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Bahn will Hooligans sofort aus den Zügen verweisen

Randalierer aufs Abstellgleis

26.04.2016
  • DIETER KELLER

Berlin. Rote Karte für Hooligans: Wer im Umfeld von Fußballspielen in Zügen und Bahnhöfen randaliert, wird künftig sofort aus dem Wagen oder Gebäude verwiesen und fängt sich einen „Beförderungsausschluss“. Zwei Jahre lang darf er – oder sie – nicht mehr mit Zügen der Deutschen Bahn fahren. So will das Staatsunternehmen noch wirkungsvoller gegen Randale vorgehen. Friedliche Fans sind dagegen für die Bahn „verdammt wichtige Kunden“, betont Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke. An jedem Bundesliga-Wochenende befördert sie etwa 80 000.

Mit solch konsequentem Vorgehen kämpft die Bahn gegen den Eindruck, Bahnfahren sei unsicher. Zumindest die Zahlen des jährlichen Sicherheitsberichts sprechen eine andere Sprache: Bahn und Bundespolizei verzeichneten 2015 drei Prozent weniger Straftaten.

Insbesondere bei Vandalismus, Graffiti und Metalldiebstählen gab es einen deutlichen Rückgang, auch wenn die Schäden immer noch in die Millionen gehen. Sorgen machen Rischke die immer aggressiveren Kunden. Im vergangenen Jahr wurden 1200 Übergriffe auf Mitarbeiter der Bahn bei der Polizei angezeigt und weitere 600 intern gemeldet. Im Jahr zuvor wurden insgesamt 1500 Übergriffe gezählt. Die Opfer waren überwiegend Mitarbeiter des Bahn-eigenen Sicherheitsdienstes. Nur ein Viertel der Zwischenfälle wurde von Zugbegleitern gemeldet. Meist geht es um Fahrkartenkontrollen, das Rauchverbot oder die Leinenpflicht für Hunde. „Der Mangel an Respekt nimmt drastisch zu“, klagt Rischke. Häufig geschehen die Taten im Umfeld von Fußballspielen. Die allermeisten Angriffe erfolgen spontan, also nicht geplant, und werden von den Gerichten als einfache Körperverletzung eingestuft.

Die Täter sind in allen Altersstufen und Gesellschaftsschichten zu finden, zeigen die Beispiele des Sicherheitschefs. Da wird das Sicherheitspersonal von Jugendlichen angespuckt. Ein 70-jähriges Ehepaar, das beim Schwarzfahren erwischt wurde, versuchte den Kontrolleur aus dem Zug zu werfen. Ein Geschäftsmann schüttete dem Zugpersonal heißen Kaffee ins Gesicht. Eine ganze Horde jagte eine Zugbegleiterin durch den ganzen Zug und zwang sie unter Gewaltandrohung, die Bluse zu öffnen.

Den Mitarbeitern versucht die Deutsche Bahn mit Deeskalations- und Eigensicherungstraining unter die Arme zu greifen. Außerdem will sie verstärkt in die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter investieren. Die 3700 Mitarbeiter der DB Sicherheit können die 5000 Beamten der Bundespolizei nur dann unterstützen, die bundesweit Züge und Bahnhöfe sichern. Nur die Beamten dürfen Täter festnehmen oder Fahrgäste kontrollieren, etwa an der Grenze. Für sie ist Terrorismus ein zentrales Thema.

„Mit Angriffen muss jederzeit gerechnet werden“, sagt der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann. Wie plötzlich und unerwartet das kommen kann, zeigte im März der Fall einer 15jährigen Attentäterin, die offenbar mit dem IS in Verbindung steht. Im Hauptbahnhof von Hannover rammte sie einem Beamten bei einer Kontrolle unvermittelt ein Messer sechs Zentimeter in den Hals.

Die angespannte Sicherheitslage ist ein Grund dafür, dass die Bahn die Videoüberwachung ausweitet und die Anlagen modernisiert. Dabei geht es insbesondere um eine bessere Bildqualität, um Fotos bei Bedarf in der Fahndung einsetzen zu können. Derzeit sind etwa 7000 Kameras in rund 500 Bahnhöfen installiert. Zudem ist über die Hälfte aller Nahverkehrszüge mit Kameras ausgestattet.

Um Straftäter abzuschrecken, gehen die Bahn-Mitarbeiter mit Westen durch die Bahnhöfe, auf denen groß „Sicherheit“ steht. Die Bundespolizei schickt vermehr mehr als zwei Beamte zusammen auf Streife.

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26.04.2016, 06:00 Uhr

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