Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Raubkunst: Einigung nach langem Streit
Der Jerusalemer Rechtsanwalt Meir Heller mit dem Gemälde „Die Korbflechter“. Foto: dpa
Restitution

Raubkunst: Einigung nach langem Streit

Dieser Fall ist selten: Zwei Opfer der Judenverfolgung streiten um ein von den Nazis beschlagnahmtes Bild.

08.04.2017
  • DPA

Jerusalem. Im bitteren Streit um ein von den Nazis geraubtes Gemälde von Max Liebermann haben zwei Holocaust-Überlebende eine gütliche Einigung gefunden. Der israelische Anwalt Meir Heller bestätigte, sein Mandant habe zugestimmt, das Bild „Die Korbflechter“ von Liebermann (1847-1935) an den Erben David Toren in den USA abzugeben.

Die verschlungene Geschichte hatte 1939 begonnen, als der jüdische Unternehmer und Kunstsammler David Friedmann aus Breslau vor den Nationalsozialisten fliehen musste. Seine große Kunstsammlung wurde von den Nazis beschlagnahmt, einige Bilder endeten in der Gurlitt-Sammlung. 1942 wurde Friedmann von den Nazis ermordet.

Im Jahre 2000 habe sein in Israel lebender Mandant, der seinen Namen nicht preisgeben will, das impressionistische Gemälde „Die Korbflechter“ bei einer Versteigerung in der Villa Grisebach in Berlin für 130 000 Mark gekauft, sagte Heller. „Er wusste nicht von dem schrecklichen historischen Hintergrund“, erklärte der Anwalt. „Er ist selbst Holocaust-Überlebender und hat gegen die Nazis gekämpft.“

Vor einem Jahr sei er auf einen Appell des Friedmann-Erben David Toren zur Rückgabe des Gemäldes aufmerksam geworden. Sein Mandant sei schockiert über die Erkenntnis gewesen, dass er NS-Raubkunst in seinem Besitz hatte. „Er wollte das Bild danach nicht mehr haben, er empfand nur noch Abscheu.“

Parallel zu Kontakten mit der israelischen Gesellschaft für Restitution nahm Heller Kontakt mit Torens Sohn Peter auf, der als Rechtsanwalt in Washington arbeitet. Torens Antwort habe seinen Mandanten jedoch zutiefst verletzt. „Toren hat angedeutet, dass mein Mandant wusste, dass es sich bei den in der Villa Grisebach versteigerte Werken um Raubkunst handelte“, sagte Heller. „Das war für ihn eine unerträgliche Beleidigung, er forderte eine Entschuldigung und danach herrschte erst einmal Funkstille.“ Erst ein Treffen Hellers mit Peter Toren brachte dann einen Durchbruch. „Das Eis ist gebrochen, er entschuldigte sich.“ Das Gemälde wird nun in die USA gebracht. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

08.04.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball