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Bildung

Regenbogen-Geigen und Summtöpfe

Beim landesweiten „Tüftler- und Forscherinnentag“ öffnen rund 50 Einrichtungen ihre Pforten, um Lust auf Naturwissenschaft zu machen. Das Klanglabor im Landesmuseum in Stuttgart kommt gut an.

14.11.2018

Von SIMON WAGNER

Sichtbare Resonanzen: Kinder tauchen im Stuttgarter Landesmuseum ein in die Welt der Klänge. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Die fünfjährige Mirjam schaut noch etwas ungläubig. Zögerlich legt sie die zwei zusammengebundenen Eisstile an den Mund und pustet erst leicht, dann mit voller Kraft hinein. Aus dem krächzenden Laut wird schließlich ein klarer Klang. Lachend und auch ein klein wenig stolz hält sie nun ihre selbstgebastelte Mundharmonika in den Händen.

Rund 25 Kindergartenkinder zwischen drei und fünf Jahren aus Stuttgarter und Sindelfinger Einrichtungen tun es ihr am Dienstagvormittag im historischen Fruchtkasten der Landeshauptstadt gleich. Museumspädagogin Gudrun König steuert hier und da noch kleine Hilfestellungen bei, vor allem aber erklärt sie, wie die Papiermembran zwischen den Holzstäbchen durch Luft in Schwingung versetzt wird. Der Vormittag im „Kuriosen Klanglabor“ des Landesmuseums Württemberg ist geprägt von verblüffenden Klangphänomenen und einem kindgerechten Blick auf die Physik dahinter. Wie funktioniert die Regenbogen-Geige? Was passiert im Summtopf? Warum entstehen geografische Blumenmuster, wenn man Salz auf eine vibrierende Platte streut?

Lust auf MINT wecken

So wie im Stuttgarter Landesmuseum öffneten gestern zum „Tüftler- und Forscherinnentag Baden-Württemberg“ rund 50 Museen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen im ganzen Land ihre Pforten, um bei Kindern aus Kindertagesstätten und Grundschulen Neugier auf naturwissenschaftliche und technische Themen- und Berufsfelder zu wecken. Durch praxisnahe und spielerische Führungen und Workshops soll so in jungen Jahren das Bewusstsein für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) geschaffen werden. Kinder bis sieben Jahre hatten auch die Möglichkeit, eine Schreinerwerkstatt zu erkunden, Chemie- und Physiklabore zu besuchen oder aber den Stuttgarter Straßenbahnern auf die Finger zu schauen.

Die Bildungsstiftung „element-i“ veranstaltete den Tag gestern bereits zum fünften Mal – und hatte erstmals prominente Schützenhilfe an ihrer Seite. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), Landesministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, war erstmals Schirmherrin des Aktionstags. „Der Tüftler- und Forscherinnentag motiviert die Kinder, den Dingen auf den Grund zu gehen und fördert ihre Lernkompetenz“, begründet sie ihr Engagement. Der Tag, sagt die Ministerin, sei eine Investition in die Zukunft der Kinder.

Vielfältige Impulse

Eine Einschätzung, die Susann Gerstweiler, Leiterin der Sindelfinger Kindertagesstätte „Allmendäcker“ unterstreicht, während sie im musikalischen Landesmuseum auf die gebannt dreinschauende Kinderschar blickt. „Uns ist es wichtig, dass die Kinder vielfältige Impulse mitbekommen“, sagt sie. Ihr als Einrichtungsleiterin gehe es darum, ganz unterschiedliche Möglichkeiten und Chancen aufzuzeigen. Ein Ansatz, den sie offenbar mit vielen ihrer Kollegen teilt. Nur wenige Minuten nach dem Start der diesjährigen Anmeldefrist waren etwa die begehrten Plätze bei den Stuttgarter Straßenbahnen bereits belegt.

Ein Zulauf, der in den vergangenen Jahren immer weiter zunahm. Startete „element-i“ 2014 mit acht Unternehmen und rund 170 Kindern, machten im vergangenen Jahr bereits 650 Kinder und 32 Betriebe und Einrichtungen mit. Gestern waren rund 1200 Kinder im ganzen Land zu Gast und erlebten, wie jene im Stuttgarter Landesmuseum, nicht alltägliche Einblicke in unterschiedlichste Themenwelten, die haften bleiben dürften. Oder wer kann von sich schon behaupten, eine Mundharmonika selbst gebastelt zu haben? Mirjam jedenfalls hätte es vorgestern nicht geglaubt. Den Beweis aber trug sie stolz mit nach Hause.

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Erstellt:
14. November 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. November 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 06:00 Uhr

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