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Kaum Wohnungen

Refugio und Asylzentrum über die Situation von Flüchtlingen

Flüchtlinge, die nach Tübingen und in den Landkreis kommen, erfahren viel haupt-und ehrenamtliche Hilfe. Aber: Sie leben auch hier in der Angst, in ihr Heimatland zurückgeschickt zu werden. Darüber berichteten Mitarbeiter des Asylzentrums und von „Refugio“ in der Bezirkssynode.

22.07.2015
  • Christiane Hoyer

Tübingen. Auf Einladung des evangelischen Kirchenbezirks Tübingen schilderten Angela Zaschka, Peter Scholz und Ulrike Schneck ihre Arbeit mit Flüchtlingen und ehrenamtlichen Helfern. Der Verein „Refugio“ hat im Januar eine Regionalstelle in Tübingen eröffnet. Dort bekommen traumatisierte Flüchtlinge Hilfe. Peter Scholz und Ulrike Schneck berichteten am Montag in der Bezirkssynode, dass manche Flüchtlinge „sieben Jahre auf der Flucht“ waren. Sie sind „Überlebende“, so Scholz, und oft „seelisch schwer verletzt“. Auf der Flucht wurde Männern wie Frauen oft körperliche Gewalt angetan – mit psychischen Folgen. Diese Gewalt, so Scholz, geschehe nicht nur in Herkunftsländern wie Syrien, Libyen oder Afghanistan. Oft werde sie auch in Erst-Ankunftsländern wie Italien ausgeübt. „Es ist oft unvorstellbar, was Flüchtlinge erleben mussten“, sagte Scholz. Die Folgen drücken sich auf unterschiedliche Weise aus. Die einen sind aggressiv, andere wirken apathisch, oder sind depressiv. Daher geht es in Einzelgesprächen, bei denen immer ein muttersprachlicher Dolmetscher übersetzt, oft erst einmal um die psychische „Stabilisierung“ der Klienten, sagt Ulrike Schneck, und um „Selbstberuhigungsstrategien“.

In Tübingen verfügt Refugio über ungefähr 20 Dolmetscher. Sie sind in der Regel selber Migranten und stellen sich meist ehrenamtlich als Übersetzer zur Verfügung. Da die Berichte der Flüchtlinge auch für die Dolmetscher „sehr belastend“ ist, so Schneck, werden sie von den Refugio-Mitarbeitern auf ihre Arbeit in Schulungen vorbereitet. Therapiert werden derzeit in den Räumen von Refugio – dem ehemaligen Gästehaus des Edith-Stein-Karmel in der Neckarhalde – 70 Flüchtlinge, 40 „warten schon“, sagt Schneck. Für die therapeutische Arbeit erschwerend ist aus ihrer Sicht, dass die Flüchtlinge berechtigte Angst haben, nicht in Deutschland bleiben zu können.

Das konnte Angela Zaschka vom Asylzentrum mit Zahlen belegen: Allein in Tübingen leben 400 Flüchtlinge in einer Gemeinschaftsunterkunft und warten auf den Ausgang ihres Asylverfahrens. 140 Menschen haben einen Duldungsstatus, ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Nur sechs Personen haben Asyl bekommen. In ihren Gesprächen mit Flüchtlingen versucht Zaschka diesen immer wieder klar zu machen: „Wenn ihr einen gelben Brief bekommt, ist Eile angesagt, dann müsst ihr schnell zu uns kommen“. Ohne die Hilfe der zahlreichen neu gebildeten Freundeskreise, so Zaschka, wäre die Begleitung der Menschen und ihre rechtliche Verfahrensberatung gar nicht möglich – auch Rechtsanwälte sind da gefragt.

Ein großes Problem ist fürs Asylzentrum auch die Suche nach Wohnungen. Nach Ablauf des Asylverfahrens muss für die Flüchtlinge eine Anschlussunterbringung gefunden werden. „In Tübingen geht gar nichts, obwohl wir jeden Tag suchen“, sagte Zaschka. Diese Schwierigkeit kennt auch Pfarrer Martin Kreuser, der den Asyl-Arbeitskreis in Dettenhausen mitbetreut. Für die Anschlussunterbringung, so Kreuser, „müsste der Landkreis jedes Jahr Wohnungen im dreistelligen Bereich bauen. Da muss parteiübergreifend Druck gemacht werden!“, rief Kreuser.

Das Gremium votierte schließlich mehrheitlich (bei einer Enthaltung) dafür, das diesjährige Bezirksopfer dem Verein Refugio für seine Arbeit zu spenden.

Bilder: Franke, privat

Refugio und Asylzentrum über die Situation von Flüchtlingen

Refugio und Asylzentrum über die Situation von Flüchtlingen
Peter Scholz

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22.07.2015, 12:00 Uhr

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