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Laster sollen draußen bleiben

Regierungspräsidium will die Luft in der Eberhard- und Karlstraße verbessern

Dicke Luft im Reutlinger-Ausschuss für Bau, Umwelt und Verkehr: Das Tübinger Regierungspräsidium (RP) will die Karl- und Eber hardstraße für Lastwagen sperren. Hintergrund ist eine Klage der Deutschen Umwelthilfe.

20.09.2014
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Wie berichtet, möchte das RP damit die dritte Fortschreibung des Luftreinhalteplans realisieren, der seit 2008 läuft. Ursprünglich wollte das RP die Laster über die Adenauerstraße, den Hohbuch-Knoten und die B 28 umleiten. Doch diese Belastung würde der Knoten nicht aushalten, argumentierte die Stadtverwaltung und legte Widerspruch ein. Tiefbau-Chef Arno Valin warnte im Ausschuss vor dem Engpass am Knoten durch den vielen Verkehr von der Adenauerstraße. So bot das RP nun an, den Lastwagenverkehr über die Gutenberg- und Rommelsbacher Straße auf die B 28 umzuleiten – obwohl dann um die 70 Eber hardstraßen-Anlieger von Emissionen betroffen seien. „Nicht die beste, aber die einzige Lösung“, fand Stephan Czarnecki, RP-Referatsleiter Luftreinhaltung. Um die Umgehung zu realisieren, rechnet die Stadt mit 150 000 Euro Kosten.

Der Bauausschuss wurde nur informiert, es gab keine Abstimmung. Wenn die Stadt nicht zustimme, „müsste die Verkehrsbehörde das anordnen“, sagte Czarnecki.

In der Karl- und Eberhardstraße steht keine Messstelle. Hier fahren am Tag 600 bis 650 Lastwagen. Eher konservativen Berechnungen zufolge lag die Stickoxid-Belastung dort voriges Jahr im Schnitt bei 49,4 Mikrogramm. Der EU-Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm. Die Lastwagen-Sperre könnte die Belastung um 2,6 Mikrogramm reduzieren. „Das RP ist verpflichtet, jede kleinste Verbesserung durchzusetzen“, erklärte Baubürgermeisterin Ulrike Hotz.

Der Ausschuss lief zunächst Sturm gegen die Pläne. Alle Fraktionen sahen internen Abstimmungsbedarf, weil die Sitzungsvorlage nur kurzfristig vorlag. Man müsse sich vielmehr darauf besinnen, wie man den Verkehr aus der Stadt kriege, sagte Edeltraut Stiedl (SPD). Auf den Umgehungsstraßen gebe es jetzt schon in den Stoßzeiten Staus, „dann geht dort überhaupt nichts mehr“, erklärte Rainer Löffler (CDU) und sprach von Aktionismus. „Eine Maßnahme der Maßnahme wegen“, fand Jürgen Straub (WiR) – Kosmetik, die in der Summe nichts bringe.

Löffler forderte, den Scheibengipfeltunnel in der Berechnung zu berücksichtigen. Das wird er zwar – ist aber frühestens Weihnachten 2017 fertig, wie der RP-Referats-Chef für Straßenbau Josef Bild verriet. Und der Handlungsbedarf ist akut.

Denn vor dem Sigmaringer Verwaltungsgericht ist eine Klage anhängig. Der Verein Deutsche Umwelthilfe klagt gegen die Reutlinger Emissionen, die landesweit auf Platz zwei liegen (siehe Kasten). Dabei geht es indes vor allem um die Lederstraße. Dort wurden die Feinstaub-Grenzwerte voriges Jahr an 79 Tagen überschritten – 35 sind der Grenzwert. Und die Stickoxid-Belastung lag bei 72 Mikrogramm. Reutlingen müsse vor Gericht einen guten Eindruck machen und zeigen, dass alles Machbare unternommen werde, sagte Rechtsamts-Chef Hans-Ulrich Stühler. Darauf ließen sich die Räte allmählich ein. Das RP tue nur, was es müsse, sagte Susanne Müller (Grüne). Freilich setzte der Ausschuss durch, dass das Thema in einer der nächsten Sitzungen erneut auf die Tagesordnung kommt.

gSiehe „Mit Engelszungen“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat beim Sigmaringer Verwaltungsgericht Klage eingereicht gegen das Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Tübinger Regierungspräsidium (RP). Der Grund ist die Reutlinger Überschreitung der Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide. Verhandlungstermin ist am 22. Oktober. Siegt die DUH, muss die Stadt womöglich den Verkehr in der Lederstraße massiv reduzieren. RP-Experte Stephan Czarnecki sprach von mehr als 50 Prozent: „Wir müssten die Lederstraße um eine Spur rückbauen, eine Busspur einbauen und ein Tempolimit einführen.“

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20.09.2014, 12:00 Uhr

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