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Zwischen schaurig-schön und nüchtern

Regisseur Christian Schäfer über die Premieren am Zimmertheater

Heute eröffnet das Zimmertheater die neue Spielzeit mit der Premiere des Doppelabends „Romantik is dead!“. Dramaturgin Nina Schmulius hat vorab mit Regisseur Christian Schäfer gesprochen.

10.09.2010

Nina Schmulius: „Romantik is dead!“ – Was verbirgt sich hinter diesem Schlachtruf?

Christian Schäfer: Zwei Stücke, die sich in verschiedenen Epochen mit unterschiedlichsten Facetten des Themas Romantik auseinandersetzen: „Zastrozzi“ vom kanadischen Erfolgsdramatiker George F. Walker und „Die Lieb-Haberin“ von Joachim Zelter. Beides sind Romanadaptionen. Die Vorlage zu „Zastrozzi“ lieferte Anfang des 19. Jahrhunderts der britische Romantiker Percy Bysshe Shelley, der mit „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley verheiratet war, mit dem gleichnamigen Schauerroman. Allerdings hat Walker den Roman Percy Shelleys nur als Impuls benutzt. Herausgekommen ist ein schaurig-schöner und von Mantel- und Degen-Filmen inspirierter ironisch-grotesker Krimi.

„Die Lieb-Haberin“ ist dagegen ein Stück im eher nüchternen Gegenwartston – wie passt das?

Joachim Zelter beschreibt ein Dilemma der Liebe: Was soll man machen, wenn die geliebte Person unerreichbar ist, sich aber eine andere Person aus Liebe der eigenen Biografie bemächtigt. Hier drängen sich die alten Motive der Romantik geradezu in das Werk hinein, und man kann beobachten, was aus ihnen im Heute wird. Man kann es entweder als sich fortschreibenden Prozess oder als Gegenstück sehen.

Ist die Romantik denn so tot?

Uns geht es ja nicht allein um die Motive der literarischen und künstlerischen Epoche. Wir wollen auch das Romantische oder was jeder von uns darunter versteht hinterfragen. Deswegen haben wir das deutsche Wort „Romantik“ im englischen Satz gewählt. Aber inwiefern unser Leben „romantisch“ ist, muss jeder selbst beantworten.

Der Abend feierte im Mai bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Premiere, da war die Bühne vermutlich groß genug für zwei Stücke. Wie lösen Sie das jetzt auf der im Vergleich dazu eher kleinen Zimmertheaterbühne?

Hella Prokoph hat ein Bühnenbild geschaffen, das Raum und Zeit quasi überdauert. Und das zugleich romantische Rüschen wie kahle Ästhetik zulässt. Bei den Ruhrfestspielen wurde es übrigens besonders romantisch: Während der Premiere, die in einem Zelt stattfand, schrie im angrenzenden Park ein Pfau. Wenn das kein Zeichen ist!

„Romantik ist dead!“ – ein Doppelabend

Gespielt werden „Zastrozzi“ (DSE) von George F. Walker (deutsch: Frank Heibert) und „Die Lieb-Haberin“ (UA) von Joachim Zelter – mit Christine Diensberg, Nicole Schneider, Robert Arnold, Endre Holéczy, Moritz Peters, Frank Siebenschuh; Regie: Christian Schäfer; Bühne und Kostüm: Hella Prokoph. Die Premiere ist ausverkauft. Weitere Termine: 11. September, 15. und 16. Oktober jeweils 19.30 Uhr. Ab Oktober sind die Stücke auch einzeln zu sehen.

Regisseur Christian Schäfer über die Premieren am Zimmertheater
Von Mantel- und Degen-Filmen inspirierter, ironisch-grotesker Krimi: Szene aus „Zastrozzi“, dem Auftaktstück des Doppelabends. Von links Nicole Schneider, Endre Holéczy und Frank Siebenschuh.Bild: Zimmertheater

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10.09.2010, 12:00 Uhr

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