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Razzia im Großbordell
Polizei, Steuerfahndung und Zoll haben das Großbordell "Artemis" durchsucht. Foto: Paul Zinken/dpa
Mehr als 900 Beamte im Einsatz - Verbindungen zu den Hells Angels

Razzia im Großbordell

Über 900 Einsatzkräfte rückten zur Razzia in Berlins größtem Bordell aus. Der Vorwurf: Sozialversicherungsbetrug und Steuerhinterziehung. Die Staatsanwaltschaft fühlt sich an Al Capone erinnert.

15.04.2016
  • SEBASTIAN HULD, AFP

Berlin. Bei einer spektakulären Razzia mit fast tausend Beamten sind mehrere Berliner Behörden gegen die Betreiber eines der größten Bordelle Deutschlands vorgegangen. Bei der Vollstreckung von sechs Haftbefehlen gegen die beiden Betreiber des "Artemis" sowie vier Hausdamen seien in der Nacht zum Donnerstag 118 Prostituierte angetroffen worden, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Den Festgenommenen werde Vorenthaltung von Sozialabgaben, Steuerbetrug und Menschenhandel vorgeworfen.

Polizei, Hauptzollamt und Steuerfahndung gehen davon aus, dass dem Amüsierbetrieb Prostituierte durch Mitglieder der Rockerbande Hells Angels zugeführt wurden. Die zur organisierten Kriminalität gezählte Bande habe den "Artemis"-Betreibern direkt Frauen vermittelt, im Gegenzug hätten die Rocker in dem Club unter anderem freien Eintritt genossen, sagte Staatsanwalt Sjors Kampstra.

Eine der Prostituierten hatte im vergangenen Sommer ihr Schweigen gebrochen, nachdem ihr Lebensgefährte und Hells-Angels-Mitglied sie schwer verletzt hatte. Die Behörden nahmen in der Folge umfangreiche Ermittlungen auf und kamen den Betreibern nun mit mutmaßlichen Steuervergehen bei - "wie bei Al Capone", sagte Berlins leitender Staatsanwalt Andreas Behm mit Bezug auf den US-Mafia-Boss der 1920er Jahre.

Die "Artemis"-Betreiber hätten die Frauen nur zum Schein als Selbstständige beschäftigt, sagte Behm. Dadurch sei der Rentenversicherungsträger "nach vorsichtigen Schätzungen um 17,5 Millionen Euro betrogen worden", sagte Michael Kulus vom Berliner Hauptzollamt. Hinzu kommt der Vorwurf der Steuerhinterziehung.

Zumindest ein Teil der mutmaßlichen Schadenssumme könnte durch umfangreiche Beschlagnahmen beglichen werden: Insgesamt seien Wertgegenstände im Umfang von 6,4 Millionen Euro beschlagnahmt worden, darunter hunderttausende Euro in bar, Autos und Immobilien. Neben dem "Artemis", wo mehr als 900 Polizisten, Zöllner und Steuerfahnder im Einsatz waren, wurden Redlich zufolge in Berlin sechs Wohnungen durchsucht. Weitere Razzien habe es in insgesamt sechs Immobilien in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gegeben, darunter Wohnungen und Steuerbüros. Die Behördenleiter betonten am Tag nach der Razzia, dass es sich bei den Steuer- und Abgabenvergehen keinesfalls um Bagatelldelikte handle. Vielmehr hätten diese Vergehen ein "System der gewalttätigen und illegalen Prostitution" gestützt, um die Frauen in Abhängigkeit zu halten und maximal auszubeuten.

So seien den Frauen Arbeitszeiten, Preise und Sexualpraktiken vorgeschrieben worden. Die verhafteten Hausdamen hätten das enge Regelsystem im Alltag durchgesetzt. Deshalb komme auch das "klassische Rotlichtdelikt der dirigierenden Zuhälterei" in Betracht, sagte Staatsanwalt Thorsten Cloidt. Auch wegen Menschenhandels werde ermittelt.

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15.04.2016, 06:00 Uhr

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