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Regie-Großmeister Peter Zadek ist gestorben

Rebell wird Vorbild

Die Theaterwelt verbeugt sich vor einem ihrer bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts - Peter Zadek war besessen und Liebender zugleich, wenn es ums Theater ging. Er starb im Alter von 83 Jahren.

31.07.2009
  • WILFRIED MOMMERT, DPA

Hamburg Mit Peter Zadek hat jetzt - nach schwerer Krankheit - einer der einflussreichsten „Großmeister“ des Nachkriegstheaters seine Bühne endgültig verlassen. Nach dem Tod von Kollegen wie Jürgen Gosch oder der Tanzchoreografen Pina Bausch und Merce Cunningham in den vergangenen Wochen ein weiterer schwerer Schlag für die Theaterwelt innerhalb kurzer Zeit. Zadek lebte im italienischen Lucca sowie in Berlin und Hamburg.

Der am 19. Mai 1926 in Berlin geborene und 1933 mit seinen Eltern nach England emigrierte Zadek - 1958 kehrte er wieder nach Deutschland zurück und arbeitete zunächst an der Ulmer Bühne und in Bremen - hat „das europäische Theater geprägt und Welttheater gemacht“, wie es bei der Verleihung des wichtigsten österreichischen Theaterpreises „Nestroy“ im November 2008 hieß. Und er war auch einer der prominentesten Vertreter des so genannten Regietheaters und mehrfach „Regisseur des Jahres“. Ein Berliner Theatertreffen ohne Zadek war lange Jahre undenkbar. Noch einmal meldete sich Zadek Anfang Februar 2009 in Zürich mit seiner Inszenierung „Major Barbara“ von George Bernard Shaw zurück, die aus Krankheitsgründen zunächst verschoben werden musste.

Sein Leitstern auf der Bühne aber hieß Shakespeare. „Der alte Fuchs hat mich wieder ganz gefangen genommen, Shakespeare mit seinem Humor und seiner Erotik“, sagte der einstige „Junge Wilde“ des deutschen Regietheaters und spätere Altmeister, Vorbild für ganze Generationen im Theater, vor seinem 81. Geburtstag. Von 1999 bis 2006 war Zadek mit seiner gefeierten „Hamlet“-Inszenierung mit Angela Winkler in der Titelrolle auf Tournee. Er plante mit „Was ihr wollt“ seine 20. Shakespeare-Inszenierung. Daraus wurde nichts mehr.

Die Liebe zu den Schauspielern sowie mit Intelligenz und Vergnügen Theater machen - das ist vielleicht auf einen Nenner gebracht das berufliche Credo von Peter Zadek. Theater „einfach, ernst und schwerelos“, meinten Kritiker zu seiner Arbeit. Ein besonders guter Intendant allerdings war der Regisseur und „grelle Entertainer“ nach eigenem Bekunden nie, weder in Bochum, Hamburg noch Berlin.

Dafür war Zadek als Regisseur der unerschrockene und liebevolle Provokateur des bürgerlichen Bildungstheaters, das er auffrischte wie nur wenige andere - mit Shakespeare, Tschechow und Ibsen als seinem „Dreigestirn unter den Theatergöttern“. Am meisten beschäftigt hat den Theatermann, der dem Boulevardesken und dem Revuehaften ebenso zugetan war wie der Darstellung des blanken Grauens und der Tragödie, die Figur des Shylock in Shakespeares „Kaufmann von Venedig“: „Weil ich mich mit der Figur komplett identifiziert habe - als Jude, als Außenseiter und natürlich besonders in Deutschland“, bekannte Zadek einmal.

Zu seinen Protagonisten gehörten über Jahre vor allem Ulrich Wildgruber, Eva Mattes und Uwe Bohm. Wildgruber war der unvergessene Othello in Zadeks Shakespeare-Inszenierung 1976 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, die der Regisseur nach eigener Aussage für „einen absoluten Wendepunkt für das deutsche Theater“ hielt. Mit Ulrich Tukur inszenierte er 1984 in Berlin und Hamburg einen seiner größten Theatererfolge, Joshua Sobols „Ghetto“.

Nach dem Mauerfall zog es den „Berliner Schuljungen vom Rüdesheimer Platz“ wieder in seine Vaterstadt. Zwar war er fasziniert von der Theaterlandschaft, dennoch blieb sein Intendantengastspiel am Berliner Ensemble (BE) Anfang der 90er Jahre eher glücklos. Zadek wurde nicht richtig warm mit der Stadt.

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31.07.2009, 12:00 Uhr

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