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Integrationsministerin empfing die türkisch-deutschen Austauschschüler des MGG

„Rassismus ist echt uncool“

Gestern haben die Integrationsministerin Bilkay Öney und die grüne Landtagsabgeordnete Muhterem Aras die deutsch-türkischen Austauschschüler des Martin-Gerbert-Gymnasiums empfangen. Die Politikerinnen ermutigten die Schüler, sich politisch zu engagieren und sich gegen Rassismus einzusetzen.

25.05.2012
  • Martina Lachenmaier

Stuttgart/Horb. „Rassismus ist echt uncool. Wer bin ich, um über andere Menschen urteilen zu können“, das ist die zentrale Botschaft die die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney den deutsch-türkischen Austauschschülern bei ihrem gestrigen Besuch in Stuttgart mit auf den Weg gab. Eine gute Stunde haben sich Bilkay Öney und Muhterem Aras für die Fragen der Schüler und Lehrer, auch Schulleiter Gerd Igney hat die Gruppe begleitet, Zeit genommen. Beim Besuch des Horber Neujahrsempfangs zu Jahresbeginn hatte die Ministerin noch einen formalen und steifen Eindruck hinterlassen. Den hat sie gestern im Gespräch mit den Jugendlichen gründlich revidiert. „Kennt ihr Politiker? Was wollt Ihr wissen“, fragte sie in die Schülerrunde, die von der lockeren Offenheit der beiden Politikerinnen fast ein wenig überrumpelt schienen, aber dem Gespräch gespannt folgten.

Neben den rechtlichen Aspekten, der Einbürgerung, Anerkennung von Berufs- und Schulabschlüssen sowie die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen, gehe es in ihrer Arbeit auch darum, Fehlentwicklungen in der Gesellschaft aufzuspüren, erklärte die Ministerin. Diskriminierungen zum Beispiel seien eine solche Fehlentwicklung, und da beschränke sie sich nicht nur auf die der Migranten. Auch Diskriminierungen wegen des Geschlechts oder der sexuellen Präferenz wolle sie nicht hinnehmen.

„Nicht jeder muss deshalb gleich ein Friedensnobelpreisträger werden, aber jeder kann an sich selbst arbeiten“. Auch sie selbst habe Vorurteile gehabt, die sie überwinden musste. Rassismus und Diskriminierung hätten in einer globalisierten Welt keinen Platz. „Damit stellen wir uns selbst ein Bein. Lest viel, lernt und setzt Euch mit anderen Kulturen auseinander“, sagte sie. Schließlich sei es egal, ob jemand Kopftuch trage, ein Tattoo habe, gepierct sei oder sich die Haare grün färbe.

Integration, ihr Hauptaufgabengebiet, solle allen Bürgern zugute kommen, sagte Öney. Selbstverständlich sei dass die Mehrheitsgesellschaft auch gehört werden müsse und einzubinden sei. In Baden-Württemberg stellen 450 000 türkischstämmige Bürger und Bosnier die Hauptgruppe der muslimischen Migranten. „Seien wir ehrlich, wenn wir über Integration reden, meinen wir doch vor allem die Muslime“, sagte Öney. „Mit ihnen will ich reden“, sagte sie. Weshalb sie einen runden Tisch einberufen habe, an dem ehrlich über Themen gesprochen werde, die im öffentlichen Integrationsdialog eher schwierig seien: das Kopftuch der Frauen, ihre Rolle im Islam und die religiösen Riten der Muslime.

Eine der türkischen Schülerinnen wollte wissen ob die Politikerinnen nicht Zweifel gehabt hätten als Angehörige einer Minderheit in die deutsche Politik zu gehen? Weil sich beide Politikerinnen als Deutsche verstehen, hat sich ihnen diese Frage eigentlich nicht gestellt. Muhterem Aras sagte: Ich fühle mich nicht als Angehörige einer Minderheit. Meine Heimat ist hier in Deutschland. Deshalb habe ich mir das zugetraut. Als Teil dieser Gesellschaft habe sie die Verpflichtung wahrgenommen, sich für sie einzusetzen. „Wenn die Türkei Eure Heimat ist, setzt Euch dort ein. Wer hier seine Heimat hat, soll es in Deutschland tun.“

Die Ministerin ermunterte vor allem die Mädchen, mutig zu sein. „Viele Frauen trauen sich zu wenig zu“, sagte sie. „Die Hälfte des Erfolgs ist Mut. Wir sollten keine Angst vor Erfolg haben. Gerade Frauen sind stark und kreativ“, sagte die Ministerin.

Für die Schüler, deren Wege sich gestern nach einer gemeinsam verbrachten Woche in Horb wieder getrennt haben, war der Besuch im Abgeordnetenhaus in Stuttgart ein protokollarischer Höhepunkt des Austauschprogramms. Lange haben sich die für den Austausch verantwortlichen MGG-Lehrerinnen, Claudia Beuter-Zimmermann und Magda Gawlikowski, um einen Termin bei der Ministerin bemüht, zumal die deutsche Austauschgruppe in Tekirdag stets von einem hochrangigen Politiker empfangen wurde. So bemerkte Magda Gawlikowski nach dem Besuch mit einigem Stolz: „Jetzt haben die türkischen Schüler die gleiche Ehre erfahren dürfen wie unsere Schüler in Tekirdag.“

„Rassismus ist echt uncool“
Die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney (Mitte) hat gestern die deutsch-türkische Austauschschülergruppe mitsamt Lehrern im Stuttgarter Abgeordnetenhaus empfangen. Bild: la

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25.05.2012, 12:00 Uhr

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