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Samy Deluxe: Auch Texte mit Aussage initiieren nicht unbedingt eine Revolution

Rap mit sozialem Anspruch

Vom einschüchternden Battle-Rapper zum sozial engagierten Hip-Hop-Star: Samy Deluxe hat einen ungewöhnlichen Werdegang hinter sich. Wir sprachen mit dem Hamburger Rapper, der am Mittwoch beim Sudhaus-Open-Air auftritt.

08.08.2012

TAGBLATT-ANZEIGER: Bei der von Ihnen mitgegründeten Initiative „Crossover“ geht es viel um Teamfähigkeit von Mädchen und Jungen. Wie sieht das konkret aus?

Samy Deluxe: Teamfähigkeit ist nur ein Thema von vielen. Uns geht es auch um Toleranz und darum, dass die Kids ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln und zeigen können. Wir machen sehr unterschiedliche Themen-Workshops, unter anderen Basketball, Gesang, Rap, Tanz. Bei allem ist die Bildung von Teams ein wesentlicher Schwerpunkt. Wie das geht? In der Regel mit entsprechenden Spielen und Übungen, in denen die Kids schnell merken, dass sie als Team einfach bessere Erfolge haben.

Bei Ihrer Arbeit an Schulen ist auch das Verhältnis der Jugendlichen zu Deutschland ein wichtiges Thema. Wie ist Ihr Verhältnis zu Deutschland?

Ich hab’ mich im Rahmen meines Albums „Dis wo ich herkomm“ mit meinem Verhältnis zu Deutschland auseinandergesetzt. Da hat sich seitdem nicht viel verändert. Ich finde nach wie vor dieselben Sachen Sch… und andere ganz gut.

Erleben Sie persönlich den alltäglichen Rassismus in Deutschland extremer als in anderen Ländern?

Als Musiker lebt man ja auf so einer Art Insel. In dem Umfeld, in dem ich mich bewege, spielen Hautfarben keine Rolle. Krasse Probleme kommen häufig nur durch andere an mich heran. Ich bin der Meinung, man sollte nicht immer darüber jammern, dass alles so schlimm ist. Ich kenne kein Land, in dem alles besser ist – höchstens anders.

Im Titelsong Ihres aktuellen Albums thematisieren Sie Ihr Dasein als Afro-Deutscher. Würden Sie sagen, es ist ein Problem, sich als Dunkelhäutiger in der deutschen Musikbranche durchzusetzen?

Ich sag ja: Ich bin Schwarzweiß – und gerade nicht Afro-Deutsch. Ich habe beide Seiten und kenne beide Seiten. Das hat bei allen Nachteilen auch Vorteile. Im übrigen glaube ich nicht, dass Erfolg in der Musikbranche von der Hautfarbe abhängt.

Ist es nicht schwierig, soziales Engagement und den Job als Musiker zeitlich unter einen Hut zu bringen?

Manchmal schon, aber bis jetzt habe ich das mit „Crossover“ immer gut hinbekommen. Es ist mir einfach wichtiger, aktiv mit Leuten zu arbeiten, als nur mit meinem Namen oder meinem Gesicht ein Aushängeschild für ein Projekt zu sein.

Glauben Sie, dass es HipHop noch in zehn Jahren geben wird, und dass man mit Rap-Musik etwas verändern kann?

Die Frage habe ich schon gehört, als ich mit HipHop angefangen habe. Das war immerhin vor rund 18 Jahren. HipHop verändert sich laufend und das ist gut so, denn ansonsten könnte dieses Musikgenre nicht überleben. Mit Rap kann man sicher viele Menschen erreichen. Wenn Texte eine Aussage haben, kann das auch was bei den Leuten verändern. Aber nicht so, dass gleich eine Revolution daraus wird.

Was sind Ihre Pläne für die nächste Zukunft?

Im Moment arbeite ich an zwei Projekten. Das eine wird ein Produkt mit vielen beteiligten Künstlern, das in meiner KunstWerkStadt entstanden ist. Das andere ein Soloprojekt. Darüber wird aber noch nichts verraten.

Die Fragen stellte Jürgen Spieß

Samy Deluxe & die Tsunami Band spielen am heutigen Mittwoch, 8. August, 20 Uhr im Sudhaus-Biergarten.

Rap mit sozialem Anspruch
Mit kraftvoller Rapmusik, sprühendem Wortwitz und gesellschaftspolitischen Themen hat sich Samy Sorge alias Samy Deluxe vom Sprüche klopfenden Freestyler zum Reimexperten und Vorzeige-Rapper gemausert. Bild: Spieß

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08.08.2012, 12:00 Uhr

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