks Umerziehung zu Proletariern in ein abgelegenes Bergdorf geschickt, das den Eindruck eines Landschulheims mit hohem Freizeitwert macht. Der „Genosse Brigadeführer“ ist ein gutmütiger Simpel, und selbst die Maloche im Bergwerk und auf den Äckern wirken wie Programmpunkte eines Abenteuerurlaubs. So bleibt genügend Muse, sich aus der badenden Mädchenschar auf ein gemeinsames Objekt der Begierde, die kleine Schneiderin, zu verständigen.

Weil Leid in diesem Film also nicht wirklich vorkommt, wirkt seine Hauptthese ziemlich schwachbrüstig. Die besagt, dass der wahren Kunst eine große befreiende Kraft innewohnt, die über Gewalt und ideologische Borniertheit triumphiert. So schöpfen Ma und Luo Trost aus der heimlichen Lektüre verbotener Klassiker wie Balzac oder Flaubert, und ziehen allmählich auch ihre Liebste und andere Dorfbewohner in den Bann des bürgerlichen Kunstgenusses. Wie Kunst zum Überlebensmittel wird, hat jüngst Roman Polanski in „Der Pianist“ überzeugend vermittelt – hier bleibt es eine bloße Behauptung, zumal die Werke selbst dem Regisseur bloß ein paar Wortfetzen wert sind.

Etwas besser gelungen ist der romantische Part des Films, der in seinem Oszillieren zwischen platonischer Liebe und körperlichem Begehren ein bisschen an Truffauts „Jules und Jim“ erinnert. Das Ende – die kleine Schneiderin lässt sich von Balzac zu einem selbstbestimmten Leben inspirieren und verlässt Dorf und Lover – ist aber so übermäßig dick aufgetragen wie das letzte, dreißig Jahre später aufblitzende Erinnerungsbild: Die kunst-amouröse Dreierbande widersteht selbst den heranbrechenden Fluten des Dreischluchten-Staudamms.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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