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Willkommen am Gleis 1

Reden und Wärme im Nachtcafé der Bahnhofsmission

Die Schnittchen am Infostand in der Bahnhofshalle waren Reisenden und Passanten sehr willkommen. Die Bahnhofsmission Tübingen feierte damit am Samstagabend ihr Nachtcafé, das seit einem Jahr geöffnet ist.

19.10.2010
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Eine Reisende aus Ellwangen hat noch ein paar Minuten, bis ihr Zug abfährt. Sie hat in Tübingen eine Verwandte im Krankenhaus besucht und ist froh über die kleine Stärkung am Stand der Bahnhofsmission in der großen Halle. Es gibt Tee und Schnittchen mit Tunfisch-Oliven-Paste oder Kräuterquark.

Sylvia Takacs, eine der beiden Leiterinnen der Bahnhofsmission, und der katholische Theologiestudent Philipp Strauß kümmern sich um die Reisenden, um Passanten und Neugierige. Der 26-Jährige ist einer von derzeit 17 Ehrenamtlichen, die beim Nachtcafé mithelfen. „Hier trifft man Menschen, mit denen man sonst nicht so leicht in Kontakt kommt“, sagt Strauß und denkt an Wohnungslose und psychisch Kranke. Sein Engagement bei der Bahnhofsmission sieht er als Vorbereitung auf den Seelsorger-Beruf.

Der 26-Jährige kommt offenbar rasch mit anderen in Kontakt. Ein zierlicher Rumäne erzählt ihm von harten Nächten in einem kleinen Zelt. Er will nach Frankreich, hat für den Samstagabend aber nur ein Bahnticket bis Baden-Baden. Dort will er versuchen, im Bahnhof zu übernachten.

„Wir geben kein Bargeld“, sagt Sylvia Takacs. Aber das Nachtcafé ist kostenlos. Es ist am Gleis 1, ein kleiner, heller Raum mit runden Glastischchen vor der Theke, wo fünf weitere Ehrenamtliche warten. Auch dort gibt es Schnittchen, Kekse, Kaffee und Tee. Wenn nichts zu feiern ist, sind die Speisen einfacher: Knäckebrot, Reiswaffeln, Vollkornbrot und Äpfel.

Eine Frau kommt herein, sie wirkt ein bisschen verstört. Sie hat in Tübingen vergeblich nach einer Freundin gesucht und macht sich Sorgen. Nun hätte sie gern ein Bier. „Alkohol trinken wir hier nicht“, sagt die Tübingerin Brigitte Härter. Acht Stunden in der Woche hilft sie bei der Bahnhofsmission mit, auch tagsüber. Weil die 59-Jährige über das Freiwilligen-Programm des Landratsamts (Best) zur Bahnhofsmission kam, bekommt sie halbjährlich Gutscheine für Volkshochschulkurse im Wert von 200 Euro für ihren Einsatz. An der Arbeit gefällt Härter, dass sie „so unterschiedliche Leute und Lebenseinstellungen kennen lernt, bei denen das Leben nicht so standardmäßig läuft“.

Im Nachtcafé arbeiten die Ehrenamtlichen immer zu zweit. Die meisten sind Studierende oder Menschen im Vorruhestand, so Takacs. In der Regel haben sie zwei Mal im Monat Dienst. Vor ihrem Einsatz werden sie geschult – beispielsweise in Gesprächsführung. Und: „Falls man irgendein Erlebnis hatte, über das man mit anderen reden möchte“, sagt Härter, gibt es psychologische Betreuung (Supervision). Das Nachtcafé sucht derzeit ehrenamtliche Mitarbeiter/innen. Wer Interesse hat, kann sich über die E-Mail-Adresse tuebingen@bahnhofsmission.de melden.

Info: Das Nachtcafé der Bahnhofsmission Tübingen öffnet mittwochs bis sonntags von 17.30 bis 22 Uhr.

Reden und Wärme im Nachtcafé der Bahnhofsmission
Mit Tee und Häppchen informierten Philipp Strauß (Mitte) und Sylvia Takacs (rechts) am Samstag im Hauptbahnof über das Angebot der Bahnhofsmission. Bild: Faden

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19.10.2010, 12:00 Uhr

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