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Klares Ja – mit Wenn und Aber

Ratsfraktionen für neuen Europaplatz · Parkmöglichkeiten gefordert

Am Ende gab es im Gemeinderat klare Abstimmungsergebnisse für die Umgestaltung des Europaplatzes. Doch die Debatte war lang, vielschichtig und kontrovers.

28.07.2015
  • Gernot Stegert

Tübingen. Christoph Joachim, Fraktionsvorsitzender von AL/Grünen, sagte: „Was lange währt, wird nun wohl endlich gut.“ Der Europaplatz sei derzeit hässlich. Die Umgestaltung würde städtebaulich „eine Wunde schließen“. Dies gehe aber nur, wenn der Autoverkehr außen vor bleibe. Parkmöglichkeiten bestünden am Rand. Die Vorfahrt zu den Arztpraxen sei über die Post-Tiefgarage möglich. AL/Grüne stimmten für Variante 2, weil sie attraktiver sei und verkehrstechnisch funktioniere. Zentral sei, dass die wichtigsten Regionalbuslinien nun im Busbahnhof aufgenommen sind und nicht mehr wie im ersten Entwurf westlich des Kupferbaus halten sollen. Joachim sprach sich bei Fahrradabstellplätzen strikt gegen eine Tiefgarage aus: „Unterirdisch geht hier nichts.“ Die dezentrale Verteilung (siehe Plan oben) findet seine Zustimmung; auch die Idee eines Cafés und WCs am Park.

Für die CDU sagte Sandra Ebinger: „Wir wissen, dass der Europaplatz umgestaltet werden muss.“ Doch die Ortsteile seien ohne Autodurchfahrt abgeschnitten. Auch sei das Parkhaus im Westen nur eine Prüfzusage. Die Blaue Brücke könne zum Nadelöhr werden. Der neue Fraktionschef Rudi Hurlebaus sah eine Aussperrung der Autos, die einer mittelalterlichen Stadtmauer gleiche. Er sprach sich für Variante 1 aus, die er durch die Anordnung der Bussteige an einer Mittelinsel übersichtlicher fand. Touristen- und Fernbusse sollten seiner Meinung nach neben dem Kupferbau halten können.

Die SPD votierte einstimmig für Variante 2, weil sie bei zwei verkehrstechnisch gleichwertigen Lösungen städtebaulich besser sei. Das sagte Fraktionschef Martin Sökler. Anregungen zu Rädern und dem Autoparken seien aufgenommen worden. Ein Radparkhaus mit Café und WC habe Charme. Eine Tiefgarage im Westen müsse ergebnisoffen geprüft werden, auch im Hinblick auf die Kosten. Wichtig seien vor allem Kurzzeitparkplätze zum Absetzen von Bahnkunden. Eine Durchfahrt für Autos komme nicht in Frage. Sökler sagte: „Sonst hätte man die ganze Aktion bleiben lassen können.“

Ernst Gumrich (Tübinger Liste) appellierte an die CDU gegen eine Vertagung: „Wir möchten, dass der Europaplatz heute mit einer großen Mehrheit auf den Weg geschickt wird.“ Er fand beide Varianten gut. Das eindeutige Votum der Experten im Gestaltungsbeirat gab den Ausschlag für die zweite. Auch die Tübinger Liste ist gegen eine Radtiefgarage, weil die dafür nötige Rampe stören würde. Eine Autotiefgarage im Westen müsse „seriös und nicht nur als Zuckerle“ geprüft werden.

Gerlinde Strasdeit (Linke) zeigte sich bei den Varianten unsicher. Doch stimmte sie für eine Durchfahrt der Autos. Denn: „Der Hegel-straße wird viel zugemutet, da wohnen viele Menschen.“

Dietmar Schöning (FDP) verteidigte die Sperrung der Durchfahrt für Autos. Um so wichtiger seien die Tiefgaragen im Osten (unter dem Neubau) und im Westen. Schöning sprach sich für Variante 1 aus, die für Fußgänger sicherer sei. Auch nahm der Liberale den Expertenrat aus dem Gestaltungsbeirat auf, die Südseite des Bahnhofs auszubauen: „Nutzt Thiepval als Gleis 7 und 8 für Fernbusse.“

Für den fraktionslosen Jürgen Steinhilber passt Variante 2 am besten „zur Identität von Tübingen.“ Markus Vogt lehnte die ganzen Pläne ab, weil ihnen die Parkgaststätte zum Opfer fallen wird, Treffpunkt des „Stammtisch Unser Huhn“.

Ratsfraktionen für neuen Europaplatz · Parkmöglichkeiten gefordert
Der Stand der Planungen für Fahrradfahrer: Ihre Wege sind rot markiert. Vier Abstellplätze (P) sind vorgesehen. Am Parkrand im Norden, beim oder im Kupferbau im Westen, bei der Discounthalle im Osten und vor dem Thiepval-Gelände im Süden. Abbildung: Stadtverwaltung Tübingen

Die Ortschaftsräte von Hirschau, Bühl, Weilheim und Kilchberg hatten vor einer Woche in einer gemeinsamen Erklärung die Erreichbarkeit der Tübinger Innenstadt für Autofahrer gefordert und sich gegen die Sperrung der Europastraße ausgesprochen. Die Ortsvorsteher nahmen am Montag Stellung. Ulrich Latus (Hirschau) zeigte sich „erstaunt, dass man über das Votum von vier Teilorten hinweggeht“. Er fürchtet Kaufkraftabfluss Richtung Westen nach Rottenburg, Eine Tiefgarage sei nicht zugesagt. Gerhard Neth (Bühl) bemängelte, dass lange ohne die Teilorte geplant worden sei. Ein Parkhaus im Westen bleibe nun „zentrale Forderung“. Ähnlich äußerte sich Gundi Reichenmiller (Kilchberg): „Die Erreichbarkeit wird eingeschränkt, deshalb ist es um so wichtiger, dass Parkmöglichkeiten vorhanden sind.“

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28.07.2015, 12:00 Uhr

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