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Rottenburgs Amtsleiter Manfred Wanner ist seit Jahresanfang im Ruhestand

Reichlich Tiefbau auch überm Boden

21 Jahre arbeitete Manfred Wanner im Rottenburger Tiefbauamt, seit Mitte 1994 als dessen Leiter. Ende des Jahres ging er in Ruhestand.

15.01.2015
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Bevor Wanner nach Rottenburg wechselte, war er Stadtbaumeister im 10 000 Einwohner großen Wildberg, wo er immer noch lebt. Dass er, kaum in Rottenburg eingearbeitet, so schnell und ohne Ausschreibung die Amtsleitung angetragen bekam, stand nicht in seinem Kalkül und spricht für seine Qualitäten. Wanners erste Planung, für die er verantwortlich war, bezog sich auf die Poststraße in der Kernstadt, auf den Abschnitt zwischen Bahnhof und Schranke. Damals wurden an der Poststraße auf der Seite in Richtung der Gleise unter anderem Parkbuchten angelegt und junge Bäume gepflanzt.

Waren das noch Fingerübungen für Wanner, hatte er 1996/97 eine Mammutaufgabe zu bewältigen an einer der sensibelsten Stellen der Stadt: Marktplatz und Königstraße. Federführend war das Stadtplanungsamt, erzählt Wanner, denn es ging ja um „die gute Stube“ der Stadt, wie manche den Marktplatz nennen. Das Tiefbauamt hatte das Technische zu meistern.

Der Unterbau für den Marktplatz-Granitteppich musste sehr stabil werden, denn in der Fußgängerzone fahren regelmäßig schwere Omnibusse, kommen Anlieferfahrzeuge für die Geschäfte. Außerdem befinden sich große Gewölbekeller unter dem Platz, die nicht der Durchfeuchtung ausgesetzt werden sollten. Da habe er sich „ein Patent ausgedacht“, erzählt Manfred Wanner im Rückblick. Unterm Pflaster des Marktplatzes liege kein wasserdurchlässiger Drän-Asphalt, sondern ein wasserundurchlässiger Schwarzbelag. In den wurden alle 50 Zentimeter Schlitze oder flache Rinnen gefräst und mit Vlies abgedeckt. In ihnen sammelt sich das durch die Pflasterfugen sickernde Wasser und läuft im Gefälle zu den Straßeneinläufen.

Schönheit unter den Scherkräften der Laster

„Das hat hervorragend funktioniert“, sagt Wanner. Damals habe das Tiefbauamt eng mit Prof. Kurt Schellenberg und dessen Institut für Materialprüfung kooperiert. Wanner erinnert sich noch, was er dem Experten anfangs gesagt hatte: „Wir brauchen eine Lösung, sonst gibt‘s Ärger.“

Etliche Jahre später war die Aufgabenstellung bei Neuanlage des Eugen-Bolz-Platzes ein wenig anders. Fahren die Busse über den Marktplatz fast schnurgerade, drehen sie auf dem Eugen-Bolz-Platz aus dem Kreisverkehr heraus, ganz eng um den langen Buswartesteig herum und dann wieder in einer Kurve in den Kreisverkehr hinein. Unter den Rädern entstehen dabei gewaltige Scherkräfte, die das Pflaster extrem belasten.

Eine Entwicklung wie einst bei den Betonpflasterflächen in der Ergenzinger Utta-Eberstein-Straße musste auf dem prestigeträchtigen Eugen-Bolz-Platz nach aller Ingenieurskunst ausgeschlossen werden. Dass Busse und Lastwagen schweres Granitgroßpflaster und selbst Bordsteine aus dem Untergrund drehen, als wären es Waldpilze, war am Kreisverkehr beim Schlachthof zu sehen. „Wir haben die Optik nicht ganz vernachlässigen wollen“, sagte Wanner vor sechseinhalb Jahren, wohl wissend, dass der Versuch scheitern musste. Der Eugen-Bolz-Platz sieht noch gut aus.

Kläranlage Kiebingen als deutsches Pilotprojekt

Noch einen weiteren Platz belegte die Stadt in Wanners Ägide als Tiefbauamtsleiter mit Granit: den Ehinger Platz. Besonderheit dort: ein glatterer Pflasterstreifen speziell für Menschen mit Rollator.

Ein Tiefbauamt macht nicht nur Plätze. „Ich habe über 30 Baugebiete erschlossen“, berichtet Wanner. Sofort ergänzt er: „Das ist nicht nur mein Werk, da haben viele Mitarbeiter mitgewirkt.“

So wenig spektakulär wie das Erschließen von Baugebieten ist der Bau von Kläranlagen. Dabei hat Rottenburg technische Spezialitäten zu bieten wie etwa die Membran-Filteranlage in Ergenzingen. Zu den technisch anspruchsvollen Kläranlagen finden Bürger keinen emotionalen Zugang. Die Anlage in Kiebingen wird ein deutsches Pilotprojekt, das erheblich weniger Energie verbraucht. „Ohne Uni mache ich das nicht“, habe Wanner verwaltungsintern gesagt. Prof. Heidrun Steinmetz, Inhaberin des Lehrstuhls für Siedlungswasserwirtschaft und Wasserrecycling in Stuttgart, ist beratende Expertin.

Als einer von zwei Betriebsleitern beim städtischen Eigenbetrieb Stadtentwässerung (SER) hatte Tiefbauamtsleiter Manfred Wanner zu tun in jenem städtischen Bereich, der am meisten Schulden verursachte: 40 Millionen Euro waren es zum Jahresanfang. Sie sind aus dem städtischen Haushalt ausgegliedert. Die Bürger zahlen sie über Abwassergebühren zurück.

Brücken scheinen für Laien ein typischer Fall von Hochbau zu sein. Es ist anders: „Brücken gehören immer zum Tiefbau“, erklärt Wanner. Er hatte bei allen drei Neckarbrücken in der Kernstadt seine Finger am Geländer. 1997 wurde die Obere Brücke renoviert. Das war ein Kinderspiel gegen die Keppler-Brücke und gegen die Josef-Eberle-Brücke, denn diese beiden wurden völlig neu errichtet.

Im Oktober 2000 war die Keppler-Brücke fertig, ein Stück breiter als die alte. Besonders zufrieden ist Wanner aber mit der Josef-Eberle-Brücke, denn mit ihrer extrem dünnen Spannbetonplatte ist sie ein Stück Ingenieurskunst und sieht schick aus. Der Entwurf stammt aus dem Büro des Stuttgarter Architekten Prof. Werner Sobek.

Mit Brücken hatte Wanner reichlich zu tun. Die alte Stahlfachwerkbrücke über den Neckar in Bad Niedernau wurde saniert, die in Kiebingen war nicht mehr zu retten, weshalb eine neue über den Fluss gespannt wurde. 2008 riss das Hochwasser der Starzel in Bieringen die historische Steinbrücke weg. „Die schöne alte Brück’“, sagt Wanner. Dort wie auch bei der Josef-Eberle-Brücke durfte sich Wanner auch noch um Behelfsbrücken kümmern, jede für sich wieder eine Spezialität. Wanner über Rottenburg: „Das Tolle hier ist, dass es viele große Projekte zu bauen gibt.“

Freude über Elternhilfe beim Spielplatzbau

Was hat das Tiefbauamt Rottenburg in Wanners gut zwei Jahrzehnten alles abgewickelt: Regenüberlaufbecken wurden gebaut und an die 25 Straßen, Kanäle abgedichtet oder neu verlegt. Als Hochwasserschutz erhielt Ergenzingen vor gut zehn Jahren zwei Rückhaltebecken. In jüngster Zeit investierten Stadt und Land Millionen Euro in den Hochwasserschutz in Hemmendorf, Bieringen, Rottenburg und – derzeit noch – in Dettingen.

Spielplätze gehören zum Arbeitsfeld des Tiefbauamts. Wanner bewertet es im Rückblick „sehr positiv“, dass sich häufig Eltern, Vereine und Gruppen ganz wesentlich am Werden eines Spielplatzes beteiligten. Auch am anderen Ende bürgerlichen Lebens ist das Tiefbauamt präsent – bei den Friedhöfen. Rottenburg mit seinen 17 Stadtteilen ist besonders arbeitsreich.

Manchmal hat das Tiefbauamt mit dem Schutz von Kröten zu tun. Atmosphärisch schwieriger sind Wünsche etwa von Vereinen oder von Nachbarn städtischer Liegenschaften, die ebenfalls die Natur betreffen: „Jeder will einen Baum abgesägt haben, weils Laub fällt“, sagt Wanner. Umgekehrt gibt’s auch gern Ärger. Wanner hat während seiner Amtszeit gelernt, dass es hilft, die Leute vorher über die Presse zu informieren, wenn im Stadtbild größere Bäume gefällt werden. Sonst ist stets sofort von einer „Nacht- und-Nebel-Aktion“ die Rede.

Jetzt verschwindet Wanner, 64,5 Jahre alt, aus dem Rottenburger Stadtbild. Der Mann, der seine Sätze so gern mit der Wendung „Das Thema ist“ beginnt, ließ stets die Bürgermeister reden – die Posaune war nie sein Instrument.

Im Ruhestand freut er sich auf Reisen mit seiner Frau im Wohnwagen. Zwei Mal pro Woche geht er ins Fitness-Studio, zudem hat er noch einen Hausverwalter-Job, den er gern macht. Seine Fachkunde als Bau-Ingenieur scheint gefragt, denn er sagt: „Es kann schon sein, dass ich die eine oder andere Baustelle übernehme.“ Außerdem haben sich die Wanners, wie seine Frau am Telefon verrät, jetzt einen Hund gekauft.

Reichlich Tiefbau auch überm Boden
Rottenburgs ehemaliger Tiefbauamtsleiter Manfred Wanner vor der Josef-Eberle- und dahinter der Keppler-Brücke. Bild: Fleischer

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15.01.2015, 12:00 Uhr

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