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Der kaputte Weltstar

Real-Stürmer Karim Benzema kultiviert seinen Ruf als Enfant terrible

Nach der Anklage wegen versuchter Erpressung droht Karim Benzema das knallharte Karriereende. Es wird eng für den Torjäger von Real Madrid, weil er schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist.

07.11.2015
  • PETER HEUSCH

Paris Am Dienstag, als sein Fußballklub Real Madrid gegen Paris Saint-Germain in der Champions-League gewann, war Karim Benzema zum Zuschauen verurteilt. Verletzungsbedingt. Doch selbst wenn der 27-jährige Stürmerstar demnächst wieder fit sein sollte, steht zumindest hinter seinen künftigen Einsätzen in der Nationalmannschaft ein großes Fragezeichen. Am Donnerstag wurde Benzema von einem Versailler Untersuchungsrichter wegen der mutmaßlichen Beteiligung an einer schmutzigen Erpressungsaffäre offiziell unter Anklage gestellt.

24 Stunden lang war Benzema zuvor im Polizeigewahrsam verhört worden. Er wird verdächtigt, in den Versuch verwickelt zu sein, seinen Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena mit einem Schlüsselloch-Video zu erpressen. Weil Unbekannte von ihm 150 000 Euro forderten, um von der Veröffentlichung eines Videos abzusehen, welches ihn und eine Freundin beim Sex zeigt, hatte der bei Olympique Lyon spielende Valbuena (31) Anzeige erstattet. Bereits seit Ende Juni ermittelte die Justiz.

Drei mutmaßliche Erpresser schmoren mittlerweile bereits in Untersuchungshaft. Offenbar hatten sie gute Kontakte in französischen Fußballerkreisen und zumindest einer von ihnen kannte Benzema über einen gemeinsamen Jugendfreund. Auch in abgehörten Telefonaten soll der Name Benzema gefallen sein. Tatsächlich hat Benzema das pikante Video wohl während eines Trainings der Tricolore-Elf im Oktober gegenüber Valbuena erwähnt. Die Ermittler glauben, dass Benzema seinen Mitspieler zur Zahlung der Summe drängen sollte. Benzemas Anwalt hingegen beteuert, sein Mandat habe das Thema nur aus Anteilnahme angesprochen und sich "auf gar keinen Fall" an einem Erpressungsversuch beteiligt.

Benzema wurde zwar auf freiem Fuß gelassen, jedoch nur unter Auflagen. Unter anderem ist ihm jeder Kontakt mit dem Erpressungsopfer Valbuena strikt untersagt. An Spielen mit der französischen Nationalmannschaft, deren offensiver Mittelfeldregisseur Valbuena ist, kann er demnach bis auf weiteres nicht teilnehmen. Nationaltrainer Didier Deschamps erklärte am Mittwoch, dass er beide Spieler nicht in den Kader für die anstehenden Länderspiele gegen Deutschland am 13. November und Großbritannien am 17. November berufen habe. Allerdings betonte Deschamps, dass diese Entscheidung schon vor der Anklageerhebung wegen Benzemas Verletzung gefallen sei - und im Falle Valbuenas aufgrund von dessen Formschwäche.

Eine Verurteilung würde Bezemas Karriere, mit 27 Länderspieltreffern Frankreichs aktueller Rekordschütze, mit Sicherheit beenden. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Doch selbst bei einem Freispruch ist seine Rückkehr in die Nationalmannschaft nicht gewiss. Denn Benzema war trotz seiner sportlichen Ausnahmeklasse - er gewann neben der französischen und spanischen Meisterschaft auch die Champions League und wurde 2011, 2012 sowie 2014 zu Frankreichs Fußballer des Jahres gekürt - nie unumstritten. Dafür hat das "Enfant terrible", das sich aus einem Vorstadtghetto bis an die Spitze des Weltfußballs kickte, allzu oft für Schlagzeilen neben dem Platz gesorgt.

Benzema muss sich auch keineswegs zum ersten Mal in einer Sexaffäre verantworten. Im Juni 2013 stand er gemeinsam mit mehreren Spielern, unter ihnen Bayern-Star Franck Ribery, vor Gericht, nachdem ihm Sex mit einer minderjährigen Prostituierten vorgeworfen worden war. Benzema bestritt vehement, jemals Kontakt mit der zum Zeitpunkt des Vorfalls 16-Jährigen gehabt zu haben. Das Gericht sprach alle Fußballer am Ende frei.

Weitere Scherereien mit den Behörden trägt Benzema immer wieder seine Fahrweise ein. Im Februar 2013 wurde er auf einer Stadtautobahn in Madrid mit 216 km/h geblitzt. Erlaubt waren nur 100 km/h. Dem Stürmer - Jahresgehalt: rund 8 Millionen Euro - wurde eine Geldstrafe von 18 000 Euro aufgebrummt und er musste seinen Führerschein für 18 Monate abgeben. Im Mai 2015 wurde er bei Madrid in seinem weißen Rolls Royce erwischt - ohne Fahrerlaubnis.

Real-Stürmer Karim Benzema kultiviert seinen Ruf als Enfant terrible
Begleitet von der Polizei: Am Donnerstag musste Karim Benzema (2. von rechts) vor Gericht erscheinen. Foto: afp

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07.11.2015, 12:00 Uhr

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