Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Poetry zur Rotz-Entschlackung

Raus mit der Sprache: Schüler aus der Region präsentierten selbst geschriebene Texte

„Agnes ist halt tot“. Mit solchen Sprüchen überzeugte Simon Dehmer beim Poetry Slam „Raus mit der Sprache“. Und das trotz starker Konkurrenz.

05.07.2014

Von TIM RÖSLER

Tübingen. Schülerinnen und Schüler aus der Region stellten am Donnerstagabend ihre Gedichte und Texte beim Finale des Projekts „Raus mit der Sprache“ im Landestheater Tübingen (LTT) vor. Die Geschwister-Scholl-Schule, das Wildermuth-Gymnasium, sowie das Quenstedt-Gymnasium in Mössingen und das Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) in Reutlingen schickten ausgewählte Teilnehmer ins Rennen.

Die beiden Moderatoren und Schauspieler Helge Thun und Harald Kienzler hatten Workshops ausgerichtet, um Jugendliche zum Schreiben eigener Texte zu bewegen. Entstanden sind lyrische Balladen, tiefsinnige Kurzgeschichten und authentische Raps.

Zunächst trugen die Schüler der Klassenstufen fünf bis acht ihre Gedichte vor. Ziel war es, ein bereits vorgegebenes Thema abzudecken. Tiere, Spannung, Liebe und Parodie eines Klassikers.

Die originellen Wortkreationen versetzten nicht nur die beiden Mentoren, sondern auch die Zuschauer in Staunen. So sprach beispielsweise die Fünftklässlerin Lisa Maria Schäfer von einer „regelrechten Rotz-Entschlackung“ des Nashorns, das aufgrund seiner dicken Nase zum Arzt müsse.

Nach der Pause begann dann der eigentliche Wettstreit der älteren Jahrgangsstufen. Jeder Teilnehmer hatte fünf Minuten Zeit seinen Text vorzutragen. Bewertet wurden die neun Schüler von einer aus den Zuschauern gewählten Jury.

Bevor jedoch die Nachwuchstalente die Bühne betreten durften, zeigte Helge Thun mit einem Gedicht, dass er nicht nur ein begabter Moderator, sondern auch ein hervorragender Lyriker ist. Er erzählte von der Deutschen Nationalelf und baute auf lustige Wortspiele: „Der Philipp fand den Schiri Lahm“ oder „ Ich schau mal, ob ich den Miroslav auf dem Klo seh.“

Doch die Jungtalente machten seinen Auftritt nahezu vergessen. Ob philosophische Gedankengänge („Sekunden, Tage, Jahre verbraucht. Minuten vergangen, Leben verraucht“) oder kritische Plädoyers („Dem Arbeitsmarkt ist egal, was du denkst, solange du ihm deine Arbeitskraft schenkst“).

Am Ende gewann Simon Dehmer aus Reutlingen. Er setzte sich knapp gegen Lea Lischka von der Geschwister-Scholl-Schule durch. Diese hat mit ihrem poetischen Text gerade einmal einen Punkt weniger erhalten als ihr Kontrahent. Sie bedauerte in ihrem Vortrag unter anderem, ihre „Fantasie gegen eine Überdosis Wissen eingetauscht“ zu haben.

Simon Dehmers Text, in dem er unter anderem seinen Ingrimm über die Pflichtlektüre „Agnes“ von Peter Stamm äußert, überzeugte schließlich die Jury. Er darf im Herbst diesen Jahres zu den U20 Poetry Meisterschaften nach Kiel.

Die vielseitigen und originellen Texte der Teilnehmer zeigten deutlich, dass das Land der Dichter und Denker ernst zu nehmenden Nachwuchs bekommen hat.

Emely Breitmaier (links) und Naomi Speidel vom Mössinger Quenstedt-Gymnasium glänzten mit einwandfreiem Schwäbisch. Bild: Sommer

Zum Artikel

Erstellt:
5. Juli 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Juli 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Juli 2014, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen