Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Chemie-Konzern erwartet Rekord-Umsatz

Rasantes Wachstum bei CHT in Tübingen

Was für eine Achterbahnfahrt beim Tübinger Chemie-Konzern CHT: Um 25 Prozent brach der Umsatz im Krisenherbst 2008 ein. Im ersten Halbjahr 2010 wuchs er im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um 32 Prozent. Das Unternehmen steuert nun einen Rekord-Umsatz von über 300 Millionen Euro an.

08.09.2010
  • Volker Rekittke

Tübingen. Das gab’s noch nie in der mittlerweile 57-jährigen Firmengeschichte: Der Umsatz des weltweit tätigen CHT-Konzerns wuchs um beinahe ein Drittel. 127 Millionen Euro Umsatz machte die Gruppe im ersten Halbjahr 2009, von Januar bis Juni diesen Jahres waren es schon 168 Millionen.

Rasantes Wachstum bei CHT in Tübingen
Das Know-how soll auch künftig in der Region bleiben: Von den 560 CHT-Mitarbeiter(inne)n in Tübingen und Dußlingen arbeiten mehr in Forschung und Entwicklung als in der Produktion. Bild: CHT

Dabei musste auch bei CHT im Krisenjahr 2009 kurzgearbeitet werden. Alle Mitarbeiter – Chefs inklusive – verzichteten auf mindestens fünf Prozent Gehalt. Entlassen wurde niemand – das zahlt sich jetzt aus. Schon im Oktober 2009 endeten Kurzarbeit und Wochenarbeitszeit-Verkürzung. Längst schon werden wieder Überstunden gemacht. Das Geschäft läuft so gut, dass die Geschäftsführer Erich Mechel und Uwe Halder für 2010 einen Rekord-Umsatz erwarten. Wie hoch? „Noch über den 301 Millionen von 2007“, sagt Mechel voraus. 2007 war das bislang beste Jahr in der Firmengeschichte der CHT – mit 301 Millionen Euro Umsatz im Gesamtkonzern (mit derzeit 23 Schwestergesellschaften weltweit), 140 Millionen davon wurden in der GmbH erwirtschaftet – also an den drei deutschen Standorten Tübingen, Dußlingen und dem niedersächsische Oyten (siehe Kasten rechts).

Besonders stark boomten die neuen Bereiche: Bauchemie, Textilpflege, Silikonprodukte etwa für Kosmetik, Haushalts- und Autopflege verkauften sich vor allem in Europa (wo immer noch 65 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet werden) hervorragend. Weltweit legte das Neugeschäft in den vergangenen zwölf Monaten um 65 Prozent zu (von 15,3 auf 25,2 Millionen Euro).

Rasantes Wachstum bei CHT in Tübingen
Erich Mechel

Noch im vergangenen Jahr, das zunächst von der heftigen Weltwirtschaftskrise geprägt war, lag der Umsatz in der Konzern-Gruppe bei 270 Millionen Euro. Weil auch die Rohstoffpreise niedrig waren, langte es am Ende sogar zu einem Überschuss von 12,3 Millionen Euro – erwartet hatten Halder und Mechel gerade mal 2 bis 5 Millionen Euro.

Zum rasanten Umsatzwachstum der vergangenen zwölf Monate trug die global anziehende Konjunktur nur einen Teil bei. Ebenso entscheidend war im Oktober 2009, aus CHT-Sicht, die Insolvenz des weltweit größten Konkurrenten Dystar, ein Zusammenschluss der Textilsparten mehrerer großer Chemieunternehmen mit Sitz in Frankfurt. Die Tübinger konnten deshalb vor allem im Europa-Geschäft ihren Marktanteil ausbauen – und nebenbei auch einige ehemalige Dy star-Mitarbeiter übernehmen.

Rasantes Wachstum bei CHT in Tübingen
Uwe Halder

Was dem Umsatz-Höhenflug zusätzlichen Auftrieb gab: Im Februar ging CHT – wie zuvor angekündigt – auf Einkaufstour und verleibte sich den Silikonhersteller Alpina als eigenständige Konzern-Gesellschaft ein – wenn auch Vertrieb und Entwicklung mittlerweile in Tübingen integriert wurden. 22 Alpina-Mitarbeiter hatten 2009 einen Umsatz von 7,5 Millionen Euro erwirtschaftet.

Bei der einen Firmen-Übernahme soll es nicht bleiben: Ein Unternehmen in Deutschland und ein weiteres in England haben Mechel und Halder schon fest im Blick, die Kaufverträge könnten im kommenden Jahr unterschrieben werden. Und das Geld dafür? Ist kein Problem bei einer Eigenkapitalquote von 85 Prozent.

Archivbilder: Metz

In Brasilien und China boomt das CHT-Geschäft / 1700 Mitarbeiter weltweit

Die Geschichte der Tübinger CHT-Gruppe beginnt im Jahr 1953, als Reinhold Beitlich hier seine Firma unter dem Namen „Chemische Fabrik Tübingen GmbH R. Beitlich“ ansiedelte. Der Konzern ist als Stiftung konstruiert und besteht aus derzeit 23 Gesellschaften weltweit. Die jüngste wurde erst kürzlich in Lima (Peru) gegründet. Neben Tübingen, Dußlingen und dem niedersächsischen Oyten gibt es weltweit 13 weitere Produktionsstätten – die größten in der Türkei, Brasilien, China und der Schweiz. Das klassische CHT-Geschäft mit Textilchemie (Aufheller, Weichmacher, Färbebeschleuniger, Beschichtung, Druck) geht in Europa seit Jahren zurück. Wachstum gibt es in dem Bereich, der derzeit 85 Prozent am CHT-Umsatz ausmacht, hingegen in Südamerika und Asien. Während die US-Niederlassung bis Jahresende vollends dicht gemacht wird (20 Mitarbeiter verlieren ihren Job), brummt’s vor allem im China- und Brasilien-Geschäft. Weltweit liegt die Zahl der Mitarbeiter bei 1700 – 560 arbeiten in Tübingen und Dußlingen, 55 in Oyten sowie 200 in der Schweizer CHT-Niederlassung in Montlingen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

08.09.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball